Community - Wo, Wie, Was?

  • Hallo in die Leere..

    Mir scheint, als ist nicht viel los im Forum. Sind alle Betroffene auf Tiktok und dergleichen unterwegs? :/

    Spass! Es nimmt mich stark wunder, wie sich andere Betroffene (junge/mittler Erwachsene) so im Schweizer Alltag durchschlagen. Besonders diejenigen, die nicht oder nur begrenzt arbeitsfähig sind. Wie macht ihr es mit Sozialkontakte knüpfen, aufbauen. Seit ihr zufrieden so wie es ist? Nutzt ihr ausschliesslich das Internet, bzw. Discord um euch zu vernetzen, das Bedürfnis nach Zwischenmenschlichkeit zu tanken - oder Null Bedarf?

    Nach vielen Jahren empfinde ich eine starke Erschöpfung was dieses Thema angeht. Ich wünschte, es gäbe Möglichkeiten, locker und ungezwungen Gesellschaft zu finden, die auch wirklich stimmig ist. Sich verstellen und maskieren, um irgendwo reinzupassen, klappt einfach nicht für mich. Es fällt mir schwer, in den eher begrenzten Rahmen, die offen sind, authentische Verbindungen zu knüpfen. ;(

    Wenn ihr euch ausdenken könnt was auch immer euch einfällt, was wäre für euch eine coole Sache die noch fehlt im Alltag/Gesellschaft/was auch immer? Wäre spannend unterschiedliche Perspektiven von anderen Betroffenen zu hören. Träumen darf man ja wohl noch, oder:?::!:

    Auf dass man sich hört/liest~

    Edited once, last by murm3leen (May 18, 2025 at 9:38 PM).

  • Hallo mum3leen

    Stimmt, hier im Forum ist nicht so viel los, aber es hilft beim vernetzen und wenn jemand Fragen hat. Es gibt hier schon ähnliche Themen die dir vielleicht weiter helfen.

    Ich kann dir nur aus Sicht einer Mutter weiter helfen. Meine Tochter (16) nutzt viel Whatsapp zum schon bestehende Kontakte zu pflegen. Sie hat auch eine Freundin die nicht im Spektrum ist und bereits eine Lehre macht. So können sie in Kontakt bleiben.

    Was ganz sicher hilft sind gemeinsame Interessen. Ich weiss, dass der erste Kontakt schwierig ist, aber vieles läuft ja heute übers Internet. Das macht es etwas einfacher.

    Was mir als Mutter fehlt ist, dass es nur wenige Treffen und ähnliches gibt wo Menschen im Spektrum und "normale" Menschen zusammen kommen können ohne dass es Hindernisse gibt. Wenn es das gibt wird es nicht öffentlich gemacht und wer nicht im Spektrum ist weiss gar nichts davon. Ich weiss zwar nicht ob da einfach jeder kommen kann, aber die Schule von meiner Tochter macht im Juni ein Sommerfest: https://www.schlossregensberg.ch/sommerfest/

  • Hallo mum3leen

    Stimmt, hier im Forum ist nicht so viel los, aber es hilft beim vernetzen und wenn jemand Fragen hat. Es gibt hier schon ähnliche Themen die dir vielleicht weiter helfen.

    Ich kann dir nur aus Sicht einer Mutter weiter helfen. Meine Tochter (16) nutzt viel Whatsapp zum schon bestehende Kontakte zu pflegen. Sie hat auch eine Freundin die nicht im Spektrum ist und bereits eine Lehre macht. So können sie in Kontakt bleiben.

    Was ganz sicher hilft sind gemeinsame Interessen. Ich weiss, dass der erste Kontakt schwierig ist, aber vieles läuft ja heute übers Internet. Das macht es etwas einfacher.

