Wer war Sprachlos_ich suche einen Kontakt

  • Liebes Forum,
    ich bin eine Frau mit Herz und neu auf dieser Plattform. Seit ein paar Wochen arbeite ich an einer Grundschule.
    Meine Aufgabe ist es einen 7jaehrigen Jungen zu begleiten und ihm im Alltag Unterstuetzung zu geben.
    Er kann sowohl lesen wie auch schreiben. Hingegen spricht er absolut nichts.
    Nun suche ich einen Kontakt zu jemandem, der als Kind auch nicht gesprochen hat.
    Damit ich mich besser in ihn hinein fuehlen kann.


    Wer moechte mich unterstuetzen?
    Kann mir jemand Tipps geben?


    Vielen lieben Dank

  • Eine Frage: Gibt er Laute? Wenn ja, versuchen Sie Bilderbücher mit Lauten oder auf Gibberish (Fantasiesprache) zu untermalen. Die Stimme als Trägerin von einfachen Emotionen. Stimme muss nicht sprechen. Dann falls das Kind positiv darauf reagiert, ab und zu ein "Ja" oder ein "Da" hineingeben... Machen Sie ihm keinen Druck sprechen zu müssen. Das "Ziel" zu sprechen soll für längere Zeit vergessen werden.

  • Hallo manuemoan, und auch Hallo an alle LeserInnen,


    vielen Dank fuer deine Antwort.
    Der Junge sagt:"ja" und "nein" wenn man ihn etwas fragt.
    Er versteht ziemlich viel. Er liest Buecher in englisch, da seine Muttersprache englisch ist. Er kann auch gut rechnen und hat eine super Auffassungsgabe fuer praktische Dinge. In Handarbeiten wie zB Naehen, ist er absolut perfekt. Er schaut einmal wie es geht, dann macht er. Er kommt nur zu mir, wenn er irgend ein "Durcheinander" mit dem Faden hat. Dann helfe ich ihm das zu entwirren, weil ich nicht will, dass er dann zu stark an dem Zeug herum reisst. Das hat er aber sofort verstanden. Er "fragt" mich nun immer um Hilfe, einfach ohne Worte.
    Deshalb versuche ich fuer ihn ein "Animator" zu sein. Also ich zeichne und hoffe er ahmt mich dann nach. (er hasst es zu zeichnen ;-)
    Wir haben ein Buch mit "Klettworten", welches ich laufend ergaenze. Damit schreibt er mir zB; "darf ich aufs Klo gehen"? Nun ist das je nach dem muehsam, wenn man erst lange schreiben muss und es vielleicht dringend ist.
    Deshalb bin ich dazu ueber gegangen, dass er diese Frage spricht. Was er auch tut. Damit er merkt, dass er einen Nutzen daraus zieht, wenn er spricht. Weil er dann viel schneller los laufen kann.
    Auch ist er immer der Erste der parat ist fuer die Pause. Er steht dann an seinem Tisch. Normalerweise werden die Kinder von der Lehrerin aufgerufen und sie duerfen in die Pause nach draussen. Wir sind jetzt auch hier dazu ueber gegangen, dass er die Lehrerin fragt; "darf ich in die Pause gehen"? Denn so realisiert er, dass er wieder einen Gewinn hat vom Sprechen. Er darf dann als Erster raus gehen und lacht.
    Das sind die kleinen Momente, wo ich ihn zum Sprechen auffordere. Einfach solange, bis er das richtig versteht, dass er dadurch gewinnt. Und zwar sofort und offensichtlich.
    Ansonsten geht unsere Kommunikation ueber das:"zeigen" seinerseits. Sein "ja" und "nein" zu meinen Fragen,
    oder ich schreibe ihm eine Frage und er schreibt mir "ja" oder "nein".
    Wichtig fuer die Schule ist ein Weg der Kommunikation mit ihm zu bekommen. Und seine Selbststaendigkeit zu foerdern. Ohne Druck!


    Da ich mich eben mehr in seine "Sprachlosigkeit" hinein fuehlen moechte, suche ich eine Person, die als Kind nicht gesprochen hat, und mir vielleicht etwas aus dieser (Schul)Zeit naeher bringen kann.


    Danke vielmals <3

  • Sprachlosigkeit bei Kindern gibt es in zig Formen und so kann man leider nicht über das Internet einfach so einen Tip , Hinweise etc. geben oder vermitteln.


    Zu aller erst sollte hinterfragt, abgeklärt werden, warum oder durch was der Bub sich in die Sprachlosigkeit zurückzog. Oder war dies immer schon so ? Sprachlosigkeit bei Mehrsprachigkeit. Selektiver Mutismus bei Kindern mit Migrationshintergrund. Dazu gibt es sogar ein Hörbuch einfach mal eingeben im Internet, es ist sehr vielseitig geschrieben und schliesst weitere Formen nicht aus.

    Ich wurde als Kind ( 6 J. - 9 J. ) sprachlos, weil meine Mutter tödlich verunglückte mit dem Auto. Viele Jahre hielt ich daran fest Ich sei schuld innerhalb der Familie sprach man dies auch offen aus, nur das stimmte nicht. Denn nach dem Tod meines Ziehvaters musste ich den Haushalt auflösen, mich um das Begräbnis kümmern und fand viele Unterlagen, Zeitungsartikel etc. das meine Mutter Depressiv war, überfordert mit 4 kleinen Kindern und einem Ehemann der Quartalstrinker war. Für meine Mutter gab es nur einen Ausweg in ihrer Vorstellung , - aussteigen durch einen Suizid. Was sie dann auch umsetzte,... Zurück liess sie einen Scherbenhaufen.


