Die Stärken des Asperger-Syndroms

      Die Stärken des Asperger-Syndroms

      Immer wieder werden in unserer, leider halt zu kommerzialisierten Konsumgesellschaft nur die Nachteile von Autismus, auf eine völlig unqualifizierte Weise, und arrogant stigmatisiert. Mit unseren doch erheblichen Vorteilen müssen wir derart Dekadentes, künftig nicht weiter so gefallen lassen!
      Wir sind stets ehrlich, zuverlässig, pünktlich und loyal.
      Mit unseren analytischen Fähigkeiten haben wir uns es sicher nicht nötig schleimerisch und floskelhaft aufzutreten!
      Im Gegenteil, wir bemühen uns den Menschen völlig umbefangen, als Ganzes anzusehen.
      Unsere Beharrlichkeit und Ausdauer ist bestimmt phänomenal!
      Wir zeigen immer ein großes Engagement und können Probleme und Schwierigkeiten aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachten.
      Wir hassen hingegen ein heuchlerisches Brimborium so oder so!
      Ein Beispiel von mir zeigt ganz klar, wenn ich das Ziel, eine Selbsthilfegruppe Autismus / Asperger-Syndrom in der Großstadt Winterthur zu gründen nicht zielstrebig und beharrlich genug verfolgt hätte, wäre es mir ganz sicher nicht gelungen, dies schließlich , mit gutem Erfolg, zu realisieren.
      Übrigens bin ich bis jetzt der erste und einzige, dem dies in Winterthur so gelungen ist.
      Um Selbsthilfegruppen aufzubauen bedarf es erfahrungsgemäß deutlich mehr Aufwand als einen Verein zu gründen, da es in SHG immer um Lebensprobleme im weiteren Sinne handelt,
      Autisten und auch Menschen mit Downsyndrom sind sehr kinder- und tierlieb, davon könnte mancher neurotypische 08-15-Mensch ein Stück Kuchen davon abschneiden.
      Autisten wollen in der Regel lernen, sind wissbegierig und sind ganz sicher keine Minimalisten.
      Mit unseren Spezialinteressen setzen wir die allermeisten neurotypischen Menschen schnell einmal Matt!
      Neurotypische Menschen versuchen andauernd ihre Bauern zu retten und merken hierbei nicht einmal, dass ihr König bereits im Schach steht. Ihn hernach auch Matt zu setzen ist danach nur noch eine Kleinigkeit.

      Nun mit diesem Bericht möchte ich Euch nur eine andere Betrachtungsweise aufzeigen, die aber auch absolut objektiv ist.

      Jeder, der uns, nach dem Lesen dieses Berichts, immer noch stigmatisiert, ist wirklich hoffnungslos uneinsichtig !!!
      Hallo Fritz,

      deine Zeilen stimmen im Grundsatz mit meinen eigenen Erfahrungen überein. Ich bewundere auch deine Ausdauer und Beharrlichkeit, eine SHG aufzubauen.

      Ich selber würde nie einer SHG beitreten, weil mich die andauernde Auseinandersetzung mit dem ASS zu sehr belastet. Was ich mir wünsche ist, ein Leben möglichst ohne omnipräsente ASS-Thematik. Damit will ich auf gar keinen Fall das Prinzip einer SHG infrage stellen. Das mag jeder für sich halten wie es für ihn oder sie stimmt. Ich war vor Jahren mal in einer, deren Teilnehmer depressive Personen waren. Ich ging einmal und nie mehr hin. Wieso? All die Geschichten von Leid der anderen verursachten bei mir eine dermassen intensive Reizüberflutung, dass ich danach erst recht zu einem Psychiater musste. Ich brachte das Gehörte einfach nicht mehr aus meinem Kopf.

      Was das Mattsetzen von den allermeisten neurotypischen Menschen in Bezug auf Spezialinteressen anbelangt muss ich dir meine Erfahrung entgegenhalten, nämlich die, dass ich mit meinen total alleine dastehe, will heissen, es interessiert sich niemand dafür. Glücklich darf sich derjenige/diejenige Spezialinteressist/in wähnen, dessen/deren Fähigkeiten anerkannt und gewürdigt werden.

      Die Definition von Stärken und Schwächen ist aus meiner Sicht subjektiv. Es kommt darauf an, wer darüber entscheidet. So kann ich zum Beispiel von mir behaupten, dass ich in einer "Begabung" eine Stärke sehe, wohingegen ein Aussenstehender diesbezügllich gänzlich anderer Ansicht ist.

      Ich bin kein AS mit Ausdauer und Beharrlichkeit, sorry, da muss ich total passen. Diese Tugenden konnte ich nur in ganz seltenen Fällen für mich in Anspruch nehmen. Kinder, ausser die eigenen, mochte ich noch nie, wogegen ich Tiere sehr mag. Tiere sind mir grundsätzlich lieber als Menschen.

      Die Uneinsichtigkeit der Gesellschaft ist wohl vorhanden und wird uns wahrscheinlich noch lange Zeit erhalten bleiben. Es ist bestimmt hilfreich, wenn es Tage wie den 2. April gibt, doch wer kann die Gesellschaft zum Beispiel in Sachen Arbeitsplatz zwingen, einen AS einzustellen? Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die sich für AS einsetzen. Nur leider sieht die Realität ( noch ) anders aus. Bleibt zu hoffen, dass sich dies ändern wird.

      In allen anderen Punkten stimme ich dir zu. Doch es gibt auch unter neurotypischen Menschen solche, auf die erwähnte Eigenschaften zutreffen. Oder? Man muss sie nur finden :)

      Regenbogen