Posts by Kiaora

    Liebe Blackrose89


    Wechsel und Veränderungen sind für viele Menschen mit Autismus schwierig, da sie mit Unsicherheit verbunden sind. Für unseren Sohn entwerfen wir für neue Situationen (Ferien, Ausflüge, Schulstart nach den Ferien, Besuche, Schulexkursionen etc.) oft visuelle Hilfen: ein Tagesprogramm mit den ungefähren Zeiten und dem geplanten Ablauf. Inzwischen macht er sich oft auch eigene Pläne, insbesondere für den Schulstart nach den Ferien, der ihm jeweils schwerfällt. Das entlastet ihn und damit die ganze Familie enorm.


    Ich könnte mir vorstellen, dass ein solcher Plan auch deinem Sohn Sicherheit vermitteln würde. Er wüsste dann schon im Voraus, wo und wann die Übergabe stattfinden und insbesondere auch welche Aktivitäten - von Einkaufen bis Ausflüge - ihn am Papi-Wochenende erwarten, wie lange sie etwa dauern etc. Du könntest den Plan dann jeweils in aller Ruhe im Voraus mit ihm besprechen. Das wäre auch gleich eine gute Gelegenheit, dass er dir sagen kann, wenn ihm eine Aktivität Sorgen macht.


    Das Erstellen der Pläne ist halt mit etwas Aufwand verbunden, der sich gemäss unserer Erfahrung aber mehr als lohnt.


    Ich wünsche euch viel Erfolg und zukünftig für alle erholsame Wochenenden!

    Kiaora

    Hallo hibiscus21


    Klick dich mal durch www.rafisa.ch. Dort sind Ausbildungen zum Informatiker EFZ (4 Jahre) und ICT Fachmann/Fachfrau EFZ (3 Jahre) möglich, speziell für Jugendliche mit Autismus.


    Auf welcher Stufe sucht ihr denn eine Ausbildung? EFZ oder eher EBA?
    Leider sind die meisten EBA-Ausbildungen stark auf den handwerklichen Bereich ausgerichtet. Wir kennen das Problem auch...


    Viel Glück und halte uns auf dem Laufenden!
    Kiaora

    Hallo Sunflower
    Zusätzlich noch ein Tipp zum Haarewaschen: Vielleicht hilft eine Taucherbrille? Bei unserem Sohn hat dies damals geholfen, er war allerdings schon ein bisschen älter als deine Tochter.
    Viel Erfolg beim Ausprobieren
    Kiaora

    Hallo Sapa
    Über die KUK (https://www.kuk2000.ch) in Schwerzenbach habe ich schon viel Positives gehört, insbesondere für Kinder mit Autismus. Selber kenne ich die Schule jedoch nicht.
    Es lohnt sich sicher, verschiedene Schulen anzuschauen, damit ihr eine Vergleichsmöglichkeit habt.
    Viel Glück!
    Kiaora

    Unser Sohn (15 J.) trifft sich gerne mit Freunden. Wenn er abmachen will, ruft er seine ehemaligen Klassenkameraden bei uns im Dorf an, bis er jemanden findet, der Zeit und Lust hat. Am liebsten geht er mit ihnen Velo fahren, zum Beispiel im Wald auf dem Vita Parcours, weil es ihm Spass macht, über Wurzeln und im Dreck zu fahren (mit uns Eltern auf den regulären Velowegen ist es bedeutend langweiliger…).


    In den Weihnachtsferien hat er mit einem ehemaligen Schulfreund bei uns zu Hause abgemacht, wusste aber nicht so genau, was sie spielen sollten. Der Freund hatte jedoch vorgesorgt: Nach einer Runde Velofahren holte er das Spiel „Was bin ich?“ hervor und spielte es geduldig mit unserem Sohn — und wies ihn auch mal freundschaftlich zurecht, wenn er sich nicht an die Regeln hielt.


    Ich hatte mich derweil in den oberen Stock zurückgezogen, hörte die beiden lachen und sich necken. Nach einem Zvieri führte der Freund dann sein Weihnachtsgeschenk vor: eine Drohne. Unser Sohn war begeistert und durfte sie sogar mal selber steuern. (Der Wunsch für das nächste Geburtstagsgeschenk war geboren…)


    Was braucht es, damit ein solch positives Zusammensein möglich ist?

