Schliesst die Diagnose Soziales Spiel völlig aus?

      Schliesst die Diagnose Soziales Spiel völlig aus?

      Hallo,

      Mich beschäftigt schon die ganzen Sommerferien über eine Bemerkung unserer Heilpädagogin zum Spielverhalten unserer 3 jährigen Tochter. Bei ihr wurde vor ein paar Monaten ASS diagnostiziert.

      Es ist möglich (für maximal dreissig Minuten) mit ihr zu spielen, sie zeigt auch Interaktion, beschränkt zwar, aber sie ist erkennbar. Das gemeinsame Spiel gelingt aber nur mit ihr gut vertrauten Erwachsenen und manchmal auch mit ihrer älteren Schwester, anderen Menschen jeglichen Alters geht sie aus dem Weg. Nach den 30 Minuten ist sie sehr müde und zieht sich wieder zurück oder möchte sogar schlafen. Das gemeinsame Spiel funktioniert mit einem vertrauten Erwachsenen besser, da sie sehr dominant sein kann und es, wenn man etwas "Falsches" macht oder sagt, zu einem Wutanfall führt. Oft möchte Sie auch, dass man einen gewissen Satz oder eine gewisse Handlung ständig wiederholt. Dieses Verhalten ist für die Schwester unvorhersehbar und nicht tolerierbar und führt oft zu Konflikten.

      Jetzt hat aber die HP zu mir gesagt, dass die Diagnose ASS das soziale Spiel eigentlich komplett ausschliesst und sie die Diagnose aufgrund dessen eventuell wieder verlieren könnte. Vielleicht sollte diese Aussage meiner Beruhigung dienen, mich hat es völlig verunsichert und ich habe wirklich Angst davor, dass sie die Diagnose wieder verliert und dann mit ihren Schwierigkeiten, die sie einfach hat, durch alle Raster fällt.

      Sie hat definitiv erhöhten Förderbedarf, war motorisch immer auffällig (Hypoton, keine Eigenmotivation zur Fortbewegung, seltsam anmutende schraubende Bewegungen, etc.), genauso wie sprachlich (sehr präzise, übermässig korrekte, "höfliche" Sprechweise, verfällt aber bei wenig bekannten Personen in unverständliche Fantasiesprache oder spricht gar nicht, Echolalie, etc.) und soziales Verhalten/ Interesse an anderen Menschen zeigt sie nur bei den vertrautesten Familienmitgliedern. Das ist nur ein kleiner Teil davon. Die Diagnose hat uns grosse Erleichterung gebracht und die Hoffnung darauf, die Hilfe zu erhalten, die wir brauchen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Sunflower“ ()

      Spielerisches Verhalten ist nicht unüblich für autistische Kinder, ebenso wie sozial "angebrachtes" Verhalten. Auch ich spielte, jedoch erst wirklich mit meiner besten Freundin, der ich vertraute und seit Anbeginn (Kindergarten) kannte. Auch konnte ich gut mit Verwandten spielen (oder derartig beschäftigen), aber ich schauspielerte meist nur und simulierte sogar den Spaß dabei, um unangenehmen Fragen meiner Eltern sowie anderen zu entgehen. Ich galt aber auch als sehr fantasievoll, da ich meist und am idealsten mit mir selbst spielen konnte, ich war dann wohl völlig weg getreten, sozusagen in meiner eigenen Welt.

      Die Heilpädagogin scheint sich auf Klischees und Vorurteile zu berufen, anstatt jegliche Individualität zu berücksichtigen.
      Danke für deine Antwort! Das hat mich schon mal beruhigt! Ich finde auch, dass ASS viel zu komplex und individuell ist für klischeehaftes Denken. Aber wenn die Heilpädagogin solche Bemerkungen macht, verunsichert mich das halt schon mehr als Äusserungen anderer Personen ohne einschlägige Ausbildung.

      Sunflower schrieb:


      Jetzt hat aber die HP zu mir gesagt, dass die Diagnose ASS das soziale Spiel eigentlich komplett ausschliesst und sie die Diagnose aufgrund dessen eventuell wieder verlieren könnte. Vielleicht sollte diese Aussage meiner Beruhigung dienen, mich hat es völlig verunsichert und ich habe wirklich Angst davor, dass sie die Diagnose wieder verliert und dann mit ihren Schwierigkeiten, die sie einfach hat, durch alle Raster fällt.


