Fragen zu: Sympathie - Antipathie und Vorurteile

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    Mehrfach habe ich mich theoretisch schon mit diesem Thema befasst und staune
    immer wieder, welche Auswirkungen es offenbar im Zusammenleben haben kann.


    Besonders überrascht es mich immer wieder, dass Sympathie und Antipathie
    offenbar auch Träger für Akzeptanz und Respekt sind, welche den Umgang
    mitbestimmen. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um den Menschen
    und man verliert sich in dubiosen Argumenten, die in Wirklichkeit keine sind.
    Ein kompliziertes Thema. Auch bekannt unter dem Begriff: Vorurteile, ausge-
    löst durch ureigene Gefühle, die offenbar auf den anderen übertragen werden.


    Meine Fragen:
    Wie erlebt Ihr Sympathie - Antipathie und Vorurteile?
    Wenn Euch jemand nicht mag, muss er es Euch zeigen?
    Präzisiert, wenn es gezeigt werden muss:
    Auf welche Weise muss es gezeigt werden?
    Und besonders wichtig: Wie reagiert Ihr darauf?
    In Bezug auf öffentliche und professionelle Kontakte.


    Gruss Nic


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  • Ich erzähle ein Beispiel aus meinem Leben, damit Ihr wisst, was ich frage.


    Wir befanden uns auf einer Tauchbasis und sassen am Abend zusammen.
    Ich sprach wie gewöhnlich recht wenig und war vor allem auf das Zuhören
    konzentriert, da es erfahrene Taucher hatte, deren Geschichten mich interessierten.
    Einer davon redete auch immer wieder über mich in recht abwertender Weise, was
    ich nicht nachvollziehen konnte und daher auch nicht darauf reagierte. Da meinte
    ein anderer Taucher: "Hör auf, ich weiss, dass Du ihn nicht magst."


    Die Aussage hat mich fasziniert. Das also war "nicht mögen".


    Warum kann ich solche Sachen nicht erkennen und zuordnen? Wie muss ich
    reagieren? Welche Erfahrungen habt Ihr als Autisten oder Nicht-Autisten mit
    solchen Situationen? Ich habe überhaupt nicht reagiert, ich sass nur da und
    dachte über das Thema "nicht mögen" nach. Wie es sich zeigen kann und
    warum müssen es Menschen zeigen, da es nur Menschen schlecht macht?


    Gruss Nic


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  • Mir sind die meisten Menschen erst einmal sympathisch, oder anders ausgedrückt, ich mag sie.


    Mit der Zeit, wenn ich sie besser kenne, mehr weiss von ihnen, mag ich sie dann mehr oder weniger.



    Wenn man jemanden nicht mag, kann es auch sein, dass man schlicht neidisch ist auf ihn, z.B. weil


    er etwas besser kann als man selbst.

  • Antipathie und Sympathie ist ein schwieriges Thema, vielleicht besonders für Autisten. Im Internet habe ich folgendes gefunden:

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    Die Wurzeln des Persönlichkeits-Checks reichen weit in die menschliche Evolution zurück. Denn schon in der weitläufigen Savanne war die Freund-Feind-Erkennung ein wichtiger Faktor im Überlebenskampf und bei der Partnerwahl. Nach den archaischen Mustern urteilen wir auch heute noch: Menschen, die wir für schön halten, attestieren wir zum Beispiel ein nettes Wesen und automatisch vorteilhafte Erbanlagen.

    Quote


    Blitzschnell scannen. Alter, Geschlecht und Attraktivität sind die ersten Kriterien, aus denen ein Persönlichkeitsbild entsteht, wenn wir die gnadenlose Entscheidung über Sympathie und Antipathie fällen. Ob beim Vorstellungsgespräch, auf einer Party, beim Einkaufsbummel oder im Flugzeug: Wir taxieren die Umgebung permanent. „Wie das menschliche Gehirn jedoch Aussehen, Mimik, Gang, Geruch und Stimme sekundenschnell zu einem Gesamtbild verrechnet, wissen wir noch nicht genau“


    Quote

    „Der erste Eindruck ist ein Phänomen, dem sich niemand entziehen kann“, „Aber bewusst ist uns der Prozess meist nicht.“ Zwischen 150 Millisekunden (weniger als das Sechstel einer Sekunde) und 90 Sekunden dauert im Normalfall der Rundum-Check, dann steht das Urteil.

