• Seit einigen Monaten sind mein Sohn und ich Mitglieder eines Gospel-Chors, der sich jeden Donnerstagabend zur Probe trifft. Was als relativ unverbindlicher Versuch, einmal gemeinsam etwas zu unternehmen, gestartet hat, ist nun fester Bestandteil unserer Woche.

    Und so gehen wir beide wenn immer möglich am Donnerstagabend in unser Kirchengemeindehaus, bewaffnet mit zwei Bundesordnern voller Noten von Liedern, wovon wir die meisten ja noch gar nicht kennen. Wir setzen uns dazu, zu den Bässen, denn wir sind beide eher in der Brummli-Fraktion. Wir üben und wir scherzen, wir singen, manchmal die Töne richtig treffend, viel jedoch wohl leicht daneben hauend. Oft ist es so, dass mein Sohn weniger singt und viel mehr sich einfach treiben lässt. Treiben lässt in Wogen wunderschöner Klänge, einem Meer von Emotionen und Eindrücken, nicht nur die Musik und den Gesang betreffend. Eindrücke, die er wohl viele noch gar nicht richtig deuten kann.

    Das macht aber nichts. Es macht nichts, wenn er nicht immer mitsingt und mitsingen kann. Es macht auch nichts, wenn er von Zeit zu Zeit einmal seinen eigenen Emotional-Testballon steigen lässt. Wenn er einmal einer jungen Frau zuwinkt und sich über ihre Reaktion freut. Wenn er es einmal wagt zu versuchen, wie es wohl zurückkommt, wenn er die Studentin, die er schon etwas besser kennt, ‚Blondie’ nennt. Und wenn er ganz besonders Spass hat am Einsingen (wir anderen wollen da lieber gleich zur Sache kommen...).

    Er darf beim Begrüssen begrüssen oder nicht. Er wird nicht als schlecht erzogen abgestempelt, wenn er nach der Probe, die manchmal sehr anstrengend ist, einfach nach Hause will und sich auch nicht mehr von allen verabschieden mag. Wenn er auf ein freundliches Schulterklopfen erschrocken reagiert, weil er dies nicht einordnen kann, dann nimmt man das unaufgeregt zur Kenntnis. Und wenn er sich einmal bei der Wortwahl, sagen wir verhaut, dann scheint dies gar niemand zu hören.

    Mein Sohn ist ein vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied dieses Gospelchors. Er nimmt an den Proben teil und auch an den Konzerten. Er nimmt teil im Rahmen seiner Möglichkeiten – und er liebt es!


    Und so freuen wir uns beide jeden Donnerstag auf die Probe in der mim chor&band. Auf Gesang und Musik, auf Emotionen und menschliche Interaktionen, die es zu entdecken und zu erleben gibt. Auf das Einsingen und das richtige Singen, auf das Schwatzen dazwischen und die tollen Experimente, die uns noch bevorstehen.......


    Eine Probe bei der mim chor&band ist gelebte Inklusion und einfach pure Therapie!