Posts by Monica

    Ob Autist oder sogenannt Neurotypisch bei der Wahrnehmung von Glück sind wir uns glaube ich ziemlich ähnlich.
    Unser Jüngster ist glücklich darf er heute, nach seiner Operation, wieder nach Hause. Er sehnt sich wieder seinen Spezialinteressen nachzugehen. Die Beschäftigung mit ihnen macht ihn zufrieden, ausgeglichen und glücklich.
    Überaus glücklich fühlt er sich, wenn er seine Spezialinteressen mit jemanden teilen kann, also gemeinsames Gamen oder Spielen mit seinen Lieblingskarten findet er in Gemeinschaft noch schöner als alleine.
    Beide Söhne haben die Begabung, dass sie sich in Gedanken in eine Fantasiewelt zurückziehen können und sich viele Geschichten ausdenken. Bei diesen Träumereien fühlen sie sich sehr entspannt und zufrieden. Für sie sind diese Momente denke ich, ihre Definition von Glück. Der Ältere ist glücklich im Kreise seiner Parteifreunde, wenn sie politische Themen diskutieren können und er sich von ihnen mit seinem Autismus akzeptiert fühlt. Er von ihnen im Ausgang keine Ausgrenzung erfährt, sondern sich als Gleichberechtigt wahrgenommen fühlt. Beide Söhne sind glücklich, wenn sie sich mit einem Buch zurückziehen können.
    Wenn man als Autist über ein Spezialgebiet verfügt hat man gegenüber neurotypisch wahrnehmenden Menschen den Vorteil, dass jede Beschäftigung mit diesem Thema ein Hochgefühl auslöst und man sich damit sehr gut fühlt. Diese Spezialthemen sind ein reiches Geschenk. Sie machen zufrieden, sind motivierend und können sogar tröstend wirken, wenn man zuvor unter starkem Stress gestanden ist.
    Wir Eltern sind glücklich, wenn wir beobachten dürfen, dass es unseren Kindern gut geht. Wenn wir sehen, dass sie wieder eine Hürde hinter sich gelassen haben. Dass sie sich etwas erkämpft haben, wofür sie lange gearbeitet haben.
    Unsere Söhne sind schon älter, heute macht mich auch ein gemeinsamer, gemütlicher Abend oder Ausflug mit meinem Mann glücklich. Wenn ich Zeit finde ein gutes Buch zu lesen, ist dies für mich sehr entspannend und schön.
    Ich wünsche euch allen möglichst viele kleine und grosse "Glücksmomente".
    Liebe Grüsse, Monica und Familie

    Liebe Sonne


    Mein jüngerer Sohn nimmt Risperdal. Durch das Medikament fühlt er sich etwas abgeschirmt und geschützt. Ohne Risperdal prasseln alle Umwelteindrücke ungefiltert auf ihn ein. Dies ist ihm in Gesellschaft zu viel. Er will das Medikament für den Schulbesuch und für sämtliche soziale Kontakte. Das Risperdal schützt ihn vor Reizüberflutung.


    Häufig verschreibt man Risperdal auch um Agressionen zu vermindern. Unser Sohn ist nicht agressiv, durch das Medikament habe ich auch keine Persönlichkeitsveränderung festgestellt.


    Beide Söhne haben ausgeprägte Konzentrationsschwierigkeiten. Concerta (Ritalin) hilft ihnen sich während der Schule, oder beim Älteren auch bei der Arbeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Am Wochenende nehmen sie kein Concerta, weil sie ihre Fantasieausflüge in ihre Fantasien während ihrer Freizeit lieben.


    Der Ältere nimmt kein Risperdal, hat aber bei depressiven Episoden, Medikamente, die ihm aus seinem Stimmungstief wieder hinaushelfen und ihm erneut Stabilität geben. Er hat auch keine regelmässige Tages- und Nachtphasen. Damit er nicht die ganze Nacht wach bleibt, nimmt er Schlaftabletten. Sobald er seine Lehre beendet hat, will er versuchen sich von den Schlafmitteln zu entwöhnen. Momentan ist dies noch keine Option, weil er sich keine bleierne Müdigkeit leisten kann.


    Wir haben die Medikamente erst eingesetzt, als wir feststellten, dass sämtliche übrige Interventionen keine Besserung brachten und unsere Söhne unter ihren Schwierigkeiten gelitten hatten. Wichtig ist, darauf zu schauen, ob die Medikamente unverändert nötig sind, oder ob es Alternativen gibt, die auch helfen.


    Liebe Grüsse
    Monica

    Liebe Sonne


    Ich kann mich den Ratschlägen von Patch anschliessen. Unsere Söhne wurden teilweise integriert beschult, ab der Pubertät mussten andere Lösungen gesucht werden.


    Für die Integrationskraft und die Lehrer ist es wichtig zu wissen, welche Situationen für deinen Sohn extrem schwierig sein können. Noch wichtiger sind deine Erfahrungen, wie du mit schwierigen Situationen umgegangen bist und ihm wieder Halt geben konntest.