    Von unserem Sohn ist Mut und Selbstvertrauen gefordert - er muss den Mut haben, seine Freunde zu kontaktieren, auch Absagen hinzunehmen und ein anderes Mal wieder anzurufen oder ein SMS zu schreiben. Es braucht zudem Flexibilität — eine grosse Herausforderung für ihn —, um auf Spielideen des Gegenübers einzugehen und von den eigenen Plänen abzuweichen.


    Vom Freund ist Offenheit, Geduld und Humor gefragt, und auch das Wissen, dass er nicht bei allen von unserem Sohn geplanten Aktivitäten mitmachen muss, wenn er nicht möchte — ein „Nein“ soll auch möglich sein.


    Allgemein hilft es uns sehr, wenn wir offen über die Bedürfnisse unseres Sohnes informieren. Damit nehmen wir uns einerseits selbst den Druck weg, dass unser Sohn möglichst „normal“ und „unauffällig“ rüberkommen soll. Das ist entlastend für die ganze Familie.


    Anderseits können wir unser Umfeld informieren, was unserem Sohn am besten hilft, welche Situationen schwierig sind für ihn etc. Bei Einladungen beispielsweise wissen wir gerne im Voraus, was es zu essen gibt, wer sonst noch eingeladen ist, wie lange der Apéro dauert und wann der Hauptgang beginnt etc. Oder wir können darauf hinweisen, dass unser Sohn gerne einen Stuhl für sich „reserviert“, auf den sich niemand sonst setzen darf — denn es gibt ihm Sicherheit, einen festen Platz für sich zu haben. So können wir ein Stück weit dafür sorgen, dass die Sozialkontakte für unseren Sohn positiv verlaufen und er sich auf weitere Besuche, Einladungen etc. freut.


    Wir treffen in unserem Bekannten- und Freundschaftskreis auf viel Goodwill, Verständnis und Rücksichtnahme — gerade weil wir (so glaube ich jedenfalls) durch die offene Information den anderen die Möglichkeit geben, auf unseren Sohn einzugehen. Es gibt aber natürlich immer wieder schwierige Situationen, sei es aufgrund kurzfristiger Planänderungen, unerwarteter Situationen, zu viel Trubel oder weil wir Eltern uns nicht getraut haben, die Bedürfnisse unseres Sohnes genügend klar anzumelden. Aber wir bleiben dran… denn auch als Familie möchten wir unser Sozialleben weiter pflegen!

    Hallo Nici75


    Unser Sohn mit atypischem Autismus geht zurzeit in die 2. Sek an einer Schule, die Kinder aus dem autistischen Spektrum sowie mit einer körperlichen Behinderung unterrichtet. Die Kindergarten- und Primarschulzeit hat er an der Regelschule (ISR und ISS) bei uns im Dorf absolviert.


    Aufgrund unserer Erfahrungen würde ich euch den Sprachheilkindergarten empfehlen, da dort der normale Lehrplan gilt. Ein Wechsel an eine HPS ist - sollte dies später nötig sein - immer noch möglich. Umgekehrt geht das kaum.


    Hätte unser Sohn seine gesamte Schulzeit an einer HPS verbracht, hätte er schulisch nie das Niveau erreichen können, das er sich an der Regelschule erarbeitet hat.


    Du erwähnst auch, dass dein Sohn viel durch Nachahmen lernt. Ich vermute, dass er im Sprachheilkindergarten mehr positive Rollenbilder erleben kann. Die Durchmischung an einer HPS ist gross und leider ist es so, dass die Kinder jeweils schnell unerwünschte Verhaltensweisen "aufschnappen".


    Ich wünsche euch so oder so alles Gute bei der Einschulung im Sommer!
    Kiaora

    Noch ein Praxistipp: Das grelle Licht beim Zahnarzt blendet. Unser Sohn zieht deswegen eine Sonnenbrille an oder - noch lieber - eine Schlafmaske. Damit sieht er dann zwar nicht, was läuft, aber das scheint ihm auch gerade recht zu sein...


    Viel Erfolg!
    Kiaora

    Liebe Janina


    Seit deinem Beitrag ist es schon eine Weile her. Wie hat sich die Situation für euch entwickelt?


