Meine Diagnose bringt mir nicht viel?!

      Meine Diagnose bringt mir nicht viel?!

      Hi,

      Ich wusste nicht genau in welchen Thread ich das poasten soll, darum ist es jetzt hier...

      Ich muss hier mal meinen Frust rauslaussen und hoffe darauf, dass es hier Menschen gibt die mich verstehen.

      Wie man schon im Titel liest, habe ich das gefühl die Diagnose bringt mir nicht viel... Alle berichten davon, dass ihre Diagnose eine riesengrosse Erleichterung in ihr Leben brachte.. Ich verstehe das jedoch nicht ganz, denn für mich ist das anders.

      Ich habe sie bereits seit Anfang Pubertät und hatte viel Unterstützung meiner Mutter. Sie wollte halt unbedingt eine Asperger Diagnose für mich, weil sie sah wie anders ich bin und die entsprechende Unterstützung für mich wollte. Aber trotzdem wussten meine Eltern häufig nicht wie sie mit mir umgehen sollen. Hatte millionen Streitereien mit meiner Mutter weil sie mega emotional ist und auch sie hat genug oft nicht auf meine Gefühle geachtet, es war ihr egal. Sie dachte immer, alles was ich tue mache ich aus böswilligkeit. Genauso wie mein Bruder.

      Auf Arbeit weiss man dass ich ne Diagnose habe, aber bis auf die Tatsache dass ich ein bisschen weniger arbeite, nimmt man meine Probleme selten wahr... Auch wenn eigentlich klar sein sollte womit ich Schwierigkeiten habe. Und ich werde immer wieder ohne mein wissen absichtlich auf Grenzen getestet, damit mein vorgesetzter sieht wie weit er bei mir gehen kann. Der Stress wird sozusagen getriggert. Und ich kann das eigentlich alles ganz gut bewältigen, das ist nicht das Problem. Ich weiss ja das ich es kann, darum ist es völlig unnötiger Stress und ist frustrierend, neben all den Dingen die mich sonst schon stressen auf Arbeit. Aber das checkt keiner.

      Und jetzt zu den Freunden... Von aussen her sieht man es mir nicht an... Ich bin ein Künstler wenn es darum geht sich normal zu verhalten. Ausser manchmal in konservationen in denen die meisten Leute dies wahrscheinlich als niedriges selbstvertrauen sehen, wenn ich plötzlich komisch spreche und nervös werde... Freunde und gewisse Partner jedenfalls kannten meine Diagnose und meine Schwierigkeiten, aber es wurde kaum bis gar nicht drauf eingegangen. es kamen auch selten bis nie Fragen diesbezüglich, also praktisch kein interesse.. So scheint es mir zumindest, auch wenn das Menschen waren die verrückt nach mir waren und denen ich wichtig war. Es gibt so viele Situationen welche mir mühe bereiten, welche ich häufig auch versuche zu erklären, aber es wird irwie weder verstanden noch wahrgenommen! Es kommt mir irgendwie keiner entgegen um mir das Leben zu erleichtern. Wenn ich über belastende probleme spreche, bekomme ich bloss Ratschläge welche für NTs gelten, aber nicht für mich! Mein AS ist für niemanden ein Thema.
      Alleine zu sein ist auch keine Lösung, denn ich fühle mich sonst sehr einsam...
      Und was sonst auch noch sehr verletzend war, ist das ich mir schon oft anhören musste ich sei ständig am "rummotzen", obwohl ich das gaaaanz anders sehe... Eigentlich bin ich für meine verhältnisse extrem locker drauf und gehe immer und immer wieder kompromisse ein, welche alle wahrscheinlich als Selbstverständlich ansehen. Denn grundsätzlich bin ich ein sehr flexibler und anpassungsfähiger Mensch, der jedoch nicht unbedingt zu Spontanität neigt. Dies habe ich mir jedoch alles über Jahre mit grosser Mühe angeeignet und gelernt, ist für mich häufig jedoch nach wie vor stressig und braucht viel Energie.

      Ich habe mein leben lang immer alles hingenommen und meine Gefúhle nicht gezeigt und nicht gesagt wie schlecht es mir mit vielem geht.. Und jetzt wo ich offen darüber sprechen kann, bin ich nur am rumnörgeln??? Das kann doch nicht wahr sein....
      Mein Bruder hat mich als Kind auch ständig provoziert, ausgelacht und beleidigt aufgrund meiner Gefühle und Probleme. Es war ihm alles egal, ich werde generell nicht immer wirklich ernst genommen von Mitmenschen...

      Ich bin so gestresst, mich blockiert alles nur noch.. Ich bin (wieder) richtig depressiv geworden...

