Umfrage "Was ist gute Assistenz für Menschen mit Autismus?" ab dem 2. April 2012

  • @ Roy
    @Nic


    Danke für den zweiten Teil!



    Die Assistenz ist eine komplexe Aufgabe. Ich habe den Eindruck, sie wird in der Volksschule grundsätzlich eher unterschätzt.


    Es ist eine interessante Aufgabe, die ein grosses Feingefühl und eine breite Kompetenz voraussetzt.
    Allerdings kann man auch mit der Aufgabe wachsen.


    21. Es ist üblich (geläufig) von der Stärke von Studenten mit grösseren (besseren) Sprach-Fähigkeiten verblendet zu werden, und als Resultat, ihm eine höhere Kompetenz in der Kommunikation zu zuschreiben, als effektiv existent ist.


    - eine sehr interessante Überlegung. Das passiert insbesondere im näheren Umfeld, aber auch wir (die wir doch eigentlich "unsere" ASS kennen sollten) sind nicht davon gefeit.


    coffee

  • ...eine gute Schulbegleiterin....
    Sicherlich eben eine "Anwältin" des Kindes...das heisst auch, ganz klar für das Kind da sein und auch seine Bedürfnisse wahrnehmen...


    Zu Beginn ist es wichtig, zum Kind "einen guten Draht" aufzubauen...Es geht ja darum, dass das Kind dich versteht und du das Kind...erst dann kann ich es "coachen" und begleiten.


    Dazu ist es wichtig, ganz klar und eindeutig zu formulieren..."Aspies" nehmen sehr viel wahr und spüren meines Erachtens auch sehr viel. Echtheit und Klarheit sind wichtig...Das was ich will und das was ich nicht will, soll für das Kind ersichtlich sein. Ich muss meine Absichten klar formulieren und Rücksicht darauf nehmen, dass das autistische Kind vor allem das Wesentliche erfassen will...alles "Rundherumgequatsche" verwirrt nur und scheint ihm sinnlos...Es geht also um die Sinnfrage...



    Wenn ich also dem Kind/Jugendlichen eine Arbeitsanweisung gebe, so ist es wichtig es direkt mit Namen anzusprechen und auch klar zu formulieren;"Schau!", " Jetzt", "Hier!", "Schreiben, "Lesen", "Was ist gefragt?", "Was ist zu tun?"...Somit gebe ich dem Kind Struktur und "Wegweiser", damit es auch weiss, was es tun soll und was verlangt wird...
    Wenn ich nur sage: "Nimm dein Heft!", so weiss das Kind ev. nicht, wozu und wann und wie nehmen, was es damit tun soll...


    Als Begleiterin gebe ich also vor allem Wegweiser und wenn das Kind einen anderen Weg einschlägt, so frage ich es, wohin es geht, welche Absicht es hat, was es damit meint und will...


    Dies Art miteinander zu kommunizieren bedingt, dass das Kind Vertrauen zu dir aufbauen kann und du auch Vertrauen und Achtung zu ihm hast und ihm deine Wertschätzung auch zeigst...(das ist natürlich bei allen Kindern so, beim autistisch veranlagten Kind braucht es einfach mehr Transparenz)...


    Beim autistischen Kind ist es ein "Lernen mit allen Sinnen" und viele Autisten hören die "feinen Töne" besser als die lauten. Probier aus, über welche Kanäle "dein" Aspie aufnimmt und wahrnimmt! Schule diesbezüglich auch deine Wahrnehmung, sei eine Forscherin...


    Meine Erfahrungen im Umgang mit Asperger-Autisten habe ich als Mutter und als Heilpädagogische Lehrerin.
    Es gäbe noch viele "Tipps" diesbezüglich...


    Als mein Sohn in der dritten Klasse war (das war vor 13 Jahren)und das erste Mal eine "Diagnose" gesprochen wurde, nämlich, dass ein grosses Spannungsfeld bestehe zwischen Intellekt (als Hochbegabter) und Sozialem Verhalten und dass er diesbezüglich auch einen Leidensdruck haben könne bei sozialen Kontakten, weil er eben auch klar erfassen und merken könne, was da abläuft, da habe ich realisiert, wie selbstverständlich wir annehmen, dass unsere Kinder uns verstehen, wenn wir etwas von ihnen fordern. Dass diese Kinder vielleicht ganz andere "Antennen" nutzen als wir und vieles auch wörtlich nehmen, was wir sagen, dort habe ich dann realisiert, wieviel "Stress" ich da für mein Kind produziere und habe angefangen zu lernen, klar und eindeutig zu formulieren und ihm mitzuteilen, was ich will...eben Klarheit und Echtheit...und dazu eine gute Portion liebevollen Humor!


    Hey liebe Leute: Wir könnten wirklich ein Erfahrungsbuch zusammen verfassen mit diesem Thema!


