IV-Hilflosenentschädigung

  • Hallo Susanne LL
    Die Wartezeit gehört halt dazu. Die haben halt ihre Norm. Ist eigentlich gut. Aber wenn es einem selber betrifft, ist man schnell ungeduldig.


    Ich konnte meinen Sohn nie alleine nach draussen gehen lassen. Als er kleiner war, griff er die schwächeren Kinder und vor allem Mädchen an. Ab dem Zeitpunkt der Medikamentengabe wird er nun gemobbt. Ich muss ihn also vor den andern Siedlungskinder schützen.


    Seit Schuleintritt benötige ich von Mo-Fr etwas mehr als 10 Stunden! um ihn aufs Postauto zu bringen, wieder abzuholen, zweimal Abholen in der Schule und einmal Ergotherapie in der Stadt. Das gibt ein 20% Pensum. Diese Zeit fehlt halt anderswo. Ich will aber nicht klagen. Ich machs gerne für meinen Sohn. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so viel Zeit ist. (Für NT wäre der Zeitaufwand Mo-Fr nur etwa 25 Minuten, dann würde er ins Quartierschulhaus gehen.)


    Messer: Er weiss für was es gebraucht wird. Er kann es nicht richtig in der Hand halten. Lege ich eins neben das Teller, spielt er damit. Wenn er Messer und Gabel in den Händen hat, fällt ganz bestimmt eines auf den Boden. Die Gabel braucht er zum essen. Wenn er gerade nichts in den Mund befördert, ist der Gabelstiel im Mund (Anstelle der Finger). Wenn er am Morgen das Butterbrot streichen würde, käme er wohl jeden Morgen zu spät zum Postauto.


    Und wenn er mal in der Tagesschule isst (nimmt Essen selber mit), vermissen wir ihn so sehr.
    Gruss Svalbard

  • Hallo


    Als wir noch Therapie (Logo) auswärts hatten, wurde alles angerechnet, auch Fahrzeit und Wartezeit.


    Die Begleitung für draussen wird mit maximal 4 Stunden bei erhötem Betreuungsbedarf angerechnet. Das muss dann aber für den ganzen Tag reichen! Mit diesen vier Stunden bekommt man dann den Intensivpflegezuschlag. Dazugerechnet werden dann die pflegerischen Tätigkeiten, wie Waschen, Zähneputzen, Windelwechsel, Essen/Trinken, Medis verabreichen, zudecken in der Nacht etc... Diese Zeiten werden zu den 4 Stunden dazugerechnet. Ab 6 Stunden gibts mehr Geld und ab 8 Stunden täglich gibts dann am meisten. Mehr ist nicht möglich.


    Die Hilflosenentschädigung gibts ja je nach Hilfsosigkeit, ungeachtet der Zeiten.


    Beim Punkt mit den sozialen Kontakten (weiss die Nr. gerade nicht) gibts nie Zeiten, das gehört dann eben zur Hilflosigkeit.


    Wenn du mit der Beurteilung nicht einverstanden bist, melde ich umgehend bei deiner IV-Stelle und verlange eine Neubeurteilung.


    Liebe Grüsse
    Christine

    Berner Familie mit 5 Kindern, 92/95/96/98/01 Nr. 3 Asperger Junge, Nr. 5 frühkindlicher Autist

  • Hallo Christine
    Vielen Dank für die Antwort. Ist sehr hilfreich. Ich werde Einwand erheben, zusammen mit Procap. Das Protokoll wurde sehr schludrig abgefasst. Sogar die Anzahl betreuten Schulstunden wurden um 11 Lektionen daneben angegeben. Aber ich kann im Moment nicht mehr schreiben, da wir das Verfahren erst starten.


    Zudem haben wir in den IV-Akten gefunden, dass der Schulpsychologische Dienst falsche Angaben lieferte und so die IV-Anerkennung fast zum Fall gebracht hat. Wir sind uns am Überlegen, ob dies für den Dienst ein Nachspiel geben soll. Wir klären dies auf jeden Fall mit einem Anwalt ab. Es kann nicht sein, dass die IV-Bezüger alles korrekt angeben müssen, damit sie keine Leistungskürzungen haben und eine offizielle kantonale Stelle liefert unvollständige Angaben.


