Agressiver Autist

      Agressiver Autist

      Hallo zusammen,

      bin neu hier und hoffe auf ein paar Tipps. Habe einen Bruder der geistig behindert ist und zudem auch Autist ist. Das Zusammenleben mit ihm wird immer schwerer. Unser Vater ist vor fast drei Jahren verstorben. Er hatte ihn wenigstens etwas im Griff. Aber mir gelingt das absolut nicht. Dazu habe ich wahrscheinlich zu wenig Geduld. Und das Problem ist, er lebt bei meiner Mutter die aber auch nicht wirklich gut mit ihm zurecht kommt. Aber sie weigert sich ihn in betreutes Wohnen zu geben weil sie Angst vor dem Alleinsein hat. Sie ist sehr depressiv was ich ja irgendwie nachvollziehen kann. Aber ist nicht bereit irgendetwas an ihrem Leben zu ändern. Ich wohne nebenan. Also bekomme ich zwangsläufig viel mit. Einerseits ist mein Bruder sehr frech zu mir, er schlägt auch. Aber andererseits bin ich wohl jetzt seine Bezugsperson wenn er irgendwas möchte. Ich weiß aber nicht mehr wie ich damit umgehen soll. Es ist ja ganz egal was man zu ihm sagt. Er steigert sich da rein. Ein Beispiel: Sein Fahrrad ist zur Zeit kaputt. Dann fragt er wann wird das repariert? Ich sage dann, das weiß ich noch nicht. Diese Antwort möchte er schon mal garnicht hören. Dann fragt er wann?? Dann nenne ich einen Tag. Und diese Frage wiederholt immer und immer wieder und wird dann immer ungeduldiger. Und dann kommt er immer näher und dann zack bekomme ich eine gescheuert.. Und der Schlag ist nicht von schlechten Eltern...Er ist sehr groß (2 m groß, 130 kg) Ich weiß nicht mehr was ich machen und soll oder wie ich reagieren soll. Kann mir jeman helfen??
      Hallo Alexis72

      Ich denke, dein Bruder sollte in ein betreutes Wohnheim. Du musst deine Mutter davon überzeugen, irgendwie. Er wird da, wenn es ein gutes Wohnheim ist, auch gefördert und es gibt Verhaltenstrainings etc. Deine Mutter sollte ebenfalls ihre Depression behandeln lassen. Vielleicht kannst du sie mit dem Argument überzeugen, dass es für einen geistig behinderten Autisten sicher nicht gut ist, mit einer depressiven Mutter zusammen zu leben. Dass es also letztlich egoistisch von ihr ist, die Situation nicht ändern zu wollen. Und dass sich natürlich gleichzeitig auch für sie vieles zum Positiven ändern kann, wenn ihr was ändert.
      Evtl. kann man auch versuchsweise in ein betreutes Wohnheim, da kenne ich mich zu wenig aus. Aber von einem Versuch kannst du sie vielleicht besser überzeugen als von einer dauerhaften Lösung. Aber das, was du beschreibst ist kein Zustand und ihr braucht professionelle Hilfe.
      Viel Glück!
      Liebe Alexis72

      Vielen Dank für Deinen Beitrag in unserem Forum. Wie es scheint, braucht Ihr so schnell wie möglich persönliche Unterstützung. Wenn sich Menschen mit Autismus aggressiv verhalten, sind sie in grosser Not. Oft gelingt ihnen nur noch diese Art der Kommunikation.

      Es ist sehr gut, dass Du Dich hier gemeldet hast – ich rate Dir jedoch dringend, Dich bei einer Autismusberatung (z.B. autismus-approach.ch) zu melden. In der Erstberatung von autismus deutsche schweiz (autismus.ch) kann man Dir dazu telefonisch Auskunft geben.

      Ich kenne Deinen Bruder und Deine Familie nicht. Aus eigener Erfahrung weiss ich jedoch, welch grosse Spannung ein defektes Fahrrad und die Ungewissheit, wann es repariert wird, bei Menschen mit Autismus hervorrufen kann. Hier gilt es auf beiden Seiten zu lernen: Wir müssen den grossen Leidensdruck, den eine solche Situationen hervorruft erkennen und Dein Bruder kann mit der Zeit in einem – für ihn äusserst herausfordernden – Prozess lernen zu warten. Er bräuchte dann aber eine klare Abmachung, wann sein Fahrrad repariert wird.

      Holt Euch so schnell wie möglich eine auf Euch abgestimmte Unterstützung vor Ort, auch um herauszufinden, welche Entlastung Eure Mutter und Ihr braucht.

      Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute! Vielleicht gibst Du uns hier einmal ein kleine Rückmeldung, wie es Euch geht.

      Herzlich
      Nicole