    Ich möchte gerne auf einen Aspekt deines Beitrags eingehen: die 1:1-Unterhaltung/Betreuung, die dein Sohn von dir erwartet. Auch bei uns ist es so, dass unser Sohn (11 J.) uns sehr intensiv beansprucht - mit Fragen stellen, Diskutieren, gemeinsamem Lesen, Spielen etc. (zusätzlich zu den Hausaufgaben, auf die er allerdings lieber verzichten würde). Sein jüngerer Bruder beschäftigt sich oft alleine oder macht mit Freunden ab.


    Genau wie du gehe ich auch gerne auf die Spezialinteressen meines Sohnes ein - bis zu einem gewissen Grad. Denn manchmal muss man einfach auch noch andere Dinge erledigen. Wir haben deshalb vor einiger Zeit einen Plan mit Freizeitideen erstellt: von Rollerbladen über Zeichnen bis hin zu ein E-Mail schreiben oder die Grossmutter anrufen haben wir verschiedene Beschäftigungen aufgelistet, die er ALLEINE machen kann. Er bekommt dafür jeweils einen Punkt pro Beschäftigung. Bei fünf Punkten gibt es eine Belohnung (in unserem Fall Gamen am iPad).


    Nach einer Gewöhnungsphase funktioniert dieser "Freizeitplan" für uns sehr gut und lässt sich beliebig anpassen. Wie gesagt, das Ziel ist, dass sich unser Sohn eine gewisse Zeit lang alleine beschäftigt. Wir haben aber auch schon Aktivitäten aufgelistet, bei denen er zusammen mit seinem Bruder etwas machen konnte (Memory, Ball spielen etc.). Teilweise fehlt es unserem Sohn auch einfach an Ideen, was er machen könnte - ein Blick auf die Liste löst dieses Problem.


    Vielleicht habt ihr Lust, auch mal etwas Ähnliches auszuprobieren?


    Ich wünsche euch schöne und möglichst stressfreie Weihnachtstage!
    Kiaora

    An meinem 33. Geburtstag erhielten wir die Autismusdiagnose unseres damals vierjährigen Sohnes. Mit einem Schlag wurde unsere Welt auf den Kopf gestellt. Plötzlich war unser Sohn nicht mehr einfach stur, impulsiv, etwas spät in der Entwicklung: Er war jetzt autistisch. Punkt.


    Die Diagnose war keine Erleichterung, sondern ein Schock. Wohl weil wir die Diagnose relativ früh erhielten und für seine Besonderheiten stets eine Erklärung gefunden hatten. Den sprachlichen Entwicklungsrückstand schoben wir auf die Zweisprachigkeit in unserer Familie, das störrische Verhalten auf das Trotzalter und die Geburt des jüngeren Bruders. Steckte er dem weinenden Brüderchen den Nuggi in den Mund, lobten wir ihn für seine Fürsorglichkeit. Eigentlich wusste ich aber, ohne dass ich es offen eingestanden hätte, dass ihn der schreiende Bruder schlicht störte und er seine Ruhe haben wollte.


    In den ersten Wochen nach der Diagnose konnte ich meinen Sohn kaum anschauen, ohne zu denken: „Er ist autistisch!“ Die Trauer war unbeschreiblich. Ich weinte so sehr, dass ich mir eine Rippe brach. Bei jeder Bewegung erinnerte mich die schmerzende Rippe an mein schmerzendes Herz.


    Ausser unseren Eltern informierten wir zu diesem Zeitpunkt niemanden. Es tat zu sehr weh, wir wollten die Privatsphäre unseres Sohnes schützen – und wir wollten zuerst selbst mehr über Autismus erfahren, bevor wir Fragen von anderen beantworten mussten.


    Nach einigen Wochen hielt der Aktivismus Einzug. Internet sei Dank recherchierten wir, besuchten Vorträge, begannen Therapien, ein Elterntraining, bannten Milch und Gluten aus der Ernährung. Aus der heutigen Distanz betrachtet, wollten wir die Kontrolle über unser Leben wieder übernehmen.


