Intressante Sicht auf Autismus

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      Die intense world theory von Markram fand ich schon immer interessant und von hohem Erklärungswert, als ich vor Jahren darauf gestossen bin war ich ganz begeistert - meine Intuition sagte mir, dass das viel interessanter klang als bspw. Baron-Cohens theory of mind etc. Auch das Buch ist interessant und empfehlenswert - wenngleich ich doch auch ein wenig enttäuscht und auch entnervt war von dem Pathos und dem ganzen Hype, der jetzt um diese Theorie gemacht wird. Das wird nach meinem Geschmack marketingtechnisch viel zu stark ausgeschlachtet, als wäre alle Wissenschaft und alles Fachwissen vorher auf einem einzigen langen Irrweg gewandelt. Also ganz so ist es ja nun auch nicht. Und revolutionäre Therapieansätze werden davon schon gar nicht abgeleitet und dies finde ich auch die grösste Enttäuschung des Buches: wie bisherige Therapieansätze diskreditiert werden. Die Qualität der Therapie hängt immer von dem ab, der es durchführt, man kann ABA durchaus einfühlsam anwenden, und sicherlich bedenken gute, auf Autismus spezialisierte Fachkräfte auch die hohe Sensivität der Betroffenen und überfordern sie nicht. Das ist ja wiederum aus klinischer Praxis-Sicht überhaupt nichts Neues, dass Autisten hypersensitiv sind und rasch gestresst reagieren - was Markram geliefert hat, war einfach die wissenschaftliche Untermauerung für dieses Wissen. Im Buch wird es aber so dargestellt, als hätte dies noch niemals jemand vorher so bedacht - dies finde ich dann doch etwas anmassend.