    Was mir als Mutter fehlt ist, dass es nur wenige Treffen und ähnliches gibt wo Menschen im Spektrum und "normale" Menschen zusammen kommen können ohne dass es Hindernisse gibt. Wenn es das gibt wird es nicht öffentlich gemacht und wer nicht im Spektrum ist weiss gar nichts davon. Ich weiss zwar nicht ob da einfach jeder kommen kann, aber die Schule von meiner Tochter macht im Juni ein Sommerfest: https://www.schlossregensberg.ch/sommerfest/

    Vielen Dank für deinen Beitrag als Mutter eines betroffenen Kindes, es freut mich sehr zu hören, dass sie es gut hat mit Freundschaften pflegen in ihrer Umgebung/Schule. 8):thumbup:

    Es ist nochmal ein anderes Thema, wenn man als erwachsene Person durchs Leben geht ohne Anschlussmöglichkeiten. Es würde mich wirklich sehr interessieren, noch von anderen Betroffenen auf dem Spektrum hier zu hören. :/

  • Vielen Dank für deinen Beitrag als Mutter eines betroffenen Kindes, es freut mich sehr zu hören, dass sie es gut hat mit Freundschaften pflegen in ihrer Umgebung/Schule.

    Nun ja, die Schule ist ein Thema für sich. Meine Tochter hat die Diagnose erst vor einem Jahr, knapp vor ihrem 16. Geburtstag bekommen. Ihre einzige Freundin ist noch aus der Regelschule und in der Stiftung wo sie jetzt ist hat sie bis jetzt niemand gefunden den sie selber als Freundin bezeichnet. Sie sagt einfach, dass sie mit diesem oder jenem Schüler gut auskommt. Mit wem von ihrer Wohngruppe sie es lustig hat und wen sie doof findet.

    Es ist nochmal ein anderes Thema, wenn man als erwachsene Person durchs Leben geht ohne Anschlussmöglichkeiten. Es würde mich wirklich sehr interessieren, noch von anderen Betroffenen auf dem Spektrum hier zu hören.

    Meine Mutter hat einmal gemeint, dass ich auch im Spektrum sein könnte und das abklären soll. Einfach weil sie Parallelen zu meiner Tochter sieht. Anscheinend bin ich als Kind nicht so anders gewesen als meine Tochter. Es könnte durchaus sein, aber im Moment ist eine Abklärung nicht möglich weil bei meiner Tochter noch nicht ganz alles nach Plan läuft.

    Ich bin im Moment also eher so eine Art "Verdachts-Fall". Trotzdem habe ich immer meine Schwierigkeiten gehabt.

    Meine beste Freundin aus der Schulzeit hat in den Kanton Bern geheiratet und damit wohnt sie mit ihrer Familie weit weg. Die Kommunikation ist schwierig geworden und irgendwie ist unsere Freundschaft "versandet". Keine von uns hat bewusst den Kontakt abgebrochen. Irgendwie passt es einfach nicht mehr. Neue Freundschaften zu finden hat so seine Tücken. In der Berufsschule habe ich durchaus eine Freundin gehabt, aber auch hier ist es nicht auf Dauer gewesen und wir haben uns aus den Augen verloren. Seit der Lehrabschlussprüfung habe ich nichts mehr von ihr gehört. Kurz nachdem von daheim ausgezogen bin habe ich eine Freundin gefunden wo ich manchmal auf ihre kleine Tochter aufgepasst habe. Wir haben es immer gut gehabt zusammen und dass wir nur zwei Strassen voneinander weg gewohnt haben ist super gewesen. Ich habe geheiratet und wir mussten zügeln. Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört. Auch hier hat keine von uns bewusst die Freundschaft beendet. Irgendwie passiert mir das immer wieder.

    Neue Kontakte knüpfen geht auch mit Haustieren. Wir haben lange einen Hund gehabt und beim spazieren gehen trifft man andere und es können durchaus Freundschaften entstehen. Sie sind zwar nicht so eng wie wenn man allerbeste Freunde wäre, aber es ist trotzdem schön. Man kann abmachen wann man zusammen spazieren gehen will und nachher zusammen noch einen Kaffe trinken. Unsere Hündin ist vor einigen Jahren mit fast 18 Jahren gestorben und wir haben seither keinen Hund mehr. Dafür zwei Kinder wo ich an Elternabende und so muss...