    Und wir erzielten Fortschritte: Unser Sohn wurde viel fröhlicher, flexibler, offener. Was genau geholfen hatte, war schwer zu sagen. Das morgendliche Ankleiden – zuvor ein stundenlanger Kampf – ging plötzlich problemlos. Das Kind, das sich über Jahre geweigert hatte, einen Stift auch nur in die Hand zu nehmen, begann leidenschaftlich zu malen – ausschliesslich in seiner Lieblingsfarbe Rot, passend zum Lieblingsthema Feuerwehr. Der Verbrauch an roten Farbstiften stieg drastisch. Und die Freude von uns Eltern war unvorstellbar: Ein Globibuch wurde rot „ausgemalt“ - die wilden roten Kritzeleien schienen uns das Schönste, was wir je gesehen hatten!


    Heute ist unser Sohn elf Jahre alt. In unserem Leben hat sich eine neue Normalität ergeben. Wir informieren unser Umfeld offen über die Besonderheiten unseres Sohnes. Die meisten können gut umgehen damit. Wir haben neue Freundschaften geschlossen und auch einige Kontakte aufgegeben. Wir haben verschiedene Therapien abgebrochen und unser Autismusnetzwerk erweitert. Sämtliche Abweichungen von der Alltagsroutine sind nach wie vor eine Herausforderung, seien es Ausflüge, der Besuch beim Coiffeur oder das Anziehen eines neuen T-Shirts. Auch das Dauerthema Schule sorgt häufig für Spannungen. Und manchmal drohen die Sorgen um die Zukunft unseres Sohnes überhand zu nehmen.


    Aber wenn ich mein Kind heute ansehe, sehe ich in erster Linie einen wunderbaren, sensiblen, kreativen und humorvollen Jungen. Er hat viele Talente. Er zeichnet leidenschaftlich gerne. Er erfindet Geschichten. Er schreibt Tagebuch und telefoniert gerne. Er interessiert sich für Gefühle – seine und unsere - und sagt von sich selbst, er lerne gerne neue Wörter kennen. Und: Er bringt alle, die ihn kennen, zum Strahlen.

    Der Wettbewerbsbeitrag stammt von unserem jüngeren Sohn:


    "Ich heisse R. und bin bald 9 Jahre alt. Mein grosser Bruder ist autistisch. Das finde ich gut, weil er immer Sachen macht, die ich auch gern mache. Zum Beispiel spielt er gerne Spiele auf Mamis Handy. Dann kann ich ihm dabei zuschauen und ihm Tipps geben.


    Wir machen zusammen viele Lego-Filme. Mit den Legos bauen wir zuerst eine Landschaft und stellen Figuren rein. Dann fotografieren wir sie. Jedes Mal verschieben wir die Figuren ein bisschen und machen ein Foto. Das machen wir viele Male, und am Schluss gibt es einen Film daraus.


    Manchmal nervt mich mein Bruder auch. Wenn ich mich zum Beispiel verletze, erzählt er es allen. Das habe ich nicht gern. Es stört mich auch, dass mein Bruder immer Roary schauen will und ich nicht. Roary ist ein kleiner, roter Rennwagen. Den findet er cool.


    Gestern waren wir am See. Mein Bruder und ich gingen zusammen auf Schatzsuche. Wir ruderten zu einem kleinen Strand und sammelten Muscheln. Auf dem Rückweg fanden wir eine tote Krabbe. Und am Ufer lag ein toter Schwan. Den nahmen wir nicht mit.


    Es war ein richtig schöner Tag!"

    Am nächsten Standortgespräch für unseren Sohn (atyp. Autismus, integriert in Regelklasse) stehen einige wichtige Entscheide an. Insbesondere müssen wir diskutieren, in welchen Fächern er allenfalls individuelle Lernziele erhält.


    Die Lehrpersonen befürworten gleich in mehreren Fächern eine Lernzielanpassung, um ihm „schlechte Noten zu ersparen“. Wir Eltern möchten lieber, dass er – zumindest in einigen der betroffenen Fächer – nach den Klassenlernzielen bewertet wird, auch wenn dies (trotz Nachteilsausgleich) ev. schlechte Noten bedeutet. Wir befürchten, dass er ansonsten eines Tages die Schule mit einem Zeugnis ohne Noten verlässt. Zudem kann eine Lernzielanpassung auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen; diese jedoch rückgängig zu machen, ist wahrscheinlich nicht ganz problemlos.


