Rückzugsbedürfnis wird von Partner nicht verstanden

      Rückzugsbedürfnis wird von Partner nicht verstanden

      Hallo zusammen, ich bin neu hier, bin 34, w, Ende des letzten Jahres hat meine Ärztin nach langer Therapie erstmals den Verdacht geäussert, dass ich das Asperger-Syndrom haben könnte. Mittlerweile ist sie sich ziemlich sicher, und auch ich bin davon überzeugt, weil seit langem zum ersten Mal klar ist, warum ich in gewissen Situation reagiere, wie ich eben reagiere, und warum mir das Leben ganz generell immer so schwer fällt.

      Die Frage, die ich hier in die Runde werfen möchte, ist folgende: Wie soll man damit umgehen, wenn der eigene Freund nicht wirklich verstehen kann, was das bedeutet?

      Er sagt, dass ich mich doch einfach mal wieder ein bisschen entspannen soll und nicht immer so empfindlich sein soll. Er nehme ja Rücksicht, doch das wirke sich nun auch auf ihn aus: der TV störe mich, zu laute Musik, Besuch... Ja, stimmt alles, aber was soll ich denn machen? Ich hätte gehofft, dass er das besser versteht, aber er hat offenbar ein Problem damit, wie ich bin, womit ich wiederum selber auch ein Problem habe, aber wir reden beide gegen eine Wand.

      Die Aussage, dass ich mich entspannen soll, bedeutet für mich, dass ich mich wieder verstellen muss, und meine Grundbedürfnisse nach Ruhe - die ich unter anderem auch extremer habe seit einiger Zeit, weil der Beruf sehr belastend ist (extrem viel Kontakt den ganzen Tag, was mir grundsätzlich gefallen hat, aber langsam merke ich einfach, wie viel Energie mir das raubt) - zurückzustellen, damit das Miteinander besser geht.

      Bin ich nun zu starrköpfig, wenn ich finde, dass ich doch eigentlich genau das machen sollte: Auf mich schauen, weil ich mich jetzt besser kenne, und besser weiss, was ich vertrage und was nicht?

      Ich finde das sehr verwirrend im Moment. Er sagt mir zwar, ich solle mir jetzt nicht so viele Gedanken machen, ich solle einfach mal wieder etwas entspannter sein. Für ihn erledigt es sich dann irgendwie, aber bei mir setzt das einen Gedankenstrudel in Gang: "Ich muss also schauen, dass es besser wird, weil er ist unglücklich so. Ich würde ja gern lockerer sein, aber die vielen Inputs den ganzen Tag stressen mich. Dann will ich doch verstanden werden, ich verstehe doch auch, wenn er seine Auszeiten braucht, aber er hält es mir vor, wenn ich das Bedürfnis verspüre, mich zurückzuziehen. Wie reagiere ich jetzt? Muss ich mich wieder verstellen? Oder hat das Ganze mit uns vielleicht keinen Sinn, weil er mich nicht versteht und umgekehrt offensichtlich auch nicht? Werden wir nicht immer wieder an diesen Punkt kommen, an dem es heisst, dass ich wieder etwas gemacht habe, das für mich stimmt, aber für ihn dann nicht? ..."

      Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich habe Mühe damit, dass er solche Probleme damit hat, wie ich bin. Ich habe jahrelang wohl eine Maske aufgehabt, dünkt mich, denn es würde auch niemandem in den Sinn kommen, dass ich Asperger haben könnte - ich weiss in der Regel, wie man sein soll, damit man nicht auffällt, und kann mein Rückzugsbedürfnis wenn es sein muss gut verstecken, aber seit ich nicht mehr alleine wohne, ist es schwieriger geworden für mich, da brauche ich das einfach mehr...

      Ich würde mich über Antworten freuen. LG
      Hallo,
      auch ich habe meine Diagnose erst seit letzten Sommer erhalten, zuvor schauspielerte ich mich durch das Leben und versuchte es jedem nach der "normalen" Art recht zu machen, seit der Diagnose, der Bestätigung meiner Person, beendete ich es sofort. Die vorherige Verstellung handelten mir Depressionen ein, die alles zusätzlich verkomplizierten. Ich bin ich, wer mich demnach nicht akzeptieren/respektieren kann, den meide ich.

      Meiner Meinung nach sollte eine nahstehende Person jemanden bedingungslos akzeptieren, gleiches sollte ihr auch entgegen gebracht werden, doch wenn dies versagt, sollte man die Beziehung, welcher Art auch immer, evaluieren, Nutzen und Sinn abwägen und neu entscheiden. Optimale (gemeinsame) Zufriedenheit sollte stets das Ziel sein, ohne die gesamte Persönlichkeit transformieren zu müssen.