    Ich habe vor gut zehn Jahren mit dem Mittelalter angefangen. Es tönt vielleicht doof, aber beim Einstieg in die Szene hat das Internet geholfen. Genauer gesagt ist es ein entsprechendes Forum gewesen. In der Mittelalter-Szene ist man irgendwie wie eine riesige Familie wo sich alle gegenseitig helfen wenn es nötig sein sollte. Da macht es dann keinen Unterschied ob du als Besucher an einem Mittelaltermarkt bist oder mit einer Gruppe als Darsteller dort etwas vorführst. Zufällige Kontakte können durchaus zu etwas grösserem werden. Ich bin seit drei Jahren mit meiner Familie mit einem Handwerker-Stand am Mittelaltermarkt in Burgdorf dabei. Leute kennen lernen passiert da von selbst.

    Was ich dieses Jahr für mich entdeckt habe ist das LARP (LiveActRolePlay) wo man einfach das ist was man sein möchte. Da wirst du nicht in ein Schema gepresst, sondern kannst so sein wie du möchtest. Vielleicht eine schweigsame Druidin die vor sich hin philosophiert? Kein Problem. Setz dich an einen Ort wo du wahrgenommen wirst und die anderen Spieler werden auf dich zukommen. Geheimnisvolle Personen sind schliesslich interessant... Du kannst aber genau so gut eine Kriegerin sein und den nächst besten Spieler in ein Duell verwickeln. So oder so werden die anderen Spieler auf dich zugehen. Du brauchst nur eine Figur die zu dir passt und bei der du nicht maskieren musst. Informiere dich was für Kleidung sie trägt und ob sie spezielle Dinge braucht. Ich habe mich für eine Magierin entschieden. Da brauche ich nicht so viel Action, werde aber auch mit ein bezogen wenn es irgendwie etwas zu zaubern gibt. Gleichzeitig kann ich mich auch mal zurück ziehen. Letzten Samstag bin ich an einem Anlass gewesen wo plötzlich ein Portal mit Magie repariert werden musste. Man hat mich dazu geholt weil man vier Elemente halt nicht zu dritt kontrollieren kann. Ich kann aber genau so gut da stehen und "laut denken" was dann andere wieder neugierig macht. Auch hier ergeben sich Kontakte über die Figuren die man spielt weil die ab und zu miteinander etwas machen wollen oder müssen. In der Regel gibt es eine Spielleitung die das etwas steuert wenn es eine bestimmte Geschichte geben soll. Hier läuft vieles über Discord wo manchmal Sachen abgesprochen werden, die dann im Spiel passieren sollen. Das kann schriftlich im öffentlichen Chat, über private Nachrichten oder auch mal per Video-Call sein. Ich bin da gerade in den Vorbereitungen für ein Ritterturnier in mehr oder weniger regelmässigen Kontakt mit einer "Gräfin" (in echt ist sie Lehrerin) wo ich in ihrem Gefolge an einem Ritterturnier dabei bin. Dazu gehört auch ein "Priester" (in echt hat er einen anderen Beruf) mit dem meine "Magierin" einen Fluch lösen soll. Wir treffen uns an einem Anlass, natürlich rein zufällig, wo wir das als "Priester" und "Magierin" besprechen und vielleicht auch etwas planen wollen. Mal schauen was daraus wird und wie die anderen Spieler darauf reagieren. Es wird ganz sicher lustig werden. Was ich am LARP auch schön finde ist, dass es bezahlbar ist. Auch wenn du nur eine IV-Rente hast kannst du problemlos mit machen.