    Das Volksschulamt des Kt. Zürich schreibt dazu in der Publikation "Angebote für Schülerinnen und Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen":
    „Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen, denen es eindeutig nicht möglich ist, die Lernziele einer Klasse in einem oder mehreren Fächern zu erreichen (z.B. bei schweren Lernbehinderungen), können individuelle Lernziele vereinbart und ein Verzicht auf Benotung beschlossen werden. Diese Massnahme ist nur mit Zurückhaltung und unter Berücksichtigung der möglicherweise schwerwiegenden Konsequenzen für die weitere Schullaufbahn und die spätere Berufskarriere der Schülerin oder des Schülers in Betracht zu ziehen.“


    Wir finden es schwierig zu entscheiden, welchen Weg – also individuelle Lernziele oder lieber Klassenlernziele, dafür Nachteilsausgleich und ev. trotzdem ungenügende Noten – wir einschlagen sollen.


    Wie sind eure Erfahrungen und Empfehlungen?


    Eine zweite „Zeugnisfrage“ habe ich betreffend die überfachlichen Kompetenzen (Arbeits-, Lern- und Sozialkompetenzen). Im Kanton Zürich werden diese auf einem separaten Zeugnisblatt per Kreuzchen beurteilt. Das Volksschulamt schreibt in einer Publikation: „Individuelle Zielsetzungen können in bestimmten Fällen auch im Bereich der überfachlichen Kompetenzen Sinn machen, wenn sich die besonderen pädagogischen Bedürfnisse vor allem in diesen Bereichen äussern.“ Gleichzeitig schreibt es in einer anderen (oben erwähnten) Publikation: “Die Beurteilung der überfachlichen Kompetenzen (Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten) erfolgt nicht aufgrund individueller Lernziele.“


    Für mich klingt das widersprüchlich. Weiss jemand Genaueres dazu?


    Unser Sohn hat bisher für die Arbeits-, Lern- und Sozialkompetenzen nie Kreuzchen, sondern immer einen Lernbericht erhalten – obschon er in einigen Bereichen durchaus sehr gut abschneiden würde.


    Wie wird dies bei euren Kindern gehandhabt?


    Ihr seht: Ich habe viele Fragen! Und hoffe jetzt natürlich auf ganz viele Antworten.


    Danke im Voraus und liebe Grüsse
    Kiaora

    Hallo Benji


    Ein interessantes Thema, das du angeschnitten hast. Es herrscht oftmals die Meinung, alle Autisten seien Mathe-Genies. Bei unserem Sohn (atyp. Autismus, 4. Klasse) ist dies eindeutig nicht der Fall; seine Stärken liegen im sprachlichen Bereich. Die Vorstellung von verschiedenen Mengen ist für ihn schwierig. Wenn noch Masseinheiten (Liter, Kilometer etc.) dazukommen, wirds noch komplizierter...


    Zu deiner Frage betr. Multiplikation: Der Lehrmittelverlag des Kt. Zürich hat ebenfalls eine gute, übersichtliche Software (ohne viel Ablenkung und wilde Grafiken):
    http://www.lehrmittelverlag-zu…nguage/de-CH/Default.aspx
    Am linken Rank der Website kannst du unter Mathematik 1, 2 oder 3 die Klasse bzw. Schwierigkeitsgrad wählen.


    Unser Sohn kann die Multiplikationen oft immer noch nicht "auf Knopfdruck" abrufen, aber er kennt den Lösungsweg und kann das Resultat berechnen. Wichtig finde ich, dass das Prinzip der Multiplikation verstanden wird. Dazu wurde bei ihm in der Schule der Abaco (Schubi-Verlag) eingesetzt:
    http://www.schubi.ch/?artId=L22448


    Ich wünsche euch viele Erfolgserlebnisse beim Mathe-Trainieren!


    Kiaora

    Liebe Melanie


    Du hast von meinen Vorschreiberinnen schon viele wertvolle Hinweise erhalten, denen ich mich anschliessen kann.
    Zusätzlich kann ich dir eine Ergotherapie-Praxis in Neuhausen empfehlen: http://www.ergoplus-praxis.ch (mein Sohn geht hier zur Ergotherapie). Die Therapeutinnen haben Erfahrung mit Kindern aus dem Autismusspektrum und können dir auch einen geeigneten Kinderarzt in deiner Nähe nennen.