    Ein halbes Jahr später kamen wir Kinder alle in unterschiedliche Kinderheime, meine Brüder wieder nach Hause, weil der Ziehvater nochmals heiratete, ich blieb im Heim, später in ein Kloster, dann in ein Jugendheim etc. Und doch bin ich meinen Weg gegangen, es gab immer Menschen die mich ein kleines Stück auf meinem Lebensweg bereit waren zu begleiten.


    Doch zurück zu deinem Buben, hinterfragt die Vergangenheit, die Zeit die der Bub erlebt hat so weit das möglich ist. Den Jungen selbst nicht drängen oder Druck ausüben, denn dann zieht dieser sich mehr in sich zurück. Unauffällig beobachten, Dinge die er selbst mag fordern, fördern nur auf diesem Wege wird er sich öffnen. Für den Bub ist es ein Schutzmechanismus zu dem was er nicht versteht oder in gravierender Form erlebt hat in / aus der bereits gelebten Zeit. Manche Kinder fangen sich, andere brauchen mehr Zeit und diese sollte man dem Kind auch geben. Lg Lyn


  • (Selektiver) Mutismus und Autismus können sehr nahe sein und phasenweise oder situationsbedingt auftreten. Manchmal ist es einfach unmöglich, die Worte, die alle da wären, die Anworten, die Fragen usw. auszusprechen, da es wie eine Mauer zwischen dem Innen und Aussen gibt. Es fühlt sich an, wie wenn man keine Ahnung mehr hat, wie die Worte nach aussen können. Ich kenne dies dann, wenn ich in einer Situation überfordert bin oder durch zu viele Eindrücke / Reize / Emotionen überlastet bin. Was mir hilft, ist, wenn ich mich zurückziehen kann oder wenn das Gegenüber ruhig bleiben kann, mir Sicherheit gibt, mir hilft, mich von dem Vielen ringsum abzugrenzen. Doch bin ich in den sprachlosen "Modus" gefallen, der einem Meltdown gleichgesetzt werden kann, braucht es Zeit, bis sich vieles in mir soweit beruhigt hat, dass ich wieder sprechen kann. Jeglicher Druck von aussen oder jede noch so gut gemeinte Erwartungshaltung können wiederum Stress erzeugen, was die Blockade nur erhöht.


    Da der Junge kognitiv stark zu sein scheint, könntest du ihn vielleicht in einem ruhigen Moment einmal darauf ansprechen, was er sich wünscht, wie sich jemand verhalten soll, wenn er nicht sprechen kann. Falls der Junge eine Lieblingsgeschichte / Lieblingsfigur hat, könnte auch eine Fantasiegeschichte dazu gemeinsam entstehen, wo du mit der Zeit auch die Sprachlosigkeit einfliessen lassen könntest. Über eine Geschichte es es manchmal einfacher, schwierige, belastende Themen aufzugreifen, da sie weniger Angst auslösen und grundsätzlich schon mehr (Verhaltens-)Möglichkeiten offen lassen.

  • Liebe Lyn,
    ich moechte mich bei dir fuer meine spaete Antwort entschuldigen. Irgendwie habe ich das ueberhaupt nicht bemerkt, dass mir jemand eantwortet hat. Scheinbar begreife ich noch nicht, wie das hier genau funktioniert. (vielleicht haette ich das ja irgendwo erkennen koennen)
    Deine Ratschlaege werde ich befolgen und mich auch ein bischen umhoeren bei Mamma, wie denn das so frueher war. Soweit ich weiss, hat er aber nie gesprochen.
    Alles Liebe Dir und nochmals ganz herzlichen Dank fuer deine Offenheit.
    Fuehl dich umarmt
    "von deinem Herz"

  • Liebe Moira,
    auch dir moechte ich danke sagen fuer deine Informationen. Und ebenso entschuldigung fuer die spaete Antwort. Die Info s die hdu und Lyn geschrieben habt, habe ich mir nun ausgedruckt und werde mich in der naechsten Zeit damit beschaeftigen.
    Bin ja so gluecklich, dass ich eure Antworten per Zufall entdeckt hatte.
    Ganz herzlichen Dank im wahrsten Sinne des Wortes,
    "Dein Herz"

  • Liebe Anaya,
    erst auch fuer dich: entschuldige die spaete Antwort. Leider habe ich nicht bemerkt, dass mir geschrieben wurde. (Vielleicht finde auch ich noch heraus, wie man das erkennt)
    Wunderbar, wenn du dich mit mir austauschen moechtest. Das freut mich riesig!
    Vielleicht koennen wir unsere Mails austauschen und dies in einem nicht-oeffentlichen Raum tun. Da ich nicht weiss, wie man die Mail dir zukommen lassen kann, werde ich mich an die ForumsBetreiber wenden deswegen.
    Ist das auch fuer dich gut so?
    Hoffe sehr du bist noch hier und findest meine Antwort viel schneller wie ich deine ,-)
    Ganz liebe Gruesse
    "dein Herz"