      Das ist in etwa das gleiche, als wenn man behaupten würde, wer mit ASS jemandem direkt in die Augen schauen könnte, würde seine Diagnose verlieren...
      Das soziale Spiel Deiner Tochter ist ja eingeschränkt... "Normale" Kinder würden ziemlich unvoreingenommen auf andere Kinder im gleichen Alter zugehen und mit ihnen interagieren bzw. spielen. Deine Tochter will nur mit vertrauten Erwachsenen oder ihrer älteren Schwester spielen. Von dem her ist eine Einschränkung sehr gut sichtbar.
      Selbst wenn Deine Tochter mit anderen gleichaltrigen Kindern spielen würde, wäre das alleine kein Ausschlusskriterium, weil genügend andere Kriterien vorhanden sind, die ASS bestätigen.
      Ich würde mir diesbezüglich keine Sorge machen.
      Liebe Sunflower
      Wir haben zwei Jungs mit ASS, bzw. Asperger...und sie mögen soziales Spiel, also z.B. Rollenspiele...klar, der/die SpielpartnerIn muss ein bisschen vertraut sein, lieber auch nur eine statt mehrere, wobei auch dies möglich ist, halt mit viel Konflimtpotential...unsere Söhne sind recht dominant im Spiel, für ein Gegenüber nicht immer einfach oder beliebt...aber Fantasie haben sie ausreichend...das war sicher gut gemeint von der HP aber mega engstirnig, würde ihr dies zurückmelden...ich glaube Fachpersonen können sich jeweils gar nicht vorstellen was solche Aussagen bei Betroffenen (oder deren Eltern) auslösen können... Machs gut
      Danke bigMaMa, ich werde ihr das schon noch sagen, wir sehen uns halt erst nach den Ferien wieder. Ich glaube sowieso, ich muss mal mit ihr über ihre vielen schnell geäusserten Bemerkungen sprechen, die mich dann jedes Mal so verunsichert zurücklassen. Ich glaube, sie möchte einfach ganz offen sein, nur ich komme damit nicht gut klar und verfalle ins Dauergrübeln. :-/
      Das verstehe ich nur zu gut...ich bin selber Schulsozialarbeiterin und erlebe im Umfeld Schule immer wieder, dass für Lehrpersonen, Sozis, HP's der Perspektivenwechsel sehr schwierig ist...sogar verständlich, aber umso wichtiger dass man immer wieder mitteilt, wie Botschaften ankommen...klare Kommunikation, so wie es auch unsere Kids gut brauchen könnenalles gute euch weiterhin!
      Hallo, kenn solche Sachen nur zu gut. Als mein älterer Sohn in den Kindergarten kam. Hat man mir gesagt sie hätten ihn getestet und er hätte einen IQ von 46.Zu dem Zeitpunkt konnte er schon lesen und bis zwanzig rechnen. Das verrückte war er konnte ganz schlecht sprechen. Hat aber nix davon gezeigt. Gespielt hat er nicht. Kein Interesse. Hab mir Monate lang Sorgen gemacht. Jetzt ist er zehn. Spricht zwei Sprachen fliessend und lernt gerade eine dritte. Geht in die Regelschule. Spielt jetzt. Sogar mit anderen Kindern. Braucht einfach seine Auszeiten. Also nicht immer alles glauben. Lass es auf euch zukommen. Versuch mal wen du die Möglichkeit hast,einen reizarmen Raum einzurichten. Zum spielen. Kein Tageslicht. Rollos runter. Nur das Spielzeug was ihr gerade braucht. Alles ausser Sichtweite was nicht gebraucht wird. Wen möglich eine Umrandung schaffen. Stuhl gegen die Wand davor ein Tisch. Am besten in eine Ecke. Wen du das machst nimmst du ganz viel Druck und Unruhe vom Kind. Spielen wird so viel einfacher. Bei uns hat das gut gewirkt.
      Hallo Sunflower
      Hattest du schon ein Gespräch mit der Heilpädagogin? Das Thema interessiert mich.Wer hat den die Diagnose gestellt?Daran würde ich anknüpfen.Wie man weiss....können die Prägungen bei der ASS sehr unterschiedlich ausfallen.Da gebe ich Lumpi recht.Viele sind erstaunt über unseren Sohn, dass er ASS hat, weil er einem direkt in die Augen schauen kann und eine recht gute Kommunikation hat.Doch dass ist nicht Auschlag gebend.Was wirklich wichtig ist, wer hat die Diagnose gestellt. Es ist entscheidend ob der Kinderarzt, SPPD oder KJPD dies erstellt hat.Im letzteren Fall bist du am sichersten.
      Herzlichste Grüsse
      Liebe Ela,

      Momentan beschäftigen uns grad andere Themen. Wir haben jetzt auch endlich eine leichte Ablösung von mir geschafft und darum haben wir momentan gar nicht mehr soviel Zeit zum Reden. Und wir haben sowieso bald wieder Termine in der Entwicklungspädiatrie.

      Sollte sie noch einmal so eine Aussage machen, werde ich sie darauf ansprechen.

      Liebe Grüsse
      Liebe Sunflower
      ja das verstehe ich nur zu gut.Der Bericht ist ja auch ne weile her.Du hast in mehrere Forumsthemen berichtet.
      Ich bin erst seit einigen Wochen in diesem Forum.Finde einige Themen sehr authentisch mit meinen,deswegen antworte ich gerne darauf.Zur Zeit ist es in unserer Familie sehr entspannt,was sich ja jeder Zeit ändern kann.....
      deswegen habe ich etwas Zeit für meine Interessen :-))
      Herzlichste Grüsse
      Liebe Ela,

      Ich hatte vor ein paar Wochen eine ziemliche Krise, weil die Sommerferien (unsere Grosse NT geht in den Kiga) so verdammt anstrengend waren. Es war zu erwarten, denn auch Wochenenden sind stressig, aber gegen Ende konnte ich einfach nicht mehr.