    Sehr geholfen hat mir in der Phase nach der Diagnose die Früherziehung: Von der Früherzieherin habe ich viele hilfreiche Tipps und Spielideen bekommen, die ich dann auch selbst mit meinem Sohn anwenden konnte. Für Schaffhausen habe ich folgende Adresse gefunden:: http://www.hlf-fruehbereich.ch (ich kenne sie selbst nicht).


    Die Diagnose ist selbstverständlich ein grosser Schock. Ganz wichtig ist es nun, dass du und dein Mann gemeinsam einen Weg findet und zusammenhaltet. Nimm ihn mit zu den Abklärungen. Geht manchmal zusammen zu den Therapien etc. So hört er direkt von den Therapeutinnen, woran ihr arbeiten könnt, wo eure Tochter Fortschritte macht etc. Du bist nicht alleine - aber du musst dir die richtige Hilfe für euch selbst holen. Baue dir ein gutes Netzwerk auf (Fachleute und Familienmitglieder) - du hast die Diagnose erhalten, nun kannst du konkrete Schritte unternehmen.


    Alles Gute auf eurem Weg!
    Kiaora

    Autismus ist...


    ... für uns als Familie mit einem autistischen Kind eine ständige Berg- und Talfahrt.


    Wunderbare Höhenflüge erleben wir, wenn unser Sohn sich getraut, Neues auszuprobieren – sei es Selleriesalat essen, einen Schulkameraden anrufen oder spontan einen neuen Spazierweg gehen.


    Tiefpunkte erreichen wir, wenn andere mit Unverständnis oder Ungeduld auf uns und unseren Sohn reagieren. Wenn wir sehen, wie anstrengend das Leben für ihn ist, wie viele innere und äussere Hürden er überwinden muss. Wenn er sich dann überfordert fühlt und traurig ist.


    Wir sind stets am Kämpfen für die Rechte unseres Sohnes – in der Schule und in der Gesellschaft. Der Gedanke an seine Zukunft erfüllt uns mit grosser Sorge.


    Zum Welt-Autismus-Tag wünschen wir uns, dass autistische Menschen sich ihren Platz im Leben nicht mehr erkämpfen müssen, sondern ihnen dieser zugestanden wird.

    In der Klasse meines Sohnes wird mit dem Lehrmittel "Fit und stark fürs Leben 3/4" gearbeitet. Es handelt sich um Unterrichtsmaterialien, die eigentlich zur Suchtprävention erarbeitet wurden. Dazu soll die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden, und zwar durch die Arbeit an sozialen Kompetenzen, dem Selbstwertgefühl und der Selbstwahrnehmung, Körperbewusstsein, Umgang mit Stress und negativen Emotionen, Kommunikation und Problemlösefähigkeiten sowie durch kritisches Denken.


    Ich bin begeistert von den Arbeitsblättern, die mein Sohn bisher nach Hause gebracht hat. Die Arbeitsblätter sind klar strukturiert, illustriert und die Wortwahl ist einfach.
    Die Lektionen werden vom Maskottchen Igel Igor begleitet.


    Aus Copyrightgründen möchte ich hier keine Kopie der Arbeitsblätter anhängen, deshalb beschreibe ich kurz eine Lektion mit dem Titel "Wie höre ich aufmerksam zu":
    1. Ich schaue meinen Partner beim Zuhören an. (dazu Illustration mit Igel Igor, der einer Igeldame in die Augen schaut)
    2. Ich frage nach, wenn ich etwas nicht verstehe (+ Illustration)
    3. Ich lasse meinen Partner ausreden. (+ Illustration)
    Die Schüler bekamen dazu ein Arbeitsblatt. Sie mussten eine dieser "Zuhörregeln" auswählen und eine Woche lang jeden Tag einen Igel anmalen, wenn sie die Regel angwendet hatten.
    Mein Sohn wählte für sich die 3. Regel (er neigt dazu, uns zu unterbrechen) und konnte stolz jeden Tag einen Igel anmalen - die Fortschritte in dieser Woche waren enorm.