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    Das also war "nicht mögen".



    Ich finde dass der Begriff 'mögen' ein unklarer Begriff ist.


    Wichtig ist doch wie man mit den Leuten die man kennt, umgehen kann.


    Ob man mit ihnen gut zusammenarbeiten kann oder ob man sich ihnen verständlich machen kann,


    oder ob man gleiche Interessen hat und deshalb mit ihnen gut auskommt.




    @Nic, wonach beurteilst du denn die anderen Menschen?

  • Zitat von Mebia
    @Nic, wonach beurteilst du denn die anderen Menschen?


    Hierzu nehme ich die Aussagen, die mehrheitlich über mich gemacht werden
    von Menschen, die mich längere Zeit u. in verschiedenen Situationen kennen:


    Ich gehe auf alle Menschen gleich zu.
    Ich rede mit allen Menschen auf die gleiche Weise.


    Wenn dubiose Bewertungen fallen, bin ich meist überrascht und hilflos, kann es nicht
    zuordnen und bei Ansprache reagieren diese Menschen meist mit einer schamlosen
    Verlogenheit, der ich fassungslos gegenüber stehe.


    Stressen oder nerven mich die Menschen, indem sie mich z.B. mit Holocaust-Bildern
    bedrängen, obwohl ich sie bitte, damit aufzuhören, dann sage ich das direkt u. offen.
    Wie der Andere darauf reagiert, kann ich nicht beeinflussen.


    Gruss Nic


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    ... warum müssen es Menschen zeigen, da es nur Menschen schlecht macht?


    Dem Menschen warst du vielleicht so unangenehm, dass er es nicht mehr ausgehalten hat und er dich kritisieren musste, um sich zu wehren. Eine etwas reifere Person hätte sich zurückgehalten und abgewartet.


    Ich finde es gut von dem Leiter, dass er dem anderen durch seine Aussage, ich weiss, dass du ihn nicht magst, mal sagte was eigentlich los ist. Der andere hat vermutlich von da an geschwiegen.


    Es gab in meinem Leben ein paar wenige Leute, die ich auch echt nicht mochte, ich ertrug ihre Anwesenheit nicht. Der Umgang wurde dann auch schwierig. So weit wie möglich solchen Menschen aus dem Weg gehen, evt. auch mal ansprechen deswegen, aber ob es hilft? ich weiss es nicht.

  • Hallo Nic


    Find ich ein gutes Thema, aber auch etwas schwierig.
    Mir hat man immer gesagt ich dürfe erst jemand beurteilen wenn ich eine Meile in seine Schuhe gelaufen sei.
    Das ist ein guter Spruch der mir bis heute geblieben ist, ich geb mir auch mühe das so zu machen.
    Am anfang hatte ich mühe in zu verstehen, aber er ist sehr wahr.
    Denn man kann erst dan beurteilen wie jemand ist, wenn man diese Person gut kennt.
    Erst dann weiss man was ihn so geprägt hat und weshalb er so ist wie er ist.


    Es gibt Personen die mir einfach unsymphatisch sind, ich mag ihre Art einfach nicht.
    Weshalb weiss ich nicht. Ein gutes Beispiel ist mir letztens in der Schule passiert.
    Es gibt da ein Mädchen das immer gute Noten macht und wenn sie eine 5 hat geht sie mit dem Lehrer darüber diskutieren.
    Das störte mich irgendwie, wieso konnte sie nicht einfach zufrieden sein?
    Auch ihre etwas arrogante Art mochte ich nicht. Ich hab ihr nie gesagt ich mag dich nicht, auch bei Gruppenarbeiten hab ich mich auf sie eingelassen.
    Ja, ich mochte sie nicht, aber dafür kann sie schliesslich nichts. Deswegen hab ich sie trotzdem respektiert
    Letztens fragte sie mich ob sie mit mir in die Mittagspause gehen dürfe (ihre Freundin war krank) ich sagte natürlich ja.
    Wer will schon die Mittagspause alleine verbringen.
    Gut beim Mittag redeten wir viel und sie erzählte mir über das schlechte verhältniss zu Ihren Eltern.
    Ihre Eltern streiten oft zuhause und sie zog sich dann immer in ihr Zimmer um zu lernen. So musste sie die streitigkeiten nicht zuhören und hatte eine ausrede.
    Sie erzählte mir auch das sie nach der Lehre sofort ausziehen wollte. Mir wurde also plötzlich klar weshalb es ihr so wichtig war gute Noten zu haben und weshalb die soviel lernte.
    Meine vorurteile ihr gegenüber waren verflogen.


