Umgang mit Hobby-Abbruch im Verein wegen fehlender Sozialkontakte

      Umgang mit Hobby-Abbruch im Verein wegen fehlender Sozialkontakte

      Liebe Community

      Unser Sohn, 12 Jahre, hat seit einem Jahr die Diagnose Asperger Syndrom bekommen und seither grosse Fortschritte im Sozialen Bereich gemacht, wie auch sonst hat er sich gut weiter entwickelt. Er ist für ein Asperger-Kind sehr selbständig.

      Nun stehen wir vor folgendem Thema und wissen nicht wie wir damit umgehen sollen.

      Er geht seit 2 Jahren ins Kickboxen in einem Verein und hatte Spass. Nun "vergisst" er schon seit längerem immer wieder ins Training zu gehen. Ich erinnere ihn daran und er geht dann trotzdem nicht. z.B. habe ich am Montag selber Therapie und bin nicht da, wenn er zum Training los muss. Also "vergisst" er es.
      Heute Abend haben wir nun das Gespräch erneut gesucht und er hat mir dann, als ich alleine mit ihm am Tisch sass, unter Tränen gesagt, dass er dort mit niemandem reden kann. Sprich, er hat dort keine Kollegen. Ich muss dazu sagen, dass er schon mit 11 Jahren in die Juniorengruppe 12-16 Jährige gekommen ist.
      Ich spüre, dass er wirklich leidet.

      Nun ist es so, dass wir vor den Sportferien die Trainingskleider bezahlt hatten (welche aber noch nicht gekommen sind vom Verein aus) weil der Verein neuerdings verlangt, dass alle in einheitlicher Kleidung auftreten.
      Ausserdem hat der Verein die Kündigungsfrist von einem Monat auf 90 Tage verlängert. Die Vertragslaufzeit läuft immer 6 Monate und diese 6 Monaten sind Ende März zu Ende, das heisst, wir sind zu spät zum kündigen und er müsste nochmals bis Ende September gehen.

      Nun meine eigentliche Frage: Sollen wir ihn "zwingen" bis Ende September zu gehen, oder ist dies eine Überforderung? Überfordern wir ihn, wenn wir sagen, er muss lernen auch mal etwas durchzuziehen, was nicht immer nur Spassig ist?
      Wie würdet ihr weiter vorgehen? Erlösen wir ihn und bezahlen alles als Lehrgeld?!

      Wir sind grad ein wenig mit der Situation überfordert, vor allem weil es ihn extrem traurig macht.

      Ich hoffe, ich habs nicht zu unverständlich geschrieben und bedanke mich schon zum Voraus für Eure Inputs!

      Liebe Grüsse
      Cilly

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Cilly“ ()

      Dein Sohn wird vermutlich keinen Nutzen im Zwang erkennen, meiner Meinung nach, sollte niemand zu etwas gezwungen werden, was sich dem eigenen Verständnis entzieht, da es sodann sinnlos ist.

      Lediglich würde er sich durch quälen, gestresst, deprimiert sein und wohl kein Engagement zeigen, sondern hin gehen und warten bis er wieder gehen darf, somit wäre das Geld ebenfalls vergebens ausgegeben. Demnach sollte man ihn lassen, er weiß am ehesten, was optimal für ihn selbst ist, denn lernen würde er daraus nichts, außer einer schlechten Erfahrung, dessen subjektive Konsequenzen er auf ähnliche bevorstehende Ereignisse transferieren wird.

      Cilly schrieb:

      Nun meine eigentliche Frage: Sollen wir ihn "zwingen" bis Ende September zu gehen, oder ist dies eine Überforderung? Überfordern wir ihn, wenn wir sagen, er muss lernen auch mal etwas durchzuziehen, was nicht immer nur Spassig ist?
      Wie würdet ihr weiter vorgehen? Erlösen wir ihn und bezahlen alles als Lehrgeld?!

      Wir sind grad ein wenig mit der Situation überfordert, vor allem weil es ihn extrem traurig macht.


      Dein Sohn würde vermutlich nur den Zwang sehen, dorthin gehen zu müssen. Der Lerneffekt, auch mal etwas unangenehmes durchzustehen, würde sich so vermutlich nicht ergeben, weil er nur den Zwang wahrnimmt.

      Wenn er Dir unter Tränen berichtet, das er dort keinen Anschluss findet und mit niemandem reden kann, würde sich das bis Ende September nicht bessern. Er würde sich vermutlich - sofern möglich - noch mehr von den anderen abkapseln.
      Das wäre dann eher kontraproduktiv bezüglich späterer Kontaktknüpfung zu anderen.
      Ihn da rausnehmen bedeutet für euch sicher ein teures Lehrgeld, aber das ist vermutlich nichts gegen das, als wenn ihr ihn zwingen würdet, weiter dorthin zu gehen.

      Mal etwas unangenehmes "durchstehen" zu müssen kann man auch auf andere Art lernen, mir würde dieser Druck so auf diese Art zu gross erscheinen.
      Bei den sozialen Aspekten könnte sich der Zwang "Du musst dorthin gehen" später negativ auswirken.
      Hallo Kamba und Lumpi

      Vielen Dank für Eure Rückmeldungen und Inputs. Ihr habt beide Recht mit dem was ihr zum Zwang sagt.

      Wir haben nun eine Email an den Verein geschickt und schauen, inwieweit sie Verständnis zeigen und uns allenfalls vorzeitig aus dem Vertrag entlassen.

      Es ist wirklich schwer, mitansehen zu müssen, wie das eigene Kind leidet.

      Danke Euch beiden und einen schönen Tag.