    Gruss
    Svalbard

  • Hat jemand von den Erwachsenen (Selbstbetroffenen) schon eine Abklärung für HE hinter sich gebracht?
    Habe morgen den Termin bei mir zuhause und echt Angst. Also eher Panik weil fremde Menschen in meine Wohnung kommen und ich damit schon nicht umgehen kann. Und reden muss ich auch noch mit denen??

  • Liebe Emma


    Schade hast du nicht etwas früher gefragt. Für eine HE Abklärung muss man gut vorbereitet sein. Man muss alles was man nicht kann hervorheben und alles was man kann beim Gespräch vergessen. Was sie in ihrem Laptop schreiben sieht man ja nicht und wie sie es interpretieren auch nicht. Ich hatte schon 3 Damen bei uns und jede war anders. Die einen hören was man sagt und die anderen hören, was sie hören wollen, damit sie etwas streichen können.
    Procap hilft einem auch bei den Vorbereitungen für solche Gespräche mit Tipps.
    Wenn du mit dem Entscheid nicht einverstanden bist, kannst du auch bei Procap fragen, ob du eine Einsprache machen sollst. Sie können dir auch beim formulieren und ev. schreiben helfen. Eine Mitgliedschaf bei Procap ist auf alle Fälle sehr empfehlenswert, wenn man mit der IV zu tun hat.
    Wir sind beim ersten Gespräch voll ins Messer gelaufen und haben den Entscheid auch ohne grosse Kontrolle angenommen. So wurden wir um etwa 3 Jahre HE gebracht.


    Hoffe, du hast diese "unangenehme" Situation gut überstanden und du kriegst auch einen positiven und brauchbaren Entscheid.


    Ganz liebe Grüsse
    Jris

  • Liebe Iris
    Danke für die Tipps. Ich glaube, das Gespräch ist ok gelaufen- zumindest habe ich die beiden Damen nicht aus der Wohnung geschmissen, bin nicht davon gelaufen und alle leben noch. :D
    Ich wurde zum Glück von meiner Ergotherapeutin und meiner Psychiaterin ziemlich gut auf das Gespräch vorbereitet. Die beiden haben mit mir wichtige Punkte die ich unbedingt erwähnen sollte, vorbesprochen. Leider (?) gebe ich eben ehrliche Antworten. Aber ich sage dafür auch alles... Ich habe dann halt auch nachgefragt. Als sie gefragt haben ob ich selbst kochen kann habe ich gesagt, kommt darauf an was. Ich kann Maiswaffeln mit Marmelade bestreichen aber nicht mit Butter weil ich die Maiswaffeln immer zerstöre weil ich die Kraft in den Händen nicht richtig dosieren kann oder die Butter zu hart ist und ich, wenn ich Hunger habe, sofort essen will und nicht erst warten kann bis die Butter streichbar ist. Und gleich dazu habe ich gesagt Margarine esse ich nicht. Ich mag sie nicht und Punkt. Und als sie gefragt haben wie das mit dem aufs WC gehen sei habe ich ausführlich geschildert wie kompliziert ich das finde. Ich stelle ja immer den Wecker um bi zu vergessen aufs WC zu gehen. Und der Wecker hat sich auch während des Besuches zuverlässig um 11:25 gemeldet und ich bin aufs WC. Ich glaube das war der 'beste Beweis' dafür, wie lange es geht bis ich aus- und wieder angezogen bin und die Einlage gewechselt habe.
    Du hast Recht: Die richtige Vorbereitung ist enorm wichtig. Als ich dann gemerkt habe (am späteren Nachmittag)!dass ich doch noch ein paar Dinge hätte besser erklären wollen, habe ich alles aufgeschrieben und ihr geschickt. Ich habe ihr schon vor dem Gespräch gesagt, dass reden nicht meine Stärke ist und ich Zeit brauche um zu antworten. Beide Damen waren sehr respektvoll und haben mir Zeit gelassen um zu antworten und mir am Schluss auch gesagt, ich dürfe mich bei ihnen melden, wenn mir noch etwas einfällt.
    Alles in allem ging es also ganz ok. Jetzt warte ich ab... Habe dafür einen Tag später den Bericht zur Überprüfung der Rente erhalten: keine Änderung. Das ist super! Auch das hat mich doch die ganze Zeit sehr unruhig gemacht.
    Ich würde nicht sagen ich bin zuversichtlich, aber wie du schon geschrieben hast, kann ich im Notfall ja Einspruch erheben.
    LG Emma