    Hier im Forum kannst du unter der Suchfunktion "Häufig gebrauchte Hilfsmittel für Schüler mit dem Asperger-Syndrom" eine Liste herunterladen, die so finde ich immer noch aktuell und hilfreich ist.


    Wenn meine Söhne unter starkem Stress stehen, sind sie am schnellsten zu beruhigen, wenn wir ihre Aufmerksamkeit auf ihr Spezialgebiet lenken. Für die Lehrer ist es wichtig zu wissen, an welchen Themen dein Sohn besonders interessiert ist. So haben sie ein Hilfsmittel zur Hand, dass deinem Sohn helfen kann rasch wieder Ruhe und Sicherheit zu finden.


    In der Klasse finden sich auch andere Kinder mit Schwierigkeiten. Im Austausch mit Lehrern und Sozialpädagogen kann es wichtig sein zu erfahren, wie vielfältig die Klassenzusammensetzung ist. Unsere Kinder sind nicht gerade "tolerant" gegenüber anderen, von denen sie sich gestört fühlen. Herausforderndes Verhalten können sie nicht einschätzen, gefühlsmässig erfassen sie nicht, dass das andere Kind, dies nicht extra macht.


    Beim runden Tisch sollten auch die Erfahrungen, die im Kindergarten bereits gemacht worden sind, einfliessen. Nach unserer Erfahrung ist es sehr wichtig offen zu sein. Lehrer und Eltern sollten zwingend die gleichen Ziele verfolgen. Ganz wichtig ist es diese gemeinsam abzusprechen, damit das Kind nicht völlig überfordert wird. Die Förderziele müssen überprüft werden, kommt man in einem Punkt nicht weiter, konzentriert man sich besser auf etwas anderes und versucht es später wieder. Ein regelmässiger Austausch mit der Integrationskraft ist wichtig. Diese ist dafür verantwortlich, dass es dem Kind in der Klasse gut geht. Sie vermittelt zwischen Lehrer, Eltern und Klassenkameraden. Die Rolle der Integrationskraft ist sehr, sehr wichtig und zugleich sehr schwierig.


    Ich wünsche euch einen guten Start in die erste Klasse.


    Liebe Grüsse
    Monica

    Liebe Sonne


    Einen Spitalaufenthalt können wir nie ausschiessen. Ein Kind mit Autismus ist in diesem Moment für jeden eine grosse Herausforderung. In den letzten Jahren sind in vielen Spitälern Fortbildungen über Autismus abgehalten worden. Ein Patient mit Autismus ist dem Spitalteam nicht mehr fremd, was aber unverändert schwierig ist, ist dass jeder Autist ANDERS ist. Somit stehen die Ärzte und das Pflegeteam bei jedem AutistenIn einer komplett neuen Situation gegenüber.


    Im Grossen und Ganzen haben wir mit den Spitälern, mit dem gesamten Pflegeteam nur gute Erfahrungen gemacht. Für unsere Söhne waren die Behandlungen schlimm, egal was es war, Röntgen, EEG, Blutabnahmen, Infusionen...
    Der Ältere erholte sich von den Strapazen rasch, er war bald wieder der Alte. Der Jüngere leider nicht, für ihn sind diese Erfahrungen bis heute prägend. Er hat grosse Angst vor dem nächsten Mal, vor der nächsten Operation. Und diese kommt bald, noch in diesem Frühling.


    Er weiss, dass er in den Frühlingsferien operiert werden muss. Die Eisen in den Beinen müssen entfernt werden, ob die Füsse noch einmal nachkorrigiert werden, bleibt offen. Seine Ärzte haben Bedenken, dass er sich erneut stark zurückzieht und in seiner Motorik durch seine Ängste wieder Rückschritte machen wird.


    Für uns Eltern braucht es mehr Vorbereitung. Während seiner Hospitalisation wird er rund um die Uhr von uns Eltern (abwechslungsweise) begleitet. Wir spielen mit ihm seine Lieblingsspiel, dass sind momentan die Magic-Karten. Wir gamen mit ihm... Dass er uns Eltern während dieser Zeit ausschliesslich für sich hat, darauf freut er sich.


    Wir stellen uns auf ein paar schwierige Wochen, hoffentlich nicht Monate ein. Unser Sohn wird auch zu Hause nach der Operation wahrscheinlich sehr dünnhäutig sein. Wir werden sehr behutsam sein müssen, ihn wieder an die Aussenwelt heranzuführen.
    Wir bereiten uns auf eine Zeit vor, die wir nicht planen können. Das einzige, was wir wissen ist, dass es viel Zeit braucht, bis unser Sohn sein erneutes Spitalerlebnis verarbeiten kann. Wir hoffen und wünschen, dass er es dieses Mal etwas rascher schafft und es ihm bald wieder gut gehen wird.