    Ich habe zwar gerne meine Ruhe, aber nur online Kontakt mit anderen zu haben finde ich trotzdem doof. Ab und zu ist schon mal etwas "in echt" nötig. Etwas mehr als nur einkaufen und dort zufällig Bekannte treffen oder an einem Elternabend in der Schule mit den Eltern von 32 Schülern in einem Raum zu hocken. Die Klasse von meinem Sohn ist riesig und ich habe da schon lange den Überblick verloren wer zu welchem Kind gehört. Naja, mittlerweile sind die Kinder ja Teenager und organisieren sich selbst wenn sie zusammen etwas machen wollen. Manchmal bin ich echt neidisch auf meinen Sohn mit seinen vielen Freunden. Ich habe das in seinem Alter nicht geschafft.

    Du fragst dich jetzt sicher ob ich arbeite. Nein, das tue ich nicht. Ich habe da nach der Lehrer einen grandiosen Fehlstart hin gelegt und nachher nie richtig den Anschluss gefunden. Mittlerweile finden viele, dass ich doch arbeiten könnte wo die Kinder schon so gross sind. Würde ich ja gern, aber auf meinem gelernten Beruf (KV) habe ich schon lange den Anschluss verloren und würde den Einstieg wohl kaum schaffen. Eigentlich wäre es ja schon schön zwei oder drei Tage pro Woche zu arbeiten, aber ich habe ehrlich keine Ahnung welche Arbeit das sein könnte.

  • ...Meine Mutter hat einmal gemeint, dass ich auch im Spektrum sein könnte und das abklären soll. Einfach weil sie Parallelen zu meiner Tochter sieht. Anscheinend bin ich als Kind nicht so anders gewesen als meine Tochter. Es könnte durchaus sein, aber im Moment ist eine Abklärung nicht möglich weil bei meiner Tochter noch nicht ganz alles nach Plan läuft...

    Vielen Dank für deine ausführliche Schilderung. Was mir auffällt ist, dass es auch hier kaum zu hören gibt, dass es Möglichkeiten zur Gemeinschaft gibt für Betroffene. Die Erwartung scheint, dass man sich eingereiht und mit Glück seine Bubble gefunden hat. Ich selbst habe keine Familie und hätte teils gut mehr Flexibilität, doch konkrete Angebote für/mit erwachsene Personen im Spektrum scheint es weit und breit nicht zu geben.

    Dass niemand anderes sich hier meldet ist auch interessant. Hätte gedacht dass andere Betroffene vielleicht von ihren Erfahrungen erzählen möchten. Sind diese alle beschäftigt? Arbeiten, studieren oder kümmern sich eben um die Familie? Das würde bedeuten, dass die meisten ansonsten gut integriert sind, was sich eigentlich nicht mit gängigen Studien deckt.

    Alles sehr verwunderlich aus meiner Perspektive. Ich lade jedoch gerne dazu ein, falls sich sonst jemand melden möchte.

  • Im Forum hier läuft nicht besonders viel und ich finde das auch etwas seltsam. Informationen bekommen ist ja schön und gut, aber ein Forum ist für mich eine Plattform um sich aus zu tauschen und auch Freunde zu finden. So zu sagen die Grundlage auf der dann aufgebaut werden kann.

    Was mir auffällt ist, dass es auch hier kaum zu hören gibt, dass es Möglichkeiten zur Gemeinschaft gibt für Betroffene. Die Erwartung scheint, dass man sich eingereiht und mit Glück seine Bubble gefunden hat. Ich selbst habe keine Familie und hätte teils gut mehr Flexibilität, doch konkrete Angebote für/mit erwachsene Personen im Spektrum scheint es weit und breit nicht zu geben.

    Das einzige was ich weiss ist eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Kindern im Spektrum. Die ist online organisiert und ohne Whatsapp geht gar nichts. Mit meiner 17-Jährigen Tochter passe ich hier schon nicht mehr dazu. Anscheinend gibt es manchmal privat organisierte Treffen für Autisten, aber auch hier geht es eher um die Suche nach Freundschaften für Kinder. Warum so vieles auf Kinder ausgerichtet ist und es nichts für Erwachsene gibt ist für mich auch ein Rätsel.

