Am nächsten Standortgespräch für unseren Sohn (atyp. Autismus, integriert in Regelklasse) stehen einige wichtige Entscheide an. Insbesondere müssen wir diskutieren, in welchen Fächern er allenfalls individuelle Lernziele erhält.
Die Lehrpersonen befürworten gleich in mehreren Fächern eine Lernzielanpassung, um ihm „schlechte Noten zu ersparen“. Wir Eltern möchten lieber, dass er – zumindest in einigen der betroffenen Fächer – nach den Klassenlernzielen bewertet wird, auch wenn dies (trotz Nachteilsausgleich) ev. schlechte Noten bedeutet. Wir befürchten, dass er ansonsten eines Tages die Schule mit einem Zeugnis ohne Noten verlässt. Zudem kann eine Lernzielanpassung auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen; diese jedoch rückgängig zu machen, ist wahrscheinlich nicht ganz problemlos.
Das Volksschulamt des Kt. Zürich schreibt dazu in der Publikation "Angebote für Schülerinnen und Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen":
„Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen, denen es eindeutig nicht möglich ist, die Lernziele einer Klasse in einem oder mehreren Fächern zu erreichen (z.B. bei schweren Lernbehinderungen), können individuelle Lernziele vereinbart und ein Verzicht auf Benotung beschlossen werden. Diese Massnahme ist nur mit Zurückhaltung und unter Berücksichtigung der möglicherweise schwerwiegenden Konsequenzen für die weitere Schullaufbahn und die spätere Berufskarriere der Schülerin oder des Schülers in Betracht zu ziehen.“
Wir finden es schwierig zu entscheiden, welchen Weg – also individuelle Lernziele oder lieber Klassenlernziele, dafür Nachteilsausgleich und ev. trotzdem ungenügende Noten – wir einschlagen sollen.
Wie sind eure Erfahrungen und Empfehlungen?
Eine zweite „Zeugnisfrage“ habe ich betreffend die überfachlichen Kompetenzen (Arbeits-, Lern- und Sozialkompetenzen). Im Kanton Zürich werden diese auf einem separaten Zeugnisblatt per Kreuzchen beurteilt. Das Volksschulamt schreibt in einer Publikation: „Individuelle Zielsetzungen können in bestimmten Fällen auch im Bereich der überfachlichen Kompetenzen Sinn machen, wenn sich die besonderen pädagogischen Bedürfnisse vor allem in diesen Bereichen äussern.“ Gleichzeitig schreibt es in einer anderen (oben erwähnten) Publikation: “Die Beurteilung der überfachlichen Kompetenzen (Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten) erfolgt nicht aufgrund individueller Lernziele.“
Für mich klingt das widersprüchlich. Weiss jemand Genaueres dazu?
Unser Sohn hat bisher für die Arbeits-, Lern- und Sozialkompetenzen nie Kreuzchen, sondern immer einen Lernbericht erhalten – obschon er in einigen Bereichen durchaus sehr gut abschneiden würde.
Wie wird dies bei euren Kindern gehandhabt?
Ihr seht: Ich habe viele Fragen! Und hoffe jetzt natürlich auf ganz viele Antworten.
Danke im Voraus und liebe Grüsse
Kiaora