    Bei einem geplanten Eingriff bietet jedes Spital die Möglichkeit an, das Spital, die Abteilung und die Pflegenden zu besuchen. Wir haben dies gemacht. Ein weiterer Rat ist, sich mit dem Kind nicht zu grosse Ziele zu setzen und sich nicht zu viel vorzunehmen.


    Ich wünsche für geplante und ungeplante Spitalaufenthalte alles Gute.


    Liebe Grüsse, Monica

    Liebe Alle


    Ich kann es verstehen, wenn die nähere Verwandtschaft zunächst mit dem Thema Autismus überfordert ist. Ein Kind mit Autismus zu verstehen, braucht enorm viel Zeit. Ich persönlich finde es ganz schwierig mit ein paar Sätzen zu erklären, was Autismus ist und welche Schwierigkeiten meine Söhne durch ihre autistische Wahrnehmung haben. Dazu kommt, dass die Schwierigkeiten mit zunehmendem Alter der Kinder ändern. Die Hindernisse der ersten Jahre sind zum grossen Teil überwunden, unsere Söhne haben für vieles Lösungen gefunden, die für sie annehmbar sind. Sie sind momentan mit ihrem Leben zufrieden. Es gibt Schwierigkeiten, denen wollen sie sich noch nicht stellen. Sie bauchen noch Zeit für ihre persönliche Reifung.


    Unsere Verwandtschaft brauchte Zeit, die Diagnose Autismus für unsere Söhne zu akzeptieren, langsam begreifen sie die Schwierigkeiten und erkennen Hürden, denen sich unsere Söhne täglich stellen müssen. Eine grosse Abwehrhaltung erkenne ich, wenn sie sich mit ihrer eigenen Biographie auseinandersetzen und ihre eigenen autistischen Züge verleugnen. Die Grenzen zwischen normal und auffallend sind fliessend. Man kann alles, was auffallend ist verniedlichen. Das müssen wir akzeptieren.


    Bei Familienfesten sind unsere Söhne dabei. Der Ältere meistert dies recht gut. Er kann sich heute bei Familiendiskussionen eingeben. Wenn es ihm zu viel wird, zieht er sich mit Musik und einem Buch zurück. Der Jüngere tut sich bei Familienfesten sehr schwer. Es sind ihm zu viele Familienmitglieder, die Diskussionen sind zu laut, man sitzt viel zu eng am Tisch. Wenn es möglich ist, wird ihm ein separates Zimmer zur Verfügung gestellt, wohin er sich zurückziehen kann.


    Unsere Verwandtschaft kritisiert nicht mehr, sie beobachten... Wenn im Fernsehen oder im Radio eine Sendung über Autismus kommt, sehen und hören sie sich diese an. Sie stellen Fragen, sie lernen...


    Gebt euren Eltern die Chance, ihre Enkel trotz Autismus kennen zu lernen. Dass sie die Diagnose zu Beginn nicht glauben wollen, hängt sicher auch damit zusammen, dass sie sich für euch gesunde, perfekte Kinder gewünscht haben. Die Behinderung Autismus ist nicht immer offensichtlich, man fühlt sie mehr, als man sie den Kindern ansieht. Der Umgang mit ihren Enkeln schult sie, dass normale Erziehungsmassnahmen, die sie jahrelang erfolgreich an euch praktiziert haben, bei den Enkeln nicht fruchten. Wenn sie diese Kinder begleiten dürfen, erkennen sie was diese Kinder von anderen unterscheidet.


    Ich wünsche euch, dass es euch gelingt die Grosseltern ins Team zu holen. Vielleicht brauchen sie noch etwas Zeit die Diagnose Autismus zu verdauen. Gebt ihnen diese Zeit. Für uns Eltern war es immer eine grosse Hilfe, dass wir uns auf die Grosseltern unserer Kinder, solange es ihre Gesundheit zuliess, zählen konnten. Natürlich haben sie im Umgang mit unseren Kindern nicht immer alles richtig gemacht, wir schliesslich auch nicht. Oft waren sie irritiert, weil sie keine Möglichkeiten gefunden haben, unerwünschtes Verhalten ihrer Enkel zu stoppen. Das Verhalten ihrer Enkel hat sie oft verblüfft, auf Erziehungsmassnahmen reagierten diese völlig anders, als ihre anderen Enkelkinder. Sie mussten sich neu orientieren und informieren.


    Unsere Verwandtschaft hat gelernt, dass die Diagnose "Autismus" die Schwierigkeiten unserer Söhne am besten umschreibt.


    Ich wünsche euch für die Zukunft einsichtige Eltern, Grosseltern und Geschwister. So dass auch ihr mit euren Kinder mehr Unterstützung im familiären Umfeld erfahren könnt.


    Liebe Grüsse, Monica

    Liebe Alle


    In letzter Zeit gab es mehrere Postings mit missglückter Integration in der Regelschule bei Jugendlichen. Warum ist das so? Was kann man tun? Welche Hilfen gibt es? Wer unterstützt uns, unsere Kinder und die Lehrer?