    Dass jede Person im Spektrum anders ist, ist ganz normal. Jeder Mensch ist anders - ob mit oder ohne ASS macht da keinen Unterschied. Wenn alle gleich wären, wäre die Welt doch langweilig.

    Hätte gedacht dass andere Betroffene vielleicht von ihren Erfahrungen erzählen möchten. Sind diese alle beschäftigt? Arbeiten, studieren oder kümmern sich eben um die Familie? Das würde bedeuten, dass die meisten ansonsten gut integriert sind, was sich eigentlich nicht mit gängigen Studien deckt.

    Eine gute Integration ist Gold wert, aber schwierig zu erreichen. Nur schon die Regelschule ab zu schliessen hat seine Tücken und wer einen Platz in einer Sonderschule mit normalem Lehrplan und Kleinklassen bekommt hat wahnsinnig Glück. Ist es dann auch noch ein Internatsplatz wo man sich Zeit für die Person mit ASS nimmt und sie dort abholt wo sie gerade steht ist das nochmals eine grosse Portion Glück dazu. Vor allem weil da der Übergang zwischen Jugendlichen und Erwachsenen (laut Gesetzt 18 Jahre) nicht ganz so ernst genommen wird. In der Wohngruppe wo meine Tochter ist, ist der Älteste 18 Jahre, die Jüngste glaub 12 Jahre alt - und sie ist die einzige im Spektrum. Vielleicht liegt es an solchen Sachen was die Integration angeht? Diese Art der Integration wird von der Gesellschaft gar nicht wahr genommen und wenn ein Lehrling im Spektrum einen passenden Arbeitsplatz findet erst recht nicht. Wer das nicht schafft verschwindet oft in einer Institution mit geschützer Werkstätte oder ähnlichem. Auch das wird nicht wahr genommen. Warum sich aber niemand von ihnen getraut in einem Forum zu schreiben oder sonst irgendwie Kontakt auf zu nehmen verstehe ich auch nicht. Es gibt heute doch so viele Möglichkeiten...

  • Meiner Erfahrung nach, wenn du etwas von Autisten erfahren möchtest, musst du präzise Fragen stellen.

    Quote

    Spass! Es nimmt mich stark wunder, wie sich andere Betroffene (junge/mittler Erwachsene) so im Schweizer Alltag durchschlagen. Besonders diejenigen, die nicht oder nur begrenzt arbeitsfähig sind. Wie macht ihr es mit Sozialkontakte knüpfen, aufbauen. Seit ihr zufrieden so wie es ist? Nutzt ihr ausschliesslich das Internet, bzw. Discord um euch zu vernetzen, das Bedürfnis nach Zwischenmenschlichkeit zu tanken - oder Null Bedarf?

    Seit dem Kindergarten weiss ich, dass ich ADHS habe und seit etwa 3 Jahren, dass ich auch Autist bin. Genau genommen, bin ich im AuDHD Spektrum. Als hoch maskierender Autist, bin ich jahrelang durch mein Leben gezogen und habe mich gefragt, warum anderen vieles, was mir so schwerfällt, so scheinbar einfach gelingt. Mittlerweile bin ich leider arg lädiert. Zurzeit arbeite ich daran, diese Maske runter zu reissen. Bedauerlicherweise führt das zu Konflikten mit meiner Mitwelt. Aus Angst davor, sozial noch mehr isoliert zu werden, fühle ich mich häufig wie gelähmt.