      Du hast Recht, es kann sich ständig ändern. Bei uns ist gerade das Schlafen und Baden eine riesige Nervenprobe, ich hoffe inständig, dass zumindest das Schlafen wieder etwas entspannter wird... Geniess die Zeit! Wie alt ist denn eigentlich dein Kind?

      Ganz liebe Grüsse
      Liebe Sunflower
      Unser Sohn ist gerade 11 Jahre alt geworden.Pflegen ist immer noch sehr mühsam...wenn ich ihn nicht darauf aufmerksam machen würde....gebe es einen verwahrlosten Jungen.Diskussionen machen wir nicht mehr.1 Tag voher wird angekündigt, dass er duschen o.baden soll.Die Kleider lege ich immer noch parat.Dies klappt sehr gut.
      Kleiner Tip zum Duschen oder Baden....stülpe einen Waschlappen über den Brausenkopf ,somit ist der Durchstrahl erheblich gedämpft.Meistens hilfts.... es ist immer wieder ein ausprobieren und vor allem ruhig bleiben.In dem Alter deines Kindes,sind wir meistens mitbaden gegangen...das spart Geld und Zeit.Quatsch in der Wanne zu machen macht immer Spass und es gibt dem Tatsch etwas Positives.Zeitfaktor 30min. mit allem....positiv du bist auch gleich sauber, Bindung zueinander,vertrauen schaffen.Negatives gewinne ich der Situation nichts ab.Ausser mit den hier beschriebenen Tipps, weiss ich jetzt so spontan nichts,dazu kenne ich die Situation zuwenig von euch.Leider können wir dies heute nicht mehr doch es klappt gut.Wünsche dir gute Helfer und Kraft.
      Herzlichste Grüsse

      Neu

      Da die Diskussion ja schon fast abgeschlossen ist und ich erst mit Verspätung darauf aufmerksam wurde, möchte ich mich kurz fassen: Es gibt für Autismus-Spektrum-Diagnosen KEINE Ausschlusskriterien. Und: im neuen Diagnose-Manual DSM-5 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung soziale Verhaltensweisen durch Übung lernen können und dass man für die Diagnose-Stellung immer auch Rückschau halten sollte zu einer Zeit, wo dieses Verhalten noch nicht angelernt war (wohingegen neurotypische Kinder dieses Verhalten spontan entwickeln).

      Neu

      Liebe Sunflower
      und MitleserInnen

      ich bin Begleiterin eines 8-jaehrigen nicht sprechenden Autisten an der Grundschule.
      Die Absicht deiner HP kann ich nur als "positiv und zuversichtlich" interpretieren..
      Hab von weitem den Eindruck, dass sie dir einfach sagen wollte, dass sich noch so Vieles aendern kann und wird.
      Die Aussage, dass dein Kind die Diagnose wieder "verlieren" koennte, ist natuerlich sehr unbedacht.
      Genau deswegen ist bei dir gerade das Gegenteil davon angekommen.

      Schlimm dass du ueber den ganzen Sommer darueber nach studieren musstest.
      Eine schnelle Klaerung waere hier angebracht gewesen!

      Deswegen erscheint mir wichtig, dass du eine schriftliche klare Kommunikation mit ihr pflegen koenntest.
      Das haette dir viele "Gedanken-Gruebeleien" erspart.

      Wenn ich nicht staendig protokollieren wuerde, was wir zwei im Schulalltag erleben, koennte ich gar nicht
      erkennen, wie sich der Junge entwickelt. Und ich koennte auch keine klaren Inputs geben, was ihm im Moment gerade helfen wuerde. Oder wo er zur Zeit Unterstuetzung benoetigt.

      Deshalb empfehle ich dir auf jeden Fall in einer Notiz fest zu halten, was dich gerade extrem beschaeftigt
      und es der HP mitzuteilen. Ganz kurz.
      Der gemeinsame Austausch ist so hilfreich!

      Gerade auch die Wassergeschichte. Solche Dinge sind spaeter in der Schule relevant zu wissen als Begleiter.
      (klar, dass das bei euch jetzt noch nicht ganz die Gewichtung hat, da dein Kind noch zu Hause ist durch den Tag, wenn ich es recht verstehe)

      Als Schulbegleiterin muss ich auch "nahe" bei der Mutter sein,
      damit wir beide wissen, wie sich das Kind verhaelt.
      In der Schule und zu Hause.
      Das ist enorm wichtig.

      Dies schreibe ich dir als Input, damit du einen kleinen Eindruck bekommst,
      wie sich die Beziehung als ein "Aussenstehender" der Familie anfuehlt.

      Der Austausch ueber das Forum empfinde ich auch als sehr hilfreich.
      Das gibt mir neue Einblicke.

      Viel gute Energie und Geduld wuensch ich dir,
      dein Herz


      PS: superTip von Ela, so einfach und gut!