    Die Pubertät ist für alle Jugendlichen schwierig. Sie sind auf der Suche nach sich, nach ihrer Gruppe. Ein Jugendlicher mit autistischer Wahrnehmung fühlt sich jetzt in seiner Gruppe wahrscheinlich noch fremder als zuvor. Seine Kollegen, seine Freunde verändern sich, das Wichtigste für sie ist die Peergruppe. Wie kann man da als Autist mithalten? Einige schaffen es, sie können sich soweit anpassen, dass sie nicht als Aussenseiter ausgegrenzt werden. Andere schaffen es nicht, sie empfinden das Gehabe der Anderen als "affig" und sagen es ihnen leider auch.


    Vielleicht hat unser Autist Glück und er findet auch in dieser Altersgruppe einen Freund, der zu ihm hält und mit ihm einen Teil seiner Freizeit verbringt. Öfters ist es so, dass ein Jugendlicher in dieser Gruppe niemanden mehr findet, plötzlich ist er alleine. Es kommen keine Freunde mehr zum Spielen. Er vereinsamt.


    Ich habe dies bei beiden meiner Jungs erlebt. Der Ältere hat in der Privatschule Freunde gefunden, die auch "speziell" waren. So konnten sie einander Stütze sein, sie zeigten sich gegenseitig ihre Wertschätzung. Dadurch klappte dann auch die Schule wieder.


    Der Jüngere musste sich in der Mittelstufe einer grösseren Operation unterziehen. Dann folgten mehrere Monate Reha. Die Reintegration in die 7. Klasse klappte nicht mehr. Er hätte sich auf einen neuen Klassenlehrer und auf eine neue Schulklasse einlassen sollen. Diesen Wechsel hat unser Sohn nicht verkraftet, er hatte keine Energiereserven mehr. Er hat die neue Klassensituation nicht mehr ertragen.


    Die Schule trat an uns heran und legte offen, dass für das nächste Schuljahr neue Lösungswege gesucht werden müssen. Das neue Oberstufenzentrum mit wechselnden Lehrern, grossen Klassen und immer wieder anderen Schulzimmern, zeigte sich nicht Autisten freundlich. So wäre für unseren Sohn kein Lernen und somit keine Fortschritte mehr möglich gewesen.


    War somit die Integration gescheitert?
    Nein, während der Zeit, die unser Sohn integriert beschult worden ist, hat er grosse Fortschritte machen können. Er kennt die Kinder und Jugendlichen in unserem Dorf. Wenn er Lust hat, kann er sich mit zwei, drei Freunden zum Spielen verabreden. Man kennt ihn, unser Dorf kann sich heute unter Autismus etwas vorstellen.
    Vom Schulstoff her, ist er heute sehr viel weiter, als wenn er in einer HPS-ähnlichen Schule verblieben wäre.


    Für die Anschlusslösung sind wir von der EB begleitet und unterstützt worden. Der Erstkontakt mit Schulinstitutionen kam aus unserer Initiative. Ich liess mir dann jeweils von den Schulleitungen weitere Adressen geben. Wenn wir in unserem Kanton keine geeignete Schule hätten finden können, hätten wir das Recht gehabt unsere Suche auf die ganze Schweiz auszudehnen.


    Wie bekannt ist, gibt es für Autisten keine spezialisierten Schulen. Sehr geeignet sind jedoch Schulen für wahrnehmungsbehinderte Kinder und Jugendliche, Schulen für Körperbehinderte mit normaler Intelligenz und Sprachheilschulen.
    Weniger geeignet sind Schulen für stark verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche.
    Wie weit die HPS für Kinder und Jugendliche mit Autismus bei normaler Intelligenz geeignet ist, sehe ich etwas kritisch. Wenn bei guter Begabung Regelschulstoff vermittelt wird, dann wäre dies sicher eine gute Lösung. Unsere HPS bieten keinen Regelschulstoff an.
    Die Privatschule kann eine gute Alternative sein, wenn das Kind nicht auf eine Schulbegleitung angewiesen ist. Die Schulbegleitung wird nur für öffentliche Schulen finanziert.


    Unser Sohn wird nun neu gemeinsam mit körperbehinderten Jugendlichen unterrichtet. Er fühlt sich dort sehr wohl, er gehört dazu und ist zum ersten Mal kein Aussenseiter mehr. Er wirkt wieder ruhig, in sich gefestigt und ist zufrieden.


    Liebe Grüsse
    Monica

    Liebe Leser


    Mein Sohn verfasste diesen Aufsatz mit Hilfe seiner Heilpädagogin vor ca. einem Jahr. Er diente dazu, seinen Mitschülern von sich zu erzählen. Damit sie ihn etwas besser verstehen und kennenlernen können. Auch damit sie ihm mit weniger Vorurteilen begegnen. Es berührte mich sehr zu erfahren, wie er gelernt hat sich und die anderen zu beobachten. Mein Sohn gab mir die Erlaubnis seinen Aufsatz zu veröffentlichen.