    Mit liebem Gruss
    :P MAYA MARONI :D

  • Der Gehör «Kanal» beim Menschen aus den Spektrum ist extrem sensibel. Diese habe ich erfahren beim fast alle Menschen, die ich kenne, aus den ganzen Spektrum, von schwer mehrfach behindert bis ... sogar ja uns NTs natürlich!


    Ich denke es könnte sein, dass das Gehör sich in Mutterleib relative früh entwickelt, vor den Sehen (ja klar, Sehen nutzt nicht viel im Mutterleib, aber das Gehör schon - das Herzpuls der Mutter zum Beispiel). Das heisst, das autistische Gehirnstruktur kennt sich mit dem Gehör speziell gut aus. «Gut» nicht in Sinne von «normal» aber in Sinne von eben «autistisch» oder sogar «übernormal» gut. Die «Ich-Kenntnis» ist mit «dem Gehörten» (heist praktisch, was von «Aussen» gehört ist) fast identisch. Um was ich meine überdeutlich zu formulieren: «Ich bin, was ich höre.» Diese wird auch zum «Ich bin, was ich anhöre.»


    Deswegen ist es wichtig für alle (AS und NTs) diese Hochempfindlichkeit wahrzunehmen, zu erkennen und respektieren wie es für jemand aus den Spektrum wirkt und was es für diese Person bedeutet!


    Ich bin mir nicht sicher ob ich mich mit mein amerikanischem Deutsch verständlich ausgedruckt habe. Wenn nicht, ich bitte um Entschuldung! Frage nur - ich versuche es nochmals!
    Roy

  • @Roy und Nic
    DANKE für eure Arbeit :thumbsup: .


    @Roy

    Kurz und prägnant!(Zitat)


    Genau da liegt bei uns im Alltag, in den Begegnungen mit Menschen das Problem.
    Man betrachtet die Jungs die auf den ersten Blick ein völlig "angepassten" Verhalten, normales äusseres Erscheinungsbild und einen reichen Wortschatz Präsentieren, und plötzlich treten Probleme auf die niemand versteht...
    Fange ich jedoch zu suchen an, werde ich meistens in der Kommunikation fündig.


    Danke, das bestärkt mich weiter zu gehen mit meiner Art des Umgangs mit den Jungs, und meinem Verständnis und den daraus folgenden Handlungen.


    bronti

    KENNTNIS IST KEINE BÜRDE, TOLERANZ KOSTET NICHTS; VIELFALT IST NICHT GEFÄHRLICH.

    Susanne Schäfer

  • Entschuldigung - nun habe ch es auch geschnallt:-):


    Ich bin einer Meinung mit Nic!!!


    Und was ich auch als sehr wichtig empfand und empfinde ist, dass Schematas und Kastendenken weggelassen werden. Denn mit den üblichen gesellschaftlichen Normen ist bei uns nicht anzukommen. Eigentlich nur durch solchen Druck hatte/habe ich meine Wutanfälle. Daher sind die wichtigsten Eigenschaften einer Assistenz GEDULD und OFFENHEIT!


    Strukturen sind wichtig, keine starren, eher so eine Art Rituale. Das hilft uns sehr wieder in unser Zentrum zu gelangen! Und Meditation!!!! Mit Meditationen habe ich wunderbare Erfahrungen gemacht; sie haben mir in meinen dunkelsten Stunden das Leben gerettet!!!! Durch Vorstellungskraft konnte ich mich von der schmerzenden Situation/Gedanken lösen und mich entspannen. Dies könnte man z.B. in den Unterricht oder in das tägliche Leben mit der Familie integrieren.


    Wollt Ihr noch mehr wissen ;-)?



    Gruss

  • Liebe Freunde von http://www.autismusforumschweiz.ch


    Wir möchten die Gelegenheit nutzen und Ihnen allen ganz herzlich für die wertvollen und äusserst aufschlussreichen Beiträge danken. Es sind viele interessante Gedanken geäussert und wichtige Aspekte guter Assistenz beleuchtet worden.


    Wie oft gibt es wohl auch in dieser Frage kein "Richtig" oder "Falsch". Schliesslich sind ja die einzelnen Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Und auch die Assistenten oder Coaches haben ihre eigenen Erfahrungen und ihren individuellen Background. Was unsere Umfrage aber gezeigt hat, ist einerseits das Interesse, sich auszutauschen und von einander zu lernen. Andererseits glauben wir aber auch festzustellen, dass vieles aus der praktischen Arbeit gelernt worden ist und es kein eigentliches und abgestütztes "Konzept" gibt, wie gute Assistenz aussehen könnte.


    Wir möchten uns nun etwas Zeit nehmen, und die verschiedenen Texte genau studieren. Weiter wollen wir ein wenig Research betreiben, zwei unserer Mitglieder haben uns ja bereits verdankenswerterweise auf ein interessanten Buch aufmerksam gemacht.


    Mit diesem Text schliessen wir diese Umfrage ab und bedanken uns nochmals bei allen für's Mitmachen. Wir überlegen uns, wie wir das Thema weiter entwickeln wollen.


    Thomas Ulrich
    für das Autismus Forum Schweiz Team