    Wenn ihr euch ausdenken könnt was auch immer euch einfällt, was wäre für euch eine coole Sache die noch fehlt im Alltag/Gesellschaft/was auch immer? Wäre spannend unterschiedliche Perspektiven von anderen Betroffenen zu hören. Träumen darf man ja wohl noch, oder:?::!:

    Mir fehlt tatsächlich, eine ungezwungene Gesellschaft, oder einen Ort an dem Menschen sind, wo man jederzeit hingehen kann.
    Immer diese Mühe einen Termin zu machen oder auf einen Termin zu warten, um mit jemandem etwas zu unternehmen. Nur um genau an dem Tag, gerade mal keine Energie für soziale Kontakte zu haben. Diesen Zwang immer mit den anderen Reden zu müssen oder genau das Gleiche machen zu müssen, nicht einfach nur sein zu können. Am meisten wünsche ich mir jemand, bei dem ich mich einfach geborgen fühle.

  • Erfreulich in meinem Leben sind folgende Dinge. Eine EFZ Ausbildung (wie auch immer ich das geschafft habe), alleine in einer gemütlichen Wohnung zu leben und eine 20 % Stelle zu haben. Normalerweise koche ich ganz gerne und gehe gerne draussen spazieren. Eines meiner Spezialinteressen fällt auf die Artenvielfalt, sowohl von Pflanzen als auch von Tieren.

  • Vielen Dank für deine ausführliche Schilderung. Was mir auffällt ist, dass es auch hier kaum zu hören gibt, dass es Möglichkeiten zur Gemeinschaft gibt für Betroffene. Die Erwartung scheint, dass man sich eingereiht und mit Glück seine Bubble gefunden hat. Ich selbst habe keine Familie und hätte teils gut mehr Flexibilität, doch konkrete Angebote für/mit erwachsene Personen im Spektrum scheint es weit und breit nicht zu geben.

    Diese beiden Angebote zum Beispiel: https://www.neurodivergent-zurich.ch/de/ und https://www.aspies.ch

    Beide haben Veranstaltungen und Treffen für erwachsene AutistInnen und zum Teil auch Selbsthilfegruppen oder Whatsapp Gruppen.

    Meiner Erfahrung nach ist ein gewisses sich einreihen und anpassen einfach nötig sobald man in Gruppen/ nicht alleine unterwegs ist. Auch in reinen ASS Gruppen. Schlussendlich ist Beziehungsarbeit eben genau das: Arbeit. Und was mir geholfen hat, ist die Erkenntnis, dass es eben Zeit braucht um eine Freundschaft aufzubauen. Ich muss jemanden kennen lernen und diesen jemand mich kennenlernen lassen. Wir sind alle (unabhängig vom Neurotyp), in einer neuen, unbekannten Situation mit unbekannten Mitmenschen erstmal zurückhaltend und zeigen nur bestimmte Nuancen (von welchen wir annehmen oder wissen, dass sie sozial angemessen sind) unseres Seins (man könnte fast sagen: Maskierend). Es braucht Vertrauen und Zeit um jemanden wirklich an sich heran zu lassen, um sich zu öffnen und daraus eine tragende Beziehung zu entwickeln.

  • murm3leen Finde die Frage auch eher unspezifisch im Sinne von, dass ich nicht genau die Schwierigkeit verstehe, sondern Vermutungen anstellen müsste. Was meinst du denn genau mit "lockerer ungezwungener Gesellschaft" und "stimmig sein"? Das ist subjektiv. Inwiefern maskierst du dich in sozialen Situationen? Was passiert denn genau, wenn du dein Maske weglässt? Was ist deine Schwierigkeit, mit anderen zu verbinden (abgesehen davon, dass in diesem Forum wenig Leute reagieren)?

    Für mich selbst sind soziale Interaktionen immer anstrengend, aber gut machbar, und habe (untypischerweise) viele Freunde. Ich denke demnach, wir befinden uns nicht in der gleichen Situation bzw. haben andere Schwierigkeiten (obwohl die Kern-Symptomatik gleich ist). "Kennst du einen Autisten, dann kennst du eben nur einen Autisten".