  • Eines kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen sagen, eine IV-Hilflosenentschädigung (HE) zu erhalten als autistischen Menschen ist alles andere als einfach, weil die HE vor allem auf körperliche und Sinnesbehinderungen ausgerichtet ist. Trotzdem ist es nicht unmöglich, wenigstens die erste Stufe 'Leichte Hilflosigkeit' zu bekommen. Man sollte einfach die autismusbedingten Alltagsschwierigkeiten sehr gut darlegen können.
    Wenn jemand von der Sozialspitex da unterstützen könnte, stehen die Chancen dafür wesentlich besser da.
    Eine gute Vorbereitung für den entscheidenden Besuch des SVA-Beamten zu Hause ist unabdingbar.
    Leider ist 'Autismus' in den Sozialversicherungsanstalten immer noch zu unbekannt. Dies sollte vor allem primär geändert werden, dann werden unsere Chancen auf eine angebrachte Unterstützung sich steigern.

  • Einige hilfreiche Tipps der IV Abklärungsdamen damit man ja keine HE kriegt:


    die Butter nicht streichen können, lasse sich mit streichbarer Butter lösen


    eine ganze Flasche Dusch pro mal brauchen, lasse sich mit Seife lösen


    nicht duschen gehen, hatte beim ersten Mal damit zu tun, dass er dafür zu wenig alt sei, jetzt ist er zu pubertierend


    grosse Fleischstücke schneiden und rein damit, so dass man es fast nicht mehr kauen kann, ist Faulheit und machen "Normale" Kinder auch


    Ich habe diverse Sachen gehört, die wir einfach nur falsch machen in unserer Familie :thumbdown:

  • Ohne ärztliche Bezeugung einer Hilflosigkeit, insbesondere in der Alltagsbewältigung, hat man erfahrungsgemäss kaum reale Chancen eine IV-HE tatsächlich zu bekommen, weil Autismus nach aussen sprichwörtlich nicht offensichtlich ist.
    Antrage auf Hilfslosenentschädigungen sollten gründlich aufgegleist und organisiert, ja nicht bloss irgendwie improvisiert, sein.

  • Ich bin jetzt grad in der Situation, dass ich diesen Antrag ausfüllen sollte. Naja, ich muss ja nicht, aber mir wird das von allen Seiten nahe gelegt und ich wäre über den Zustupf froh, um mir ab und zu mal eine Haushaltshilfe leisten zu können, der stresst mich nämlich enorm. Bleibt halt alles liegen. Mein Kind wird aber gerade erst drei Jahre alt, ich bin unsicher, ob das wirklich eine gute Idee ist, das jetzt schon zu machen. Ich meine, klar habe ich mehr Aufwand, im Vergleich zu Gleichaltrigen braucht sie deutlich mehr, aber ich bin nicht sicher, ob die von der IV das auch so sehen...

  • Gewiss, der Aufwand für eine Beantragung der HE ist hoch. Doch es lohnt sich wirklich. Vor allem, da du jetzt noch nicht weisst, was alles beim Eintritt in den Kindergarten und die Schule auf euch zukommt. Ich habe erst kürzlich die Erfahrung gemacht, dass bei der Hausabklärung die Person von der HE die Schwierigkeiten gut einschätzen konnte, gesehen hat, wieviel Aufwand die Begleitung und Anleitung im Alltag braucht. Und sie hatte es sich auch so notiert. Wenn du unsicher sein solltest bezüglich dem Hausbesuch z.B. darfst du jemanden von procap oder proinfirmis dabei haben. Diese Stellen können dich auch im Vornhinein beraten und unterstützen.

  • Ich würde es Dir auch auf jeden Fall empfehlen. Klar, es ist ein Aufwand, den Antrag auszufüllen und das Gespräch beim Hausbesuch war extrem intensiv und anstrengend, ich war total geschafft nachher... aber es lohnt sich! Und es steht uns wirklich zu resp. das wird dann eben abgeklärt, aber wenn es einem zusteht, dann würde ich nicht darauf verzichten, schliesslich ist unser Leben sonst viel schwerer...