    In einer früheren Lektion bekamen die Schüler den Auftrag, ein kleines Interview mit einem Klassenkameraden zu führen. Die Fragen lauteten ungefähr:
    - Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?
    - Was möchtest du gerne einmal mit mir spielen?
    etc.
    Auch diese Lektion war toll für meinen Sohn, da er mit einem Klassenkameraden kommunizieren musste und so herausfinden konnte, wo gemeinsame Interessen liegen könnten.


    Das Buch ist erhältlich im Klett-Verlag:
    http://www.klett.ch/Katalog/Pr…-12-196122-1/shopartikel/


    Viel Spass und Erfolg damit!
    Kiaora

    Hallo Dragonking


    Mein Sohn interessiert sich ebenfalls sehr für Gemeindewappen und zeichnet diese gerne. Vor allem die Kantone ZH, BE und TG sowie das Engadin haben es ihm angetan, da er diese Gegenden kennt. Wir haben uns vorgenommen, in alle Schweizer Kantone zu reisen und in jedem Kanton eine Kantonsflagge zu kaufen.


    Machst du mit einem anderen Kanton weiter, wenn du den Kanton Aargau fertig hast? Bindest du die Zeichnungen zu einem Heft zusammen oder hängst du sie auf?


    Gibt es noch andere Dinge, die du gerne zeichnest?


    Lieber Marco


    Zeichnest du auch gerne? Mein Sohn zeichnet neben Gemeindewappen sehr gerne alles rund um die Feuerwehr und Traktoren.


    Herzliche Grüsse
    Kiaora

    Hallo mantasto


    Deine Zeilen haben mich sehr berührt. Danke, dass du deinen Wunsch mit uns geteilt und uns einen Einblick in euer Leben gewährt hast.


    Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und v.a. viele schöne Momente beim Kochen, Schwimmen und überhaupt!


    Kiaora

    Liebe Mie


    Wie ist dies rechtlich im Kt. Aargau geregelt? Darf ein Kind überhaupt separiert werden? Im Kt. Zürich besteht ein Recht auf Integration. Natürlich will man dieses Recht nicht unbedingt mit allen gesetzlichen Mitteln durchsetzen müssen, wenn man merkt, dass ein Kind in einer Klasse/Schule nicht erwünscht ist. Aber eure Schule scheint es sich da doch etwas einfach zu machen.


    Sowieso empfehlenswert finde ich eine Privatrechtsschutzversicherung - für den Fall der Fälle. Solltet ihr einmal eine Rechtsberatung benötigen, ist dies nicht gerade billig.


    Ich wünsche euch viel Glück und Kraft bei allen anstehenden Entscheidungen. Und hoffe, dass ihr eine ganz tolle Schule findet, wo es deinem Sohn gut geht.
    Lieber Gruss
    Kiaora

    Liebe Brigitte
    Wir standen Anfang Schuljahr vor der gleichen Entscheidung: kirchlicher Unterricht - ja oder nein? Werden die Religionsstunden nicht besucht, darf sich ein Kind später nicht konfirmieren lassen. Wir haben uns entschieden, unseren Sohn (8, atyp. Autismus) von diesen zusätzlichen Stunden zu "befreien", da er in der Schule bereits mehr als genug Herausforderungen hat.
    Ein weiterer Grund: Unser Sohn reagiert sehr empfindlich auf Geräusche. Ein Kirchenbesuch zu Weihnachten vor einigen Jahren war für ihn richtig schlimm: das Glockengeläute, die Orgel, der Gesang. Und gelegentliche Kirchenbesuche im Hinblick auf eine Konfirmation würden sich wohl kaum verhindern lassen... ;-)
    Liebe Grüsse
    Kiaora

    Geschwister von autistischen Kindern sind mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, können aufgrund der Familiensituation aber auch besonders gute soziale Kompetenzen entwickeln. Für unseren Sohn würden wir uns einen regelmässigen Austausch (z.B. alle zwei Monate) mit anderen neurotypischen Geschwistern unter fachlicher Anleitung wünschen.


    Frage an die Fachpersonen im Forum: Besteht eine Geschwistersupport-Gruppe? Falls nein, ist eine solche geplant oder bei genügend Interesse realisierbar?


    Frage an die Eltern: Besteht von eurer Seite aus auch Interesse?


    Eine schöne Adventszeit wünscht
    Kiaora