    Autist HFA, 16 Jahre
    Autist


    Ich sage zu der Verkäuferin: ich bin Autist. Was heisst das?
    Ich bin anders als andere Kinder. Ich habe gerne meine Ruhe. Ich spiele gar nicht gerne draussen mit anderen Kindern. Draussen weiss ich gar nicht, was ich machen soll. Wenn es laut ist und wild und wenn es viele Menschen hat, dann macht mir das Stress. Ich habe deshalb nicht gerne Feste.
    Turnhallengestürm ist für mich ein Albtraum. Ich habe gerne Ordnung. Die Sachen sollten immer genau gleich verräumt sein. Ich denke gerne. Ich habe viele spezielle Interessen, auch andere als die meisten Kinder. Manchmal sage ich die gleichen Sachen, nämlich dann, wenn es mich speziell interessiert.
    Was bedeutet Autist sein für mich:
    Autismus ist keine Krankheit. Ich bin ein Mensch. Mein Gehirn ist anders aufgebaut, als das der meisten Menschen (oder als das der Neurotypischen). Was den Unterschied macht, weiss ich nicht genau. Ein Arzt erklärte mir vor ein paar Jahren, dass mein Gehirn, die Eindrücke von aussen, anders verarbeitet, als bei den meisten Menschen.
    Ich mag keinen Körperkontakt. Wenn ich berührt werde, fühlt sich dies auf meiner Haut ganz „eklig“ an. Auch in der Familie habe ich es nicht so gerne, berührt zu werden. Ich verkrampfe mich schnell.
    Geräusche erschrecken mich. Darum werde ich in den grösseren Einkaufläden unruhig. Ich habe den Eindruck, dass ich intensiver Gerüche wahrnehme, als andere Menschen. Parfums, Lotionen empfinde ich als Gestank. Aus diesem Grund sage ich öfters. Es stinkt etwas. In den Städten ist der Geruch kaum auszuhalten, ich habe oft den Eindruck, dass ich nicht mehr atmen kann.
    Autismus ist eine Art Behinderung. Darum habe ich Mühe mit meiner Selbständigkeit. Es war für mich sehr schwierig, über den Fussgängerstreifen zu gehen, wenn Autos kommen. Ich hätte gerne eine Ampel im Dorf. Wenn ich nicht handeln kann, stört mich das. Das ist lästig. Es ist aber schon viel besser geworden. Wenn in meinem Umfeld Stress aufkommt und ich etwas rasch machen soll, blockiert mich das und ich kann gar nichts mehr tun.
    Autismus hat auch schöne Seiten. Ich kann meinen Gedanken nachhängen, ich kann logisch denken, Muster kann ich rasch erkennen. Ich bin geschickt beim Gamen. Ich kann Gegenstände reparieren. Ich sehe Fehler, die andere Menschen nicht sehen. Ich erzähle gern von dem, was mich im Augenblick interessiert. Davon bekomme ich nicht genug, darum bin ich genervt, wenn ich beim Erzählen unterbrochen werde. Ich habe Mühe zu verstehen, dass das die Anderen nicht genauso interessiert.
    Ich bin sehr ehrlich und Gerechtigkeit bedeutet mir viel. Ich bin auch friedlich, wenn andere streiten, habe ich das nicht gern. Es gibt viel Ungerechtigkeit auf der Welt, das ist traurig und schlecht. Die Menschen sind oft verwirrend für mich.
    Als Autist geniesse ich meine Zeit für mich. Ich sitze gerne auf meinem Stuhl, dort mache ich es mir gemütlich und es entspannt mich. Auf meinem Stuhl game ich, lese ich, schaue aus dem Fenster, spiele Hero Factory, ich schaue auf meinen Game Boy, ich träume und denke mir etwas aus.

    Wenn möglich sind wir immer in die Ferien gefahren. Wir verreisten vor der Diagnose und wir planten Ferien nach der Diagnose. Verändert haben wir mit dem neuen Wissen nichts. Als Reisemittel benutzten wir am liebsten das Auto, aber auch das Verreisen mit Schiff, Zug und Flugzeug war immer möglich. Unsere Kinder haben immer mit viel Neugier das Hotelzimmer oder den Bungalow erkundet. Heute wissen wir, dass wir als Urlaubsdomizil eher eine kleinere Anlage wählen. Kinderanimation brauchten wir nie, unsere Söhne lehnten diese völlig ab, sie wollten lieber bei uns bleiben. Unsere Jungs fuhren immer gern Auto, das Autofahren entspannte sie. So erkundeten wir mit dem Auto unsere Urlaubsregion, besuchten romantische Badestrände, Burgen und viele kleine Städte.
    Urlaub, auch in einer fremden Umgebung, bedeutete für uns als Familie nie Stress. Für die Jungs haben wir immer ihre Lieblingsspielzeuge und viel Malzeug mitgenommen. Heute sind das Natel oder der Laptop und Bücher dabei.