      Ich wollte meine Diagnose selbst lange nicht wahrhaben und habe immer alles verschwiegen weil es mir unglaublich peinlich war. Aber jetzt wo ich mich seit ein paar Jahren sehr damit auseinandergesetzt habe und drüber sprechen kann, will es niemand wirklich wahrhaben....? Toll.

      Ich hasse es solche Dinge an die grosse Glocke zu hängen, mich zu wichtig zu nehmen oder mich als Opfer darzustellen. Aber ich bin mir selbst genug wichtig geworden, damit meine Gefúhle ernst genommen werden. Ich bin auch nicht jemand der davonrennt wenn Schwierige Situationen/Reizüberflutung kommen oder ähnliches... Ich stelle mich dem und beisse die Zähne halt zusammen, aber keiner sieht wie sehr ich darunter leide.
      Meistens beschwere ich mich nicht und immer wieder haben Menschen gesagt dass ich diese Dinge sagen soll. Jetzt tu ich das, aber angeblich motz ich nur rum?
      Ich verstehe es nicht und es ist umglaublich verletzend.

      Die meisten Menschen profitieren mehr von mir als umgekehrt.. Die wenigsten Dinge die mit Menschen zu tun habe geniesse ich noch... Innerlich werde ich immer leerer und gefühlsloser

      Was soll ich tun?
      Hallo.

      Entsage all jenen, die dich nieder machen. Entgehe jeglicher Resistenz dir gegenüber und interagiere mit Menschen, die deine Ansichten teilen und bestehe auf deine Meinung/Idealen bei kontroversen Unterhaltungen. Du solltest möglichst deiner Realität gerecht werden, nicht die der anderen.

      Es ist eine energetische Verschwendung in der Gegenwart anderer zu lamentieren, wenn diese nie gelernt haben andere perspektivische Betrachtungsweisen anzunehmen, folglich zu verstehen.

      Du solltest lernen dich zu verstehen/akzeptieren, dann werden dir auch andere mit ähnlichem Verständnis entgegen kommen, doch musst du konsequent und überzeugend dein Sein präsentieren, damit andere dich ernst nehmen. Ein ambivalentes Verhältnis zu dir selbst stört dich und verunsichert andere dazu. Darum solltest dringlich dein Verstellen unterlassen und authentisch sein, eine psychologische Kriegsführung gegen dich selbst bringt keinen Nutzen ein.

      Viele fanden anhand der Diagnose eben zu sich selbst und legten ihr Schauspiel ab, um von nun an eigen zu sein und sich demnach erklären zu können. Natürlich bedarf es dennoch ein bestimmtes Verhalten, um der allgemeinen Höflichkeit gerecht zu werden, doch dies beruht auf Gegenseitigkeit und erklärt sich von selbst.

      Reflektiere also dein Verhalten und entlarve jegliche Missstände, denen du unterliegst und dir Kraft rauben.
      Hallo Soulvarver

      Soulcarver schrieb:

      Ich wollte meine Diagnose selbst lange nicht wahrhaben und habe immer alles verschwiegen weil es mir unglaublich peinlich war. Aber jetzt wo ich mich seit ein paar Jahren sehr damit auseinandergesetzt habe und drüber sprechen kann, will es niemand wirklich wahrhaben....? Toll.


      Vielen Menschen ist nicht bewusst, das man Menschen mit Asperger ihr anders sein eben nicht auf den ersten Blick ansieht.
      Im Gegenteil, viele mit Asperger sind sehr intelligent, anpassungsfähig und haben schauspielerische Qualitäten, um möglichst nicht aufzufallen. Diese Fähigkeiten werden dann - oft unbewusst - gegen sie gerichtet, weil viele Menschen davon ausgehen, man könne alles und es wäre ganz einfach für einen.

      Ich für mich hatte schon Jahre vor meiner Diagnose begonnen, einen Bogen (Redewendung) um Menschen zu machen, mit denen ich nicht klar komme. Davor war ich immer bemüht, es möglichst allen Recht zu machen und bin dabei oft gescheitert und habe zuviel Kraft dafür gebraucht.
      Manchmal, wie eben auch im beruflichen Umfeld, muss man auch mit Menschen umgehen, die einem alles andere als symphatisch sind. Bei solchen Menschen gibt es dann eben nur streng beruflich umrissene Kontakte und rein gar nichts persönliches.

      Asperger soll und darf Dir nicht peinlich sein, denn es ist ja auch ein Teil von Dir - ob Dir das nun gefällt oder nicht. Sehe in Asperger nicht nur die negativen Auswirkungen, sondern eben auch und vorallem die positiven Seiten. Wenn Du lernst, Dich so zu akzeptieren wie Du bist, dann kannst Du Dir selbst die Wertschätzung zukommen lassen, die Du verdient hast. Dann sendest Du auch andere Signale an die Menschen, die Dich dadurch anders wahrnehmen und die sie veranlassen werden, anders mit Dir umzugehen.