    Grüsse Karen

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    Einer davon redete auch immer wieder über mich in recht abwertender Weise, was ich nicht nachvollziehen konnte und daher auch nicht darauf reagierte.


    Könnte es nicht auch sein, dass er mit dir in Kontakt treten wollte, es aber nur auf so eine negative Art, zeigen konnte? Eine möglichkeit wäre auch gewesen, ihn anzusprechen und direkt zu fragen, was er für ein Problem hat, ich vermute aber, dass dir das aus irgendeinem Grund nicht möglich ist.


    Ich habe einmal erlebt, dass neben mir eine Frau anfing zu weinen, worauf ich sie fragte warum. Sie sagte dann, es sei wegen mir ich hätte wohl was gegen sie (anscheinend hatte ich irgendwas negatives gesagt) Ich gab zur Antwort, dass ich mit allen Leuten Probleme hätte, dass ich nichts gegen sie hätte, was auch stimmte. Von da an kamen wir wieder gut aus.

  • Hallo Mebia


    Deine Interpretationen überfordern mich.
    Daher kann ich dazu nichts schreiben.


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    Hallo Karen


    Wenn ein Dir sympathisches Mädchen zu dem Lehrer geht
    wegen einer Note 5, stört Dich die Handlung dann auch so?


    Ich versuche herauszufinden, ob die Menschen Handlungen von anderen
    Menschen aufgrund ihrer eigenen Sympathie resp. Antipathie beurteilen.


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    Gruss Nic


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  • Welches war eigentlich deine wirklich zu beantwortende Frage? Du hast mehrere gestellt. Ich habe aufgeschrieben, was mir zum Thema in den Sinn kam.


    Was meinst du mit Sympathie eigentlich? Kannst du in irgendeinerweise mit diesem Wort etwas anfangen?


    Bitte mindestens die zweite frage mit ja oder nein beantworten.

  • Hallo Nic


    Ja, auch bei jemanden der mir symphatisch ist würde mir diese Handlung stören.
    Kommt klar auch auf die Situation drauf an, wenn falsch nachgezählt worden ist, find ich es berechtigt den Lehrer darauf aufmerksam zu machen.
    Ansonsten find ich muss man nich diskutieren vor allem nicht bei einer 5.


    Gruss Karen

  • Hallo Karen


    Also war Dir das Mädchen aufgrund der Handlung unsympathisch. Nachdem Du
    aber die Hintergründe der Handlung erkannt hast, konntest Du das Gefühl der
    Antipathie / Vorurteile relativieren, ohne dass sich das Mädchen ändern musste.


    Ein gutes Beispiel, danke.


    Gruss Nic


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    Ich bin dankbar, wenn noch weitere Mitglieder Beispiele erzählen,
    damit ich das Phänomen besser erfassen und verstehen kann.


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  • Zitat von Mebia
    Was meinst du mit Sympathie eigentlich?


    Hallo Mebia


    Nachdem ich mich theoretisch mit den Begriffen Sympathie - Antipathie auseinander
    gesetzt habe, die Beiträge hier gelesen habe und versucht habe, Beispiele aus dem
    Leben aufgrund von solchen Ideen u. Geschichten zusammen zu tragen, bin ich zu
    folgendem Schluss gekommen:


    Sympathie - Antipathie sind offensichtlich evolutionär
    bedingte Gefühle, die dem Menschen angeboren sind.


    Wie man mit Sympathie - Antipathie in der heute zivilisierten Gesellschaft
    umgeht, ist hingegen eine Frage der Erziehung u./od. Reife des Menschen.


    Sowohl Sympathie wie auch Antipathie können zu Fehlurteilen führen, die man
    aber bei Erkennung der eigenen Gefühle und Interesse gegenüber dem Anderen
    relativieren kann, ohne dass der Andere sich ändern muss, sich selber also treu
    bleiben darf u. dennoch die Chance bekommt, als Mensch verstanden zu werden.


    Gruss Nic


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