    Bei der Ferienplanung können sie mitmachen. Wollen sie in die Berge, ans Meer oder in eine Stadt? Mühe macht ihnen sich für etwas zu entscheiden. Also kommen sie zum Ergebnis, dass sie am liebsten zu Hause bleiben. So braucht es etwas Überzeugungsarbeit, dass sie sich auf den Urlaub einlassen. Bis heute haben ihnen die Ferien immer gefallen. Sie haben sich aber auch immer auf die Heimreise gefreut und konnten es kaum erwarten ihr Zimmer und ihre Lieblingssachen wieder in Beschlag zu nehmen.


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    Danke Lynn


    Leider sind meine Englischkenntnisse nur bescheiden. Sie reichen nicht aus, um aus dem Film von YouTube Nutzen ziehen zu können.


    Was bedeutet es mit HFA zu leben? Verglichen wird man mit dem Asperger Syndrom. Glaubt man dem, was in den Büchern steht, wächst sich der Unterschied sowieso aus. Was, wenn das nun alle glauben? Eltern, Lehrer, Coatch, zukünftige Arbeitgeber, etc...,


    Viele Lehrer machten in der Zwischenzeit Erfahrungen mit Integrationen von Aspergern. Nun sagen sie auch ja zur Integration eines HFA und stehen vor einem neuen Problem. Sämtliche Weisungen, die für Asperger vereinheitlicht worden sind, können nicht so für HFA übernommen werden. Ihre Schwierigkeiten sind, da sie tiefer im Spektrum stecken, gross. Aber auch diese Menschen haben ein Recht auf Bildung und später auf eine Arbeit, die sie erfüllt und ihnen ihren Lebensunterhalt sichert. Warum liest und hört man so wenig wie sich hochfunktionale Autisten entwickelt haben? Aus ihren Lebensgeschichten könnte viel gelernt werden, welche Unterstützung sie benötigen, woran sie evt. gescheitert sind. Ein HFA schrieb mir, dass er vermute, dass Eltern nicht darüber schreiben, weil es nichts Positives zu berichten gäbe. Diese Aussage stimmte mich sehr traurig! Sie zeigt mir aber auch, dass wir nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für andere Menschen, die im Spektrum sind, kämpfen müssen.


    Was kann man sonst noch tun?


    Das Wichtigste überhaupt ist, dass jedes Kind (egal, ob behindert, krank oder gesund) sich von seinen Eltern geliebt und akzeptiert fühlt. Im Grunde genommen eine Selbstverständlichkeit. Leider scheint dies nicht jeder Autist für sich so zu erleben. Wer sich als Kind, Jugendlicher und später auch als Erwachsener ungeliebt und in seiner Art nicht akzeptiert fühlt, hat es sehr schwer ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.


    Darum, liebe Eltern, liebt eure Kinder kompromisslos. Sie schätzen es sehr, wenn sie sich geliebt fühlen.


    Liebe Grüsse
    Monica

    Diese Frage beschäftigt mich schon lange. Liest man in der Literatur, so könnte man glauben, dass sich mit den Jahren die Unterschiede auswachsen. Das heisst, das beide Diagnosen nicht mehr klar von einander unterschieden werden können. In Zukunft wird man vom Autismus Spektrum sprechen, trotzdem denke ich wird eine Einteilung in der Ausprägung der Symptome bleiben.


    Nun - wenn ich meinen Älteren vor mir sehe, erlebe ich ihn nach wie vor nicht als Asperger Autist. Seine Sprachprobleme sind immer noch da, die haben sich keinesfalls in Luft aufgelöst. Wirklich schade! Der Zugang zu den Fremdsprachen ist schwierig bis fast nicht möglich. Im Vergleich der Asperger Autist, ein Grossteil davon hat eine ausgesprochene Begabung für Sprachen. Dieses Problem ist mit dem Nachteilausgleich nicht zu lösen. Fremdsprachenkenntnisse werden in den meisten Berufen vorausgesetzt und so kann der Zugang zu den meisten Berufen, mangels Englisch- oder Französischkenntisse für immer verschlossen bleiben.


    Wenn ich die Probleme meiner Kinder sehe, frage ich mich manchmal schon, wo sind die anderen frühkindlichen Autisten. Wie haben sie den Einstieg in die Berufswelt geschafft, wie sind sie mit ihren Sprachproblemen klar gekommen. Oder stimmt die Aussage am Schluss doch, dass sie ihre Sprachprobleme in der Mutter- und Fremdsprache vollständig kompensieren konnten?
    Oder - finden wir sie nicht in der Berufswelt, weil ihre mangelhaften Sprachkenntnisse ihnen den Weg dazu verwehrt haben. Aber, wo leben diese anderen HFA Autisten. Zu Hause, bei den Eltern, in Heimen ... Wenn dem so wäre, ist hier noch viel zu tun. Viele Autisten sind nicht geistig behindert, sie haben nur Mühe sich auszudrücken, und wir - die Wirtschaft verschwenden dieses Potential und nützen ihre Begabung nicht?


