Freizeitgestaltung

  • Hallo zusammen
    Ich bin neugierig wie ihr die Freizeit von Kindern mit frühkindlichem Autismus gestaltet. Was machen euere Kinder in der Freizeit. Unser Sohn, bald 10J. kommt um ca. 15.30h nach Hause. An den Tagen wo er Schule hat ist es ganz i.O. Was aber macht er an einem Mittwochnachmittag oder an einem Samstag wo z.B. andere Kinder in die Pfadi gehen oder in den Ferien? Alle Angebote unserer Stadt sind für "so genannte normale" Kinder Unser Sohn liebt es Filme zu gucken, was ganz i.O. ist. Nur ich wünsche mir noch andere Aktivitäten.


    Ausserdem bin ich immer noch auf der Suche nach einer Person, welche bereit ist eine Freizeitgruppe, Start mit zwei Kindern, à la Pfadi in Winterthur aufzubauen.


    Hat jemand Ideen oder gar Kontakte? Ich freue mich über jede Antwort.
    Herzliche Grüsse
    Jlona Hadler

  • Hallo Hadler Jlona


    Hast du in der Pfadi in Wohnortsnähe nachgefragt, ob dein Sohn mal schnuppern darf? Es gibt manchmal auch kleinere Gruppen, vielleicht 2 bis 3 Dörfer weiter, die es gerne mit einem speziellen Kind versuchen wollen. Wir haben eine solche Pfadi gefunden, die unseren Jüngeren gerne aufgenommen hat. Es kann auch für sogenannt "normale" Kinder eine Bereicherung sein, ein Kind mit Autismus kennen zu lernen. Die gegenseitigen Berührungsängste werden kleiner.


    Der Ältere organisiert seine Freizeit in der Zwischenzeit selber. Er trifft sich mit Freunden zum Gamen, im Ausgang oder für politische Aktionen. Der Jüngere ist in der Freizeitgestaltung auf unsere Hilfe angewiesen. Auch er trifft sich gerne mit einem FreundIn in der Freizeit, vorallem zum Gamen und Spielen. Er braucht (noch) unser Hilfe beim Telefonieren und Abmachen. Bei einem Badibesuch, wünscht er unsere Begleitung, alleine getraut er sich noch nicht in dieses Umfeld. Hier fehlt es ihm noch am Vertrauen in seine eigene Fähigkeit, Sicherheit und Selbständigkeit. Als Sport macht er Karate, wir haben glücklicherweise ein Dojo gefunden, das bereit war, sich auf seine speziellen Bedürfnisse einzustellen.


    Freizeitaktivitäten, wie Karate und Pfadi verlangen unserm Jüngsten aber auch einiges ab. Es ist für ihn nicht ganz einfach, die Angst, wie es diesmal sein wird, mit welchen unvorhersehbaren Komponenten er es zu tun bekommen wird (sind die Kinder diesmal ruhiger oder aufgekratzt, oder kreischen fröhlich - hat es eher wenig oder viele Leute, etc.), bedeutet für ihn Stress pur. Er ist jedesmal froh, wenn er wieder zu Hause ist. Nach einer solchen Aktivität geniesst er dann seine Ruhe, ist aber auch stolz, dass er es wieder einmal geschafft hat. Es kann auch vorkommen, dass er durch etwas (für uns nicht voraussehbar und planbar) völlig aus der Bahn geworfen wird und infolgedessen mit einer Blockade oder im schlimmsten Fall sogar mit Autoaggressionen reagieren kann. Manchmal kann er sich wieder beruhigen und die Stunde ruhig und mit einem guten Gefühl abschliessen, manchmal gelingt dies nicht, dann führen wir ihn aus der Situation hinaus und gehen nach Hause.


    Für die Freizeitgestaltung gibt es Möglichkeiten, es ist jedoch wichtig die Betreuer vorher über Autismus aufzuklären. Ich habe viele gute Erfahrungen machen dürfen und bin bis heute auf wenig Ablehnung gestossen. Beim Kind müssen wir hinschauen, wofür es sich vielleicht begeistern könnte. Viele Kinder mit Autismus versuchen von sich aus wenig Neues aus, so ist es zuerst schwierig zu beurteilen, was ihm Spass machen könnte. Manche tanzen gerne, spielen gerne Schach, oder musizieren. Vielleicht gibt es in der Nähe einen Verein, der dies anbietet.


    Liebe Grüsse, Monica

  • Liebe Monica
    Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich werde mich in unserer Umgebung (Dörfer) einmal umhören. Ist ein super Tipp. In unserer Stadt ist es leider nicht möglich mit Pfadi. Viel zu viel Wechsel. Unser Sohn geht in eine HP, kann sich mitteilen, spricht aber nicht wirklich.


    Herzliche Grüsse
    Jlona

  • Es gibt auch die PTA (Pfadi trotz allem) dort geht es wie in der Pfadi zu, nur hat es mehr Leiter und alle Kinder haben eine Behinderung.


    Sicher gubt es in Ihrer Nähe eine solche Gruppe.


    Liebe Grüsse


    Mundi

  • Unsere Tochter geht seit gut 10 Jahren in die PTA. Im Moment sind leider nur sehr wenige nicht behinderte Kinder und Jugenliche dabei. Nächste Woche gehen sie 1 Woche ins SoLa zelten und an Pfingstgen und um den Chlaus gibt es immer noch ein Weekend. Ich finde es eine ganz tolle Sache.
    Ausserdem besucht sie wöchentlich eine Turngruppe im Plusport und vierzehn täglich die Schwimmgruppe. Im Plusport erlebt sie das Vereinslebens wie ein gesunder Jugendicher mit GV, Fasnachtshöck, Chlaushöck,diversen Ausflügen. Hier macht sie seit gut 5 Jahren mit.


    Beides gibt uns auch immer wieder eine gewisse Entlastung, aber vorallem ist es eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und es gibt ihr das Gefühl auch in einem Verein zu sein, wie ihr gesunder Bruder.


    Sie besuchte auch schon diverse Lager des Plusportes, wobei, da ist es realtiv schwierig für sie, ein geeignetes Lager zu finden, da sie in allen Bereichen unselbständig ist.


    Grüsse
    Barbara