    Allgemein würde ich anmerken, dass es in der Schweiz schwieriger ist Leute intiierend kennen zu lernen. Gehst du in den europäischen Süden oder in die Staaten (je nach dem wo genau), dann sind die Leute viel offener und proaktiver. Es gibt viele Berichte darüber, dass Einwanderer in die Schweiz wieder ausreisen, weil sie keinen Zugang finden und sozial innerlich zermürben. Es geht also nicht nur dir so, sondern ist mitunter der kulturellen Eigenart mitgeschuldet. Kurz gesagt neigen Schweizer eher dazu, in einem kleinen, ihnen bekannten Rahmen zu bleiben. Es gibt Vergleiche, dass Schweizer eine harte Schale und weichen Kern haben. Es ist schwierig, sich mit unbekannten Personen anzufreunden, sobald man diese Hürde schafft, sind sie dafür offen und loyal.

    Was kann man also machen? Ich denke, du machst es bereits ganz gut, mit deiner Idee selber proaktive Leute zusammen zu bringen :) Hier einige Hinweise, die mir geholfen haben:

    • Kleine Gruppen: Treffen mit nur einer oder zwei Personen fallen mir deutlich einfacher.
    • Interessen: Ich versuche rauszufinden, was die Leute bewegt, informiere mich (kurz) über diese Themen und bringe es in nächsten Treffen wieder ein. Stell dir vor: Wie würdest du dich fühlen, wenn du plötzlich jemanden triffst, der dich nicht nur über dein Spezialinteresse ausreden lässt, sondern sogar noch das eine oder andere mitreden kann?
    • Zuhören: Einfach die Leute reden lassen. Es fällt mir viel einfacher, wenn ich die Leute ausfrage und ich immer weiter nachfrage. Die meisten Leute reden sehr gerne darüber, was sie beschäftigt. Sie fühlen sich genau auch so, dass sie das Gefühl haben, nicht immer ausgelassen sprechen zu dürfen. Ich biete den Leuten den Raum, genau das zu tun.
    • Positivität: Ich versuche zu vermeiden, Kritiken an der Person zu äussern. Wenn mir etwas unlogisch erscheint, dann rahme ich auf der Sachebene ein. Damit vermeide ich, dass Leute sich angegriffen fühlen.
    • Komplimente: Menschen hören immer gerne Komplimente. Insbesondere, wenn sie begründet sind (gibt Studien darüber). Als Autist gebe ich stets ehrlich gemeinte Komplimente und begründe sie meistens kurz.
    • Geduld: Es braucht Zeit, bis man einander kennt und vertraut. Mal geht es schneller, mal langsamer.
    • Sich selbst sein: Viele Leute empfinden es sogar als angenehm, mit jemandem sprechen zu dürfen, der eben nicht sozial manipulativ ist, sondern mit jemandem, der offen, ehrlich und vielleicht auch etwas anders ist. Selbst wenn man Sachen direkt anspricht, sehen das viele Leute sogar als Stärke, nicht als Schwäche.
    • Sich selbst treu sein / verzeihen & Selbstvertrauen: Wenn es mit jemandem nicht klappt, dann ist das kein Versagen - weder für einen selbst, noch für die andere Person. Manchmal erlauben es die Umstände nicht. Man hat vielleicht einen vollen Terminplan, man missversteht sich, oder was auch immer der Grund ist. Wie oben bereits beschrieben, fällt es nicht nur Autisten schwierig, sich mit Leuten zu verbinden. Es gibt aber genügend Leute, die eine loyale Freundschaft wertschätzen.

    Wo kann man Leute finden? Im Prinzip überall. Ich verzichte hier auf eine lange, mögliche Auflistung von spezifischen Orten. Wie einige bereits erwähnten, ist die Findung eines geeigneten Ortes sehr gut und sinnvollerweise kombinierbar mit den eigenen Interessen.

    Ich möchte nochmals anmerken, dass die oben erwähnten Punkte mir geholfen haben. Ich kenne deine Situation nicht und vielleicht sind sie nich passend für deine Situation. Aber ich hoffe, dass es das eine oder andere gibt, das dir hilft :)