    Tony Atwood sagte anlässlich der Tagung dieses Monats ein Unterschied der HFA zu den Asperger Autisten ist: Der Asperger Autist vergleicht sich immer mit seinen neurotypischen Kollegen, während ein HFA sich immer nur mit anderen Autisten aus dem Spektrum vergleicht. Diese Aussage brachte mich ins Grübeln. Wenn ich nun meine beiden Söhne vor mir sehe. Der Ältere zwar HFA, aber sehr nah beim Asperger Autismus und der Jüngere auch HFA, aber viel tiefer im Spektrum.


    Es ist tatsächlich so, dass der Ältere immer wieder Phasen mit depressiven Verstimmungen hat, weil er sich mit seinen Kollegen vergleicht, die studieren, denen es scheinbar so leicht gelingt, Freundschaften und Beziehungen zu pflegen. Im Vergleich zu ihnen, sieht er seine Probleme noch grösser werden, seine Qualitäten und Talente scheinen ihm in diesen Momenten nichts wert zu sein. Der dauernde Vergleich mit den Neurotypischen kann in einer Depression münden.
    Unserem Jüngeren ist es noch nie in den Sinn gekommen, sich mit seinen neurotypischen Schulkameraden zu vergleichen oder ihnen nachzueifern. Er hat nur einen Massstab und das ist er selbst oder vielleicht höchstens andere Autisten.



    Fallen euch andere Gemeinsamkeiten oder Unterschiede vom HFA zum Asperger Autismus ein?


    Liebe Grüsse
    Monica


    Liebe Melanie


    Hast du die Suchfunktion entdeckt. Dort kannst du gezielt nach einer Frage suchen. Dir, die Antworten ansehen und fragen, was dir für deine Situation noch unklar ist. Manche Fragen bleiben vielleicht auch ungeklärt.


    Die Frage nach der Vererbung. Absolut geklärt ist dies nicht, jedoch deutet vieles auf Vererbung hin. Schau bei dir und deinem Mann einmal genauer hin. Forsche bei den Geschwistern, Eltern, Onkel und Tanten. Vielleicht kommst du auf die Spur eines Sonderlinges. In meiner Familie wurden solche Personen immer schon wie folgt beschrieben: sehr intelligent, nur an Technik interessiert, menschenscheu, schwer Kontakt zu halten weil je nach Gesprächsthema schnell beleidigt, diese Person liebte Dinge mehr (zum Beispiel sein Auto) als die Menschen, und vieles mehr. Wenn du Glück hast und fündig geworden bist, versuche doch mit dieser Person vorsichtig in Kontakt zu treten. Es ist sicher nicht sinnvoll, ihr/ihm vor dem Kopf zu knallen, ich weiss jetzt, was mit dir los ist, du bist Autist, wie mein Mädchen. Evt. hat dieser Jemand noch nie etwas von Autismus gehört und du konfrontierst ihn nun damit, dass er eine Behinderung haben soll!? Vielleicht hat diese Person aber auch schon selbst hinausgefunden, dass er kein Sonderling ist, sondern dass ihn seine Autismusspektrumsstörung von anderen unterscheidet.


    Diese Person könnte dir im Umgang mit deiner Tochter sehr hilfreich sein. Vielleicht kann sie dir Reaktionen übersetzen und erklären.


    In unserer Familie ist dies nicht mehr möglich. Unser Sonderling ist schon vor Jahren gestorben, bevor wir die Diagnose für unsere Kinder erhalten haben. Wir hätten auch noch andere Familienmitglieder, die so ähnlich ticken. Da sie sich jedoch vorallem mit unserem Jüngsten vergleichen, wollen sie davon nichts wissen. Sie halten sich für absolut normal, sie sehen die Probleme immer bei den anderen. Dass der Umgang mit ihnen für ihre Partnerinnen schwierig war, dass sie von ihnen auf das Aspergersyndrom hingewiesen worden sind, hat sie bis heute nur wütend gemacht. Es kann sehr heikel und schwierig sein, jemanden auf eine solche Diagnose aufmerksam zu machen.


    Ich wünsche dir, dass du bald die Unterstützung erhältst, die du für dich und deine Familie brauchst. Vielleicht noch eine Bemerkung zu zwei Kindern mit HFA in der Familie. Heute bin ich überzeugt, dass es einfacher ist zwei Autisten grosszuziehen, als einen Autisten und ein neurotypisches Kind. Als Autisten haben sie ähnliche Bedürfnisse, sie verstehen einander, sie sind sich nicht wesensfremd, sie mögen sich sehr gerne, sie kennen keine geschwisterliche Eifersucht und keinen Streit, sie respektieren das Ruhebedürfnis des Anderen, sie sind einander Stütze...


    Liebe Grüsse
    Monica

    Liebe Regula


    Wo ist geplant das EEG durchzuführen? Die Leute sind an Schwierigkeiten und an viele verschiedene Klienten gewöhnt. Das gehört zu ihrem Job. Sie sind aber froh, wenn du sie über die zu erwarteten Schwierigkeiten aufklärst, damit sie sich darauf einstellen können. So haben sie auch die Möglichkeit mehr Zeit als üblich einzuplanen. Wenn dein Sohn vorgängig sediert werden sollte, damit die Befestigung der Elektroden möglich wird, muss auch jemand vom Narkoseteam dabei sein. So glaube ich mich jedenfalls noch zu erinnern.


    Bei meinem jüngeren Sohn waren mehrere Versuche nötig, bis wir ein ablesbares Resultat erhalten haben. Die Befestigung der Elektroden ist eigentlich schmerzlos, trotzdem brachte ihn die Manipulation an seinem Kopf völlig ausser sich. Während der ganzen Aufzeichnung der Hirnströme war er nicht mehr zu beruhigen. Der zweite Versuch fand im Inselspital statt. Dort wurde dann ein Langzeit EEG über 24 Stunden gemacht. So hatten wir die Hoffnung, dass während dieser Zeit irgend ein Mal ein ablesbares Resultat kommen wird.
    Beim zweiten Mal ging es viel besser, die Elektroden konnten ohne Sedierung befestigt werden. Unser Sohn wusste nach dem ersten Erlebnis, dass er zwar das Befestigen der Elektroden nicht mag und dass es schmerzfrei sein wird.


    Kannst du mit deinem Sohn kommunizieren? Kannst du mit ihm im Internet recherchieren, was auf ihn zukommen wird. Im Internet findest du mehrere Bilder und Texte, wie ein EEG abläuft.


    Du schreibst, dass Sedierung nicht in Frage kommt, weil es die Ergebnisse verfälscht. Es ist sicher besser, wenn ein EEG aufgezeichnet werden kann, ohne Sedierung, wenn eine Sedierung es aber erst möglich macht? Dieses Thema musst du mit den Ärzten vorgängig besprechen. Jedes Augenzwinkern, jede Bewegung des Kopfes nimmt Einfluss auf die EEG Kurve, aus diesem Grund läuft während der Aufzeichnung auch eine Videokamera.


    Ich wünsche dir und deinem Sohn zu dieser Untersuchung alles Gute.


    Liebe Grüsse
    Monica


    Liebe Melanie


    Ich bin Mutter zweier frühkindlicher Autisten. In der Zwischenzeit sind sie bereits 15 und 20 Jahre alt. Der Ältere hat sich Richtung Asperger entwickelt. Der Jüngere steckt mehr im Spektrum. Aus diese Grund berichte ich dir hauptsächlich von den Erfahrungen mit unserem jüngeren Sohn.


    Die frühe Diagnose, die du erhalten hast, ist sicher momentan ein Schock. Gleichzeitig gibt sie dir die Chance, dich bereits jetzt in das Thema einzulesen und die Ratschläge, von denen du liest, umzusetzen. Viele von uns warteten auf die Diagnose viele Jahre. Dadurch haben wir vieles ausprobiert, manchmal erfolgreich, oft auch ohne sichtbare Verbesserung.


    Ein Buch, dass mir damals geholfen hätte, ist: "autistischen Kindern Brücken bauen von Sibylle Janert".


    Dieses verzweifelte Schreien kannte ich von meinem Sohn auch. Stundenlang, wenn ich den Auslöser nicht aufdecken konnte. Er konnte noch verzweifelter werden, wenn ich ihn tröstlich halten, umarmen wollte. Mit der Zeit lernten wir, die Situationen, die ihn fassungslos werden liessen, vorauszuahnen. Unser Sohn war bis ca. 5 Jahre ohne Sprache. So konnte ich ihn sprachlich nicht auf Veränderungen hinweisen. Für ihn wären Fotos oder Bildkarten, sogenannte PECS hilfreich gewesen. Wir kannten diese Methode damals noch nicht, wir versuchten unseren Sohn mit einem Wecker und dem Zeigen auf seine Schuhe vorzuwarnen, dass er sein Spiel bald unterbrechen muss. Ein weiteres Kommunikationsmittel, das wir einsetzten, war das Zeichnen. Sein verzweifeltes Schreien, wenn wir ihn aus seinem Spiel hinausholten zeigte uns, dass wir nicht sehr erfolgreich waren.
    Bei Überforderung schrie unser Sohn, dass konnte sein, wenn zu viel Lärm, zu viel Hektik, zu viele Leute um ihn waren. Er schrie natürlich auch, wenn ihm etwas Angst machte. Das konnte sein, der Sand unter seinen Füssen, das Gefühl der Grashalme an seinen nackten Beinen, beim Gehen durch hohes Gras, der Wind in seinem Gesicht, ein nahendes Gewitter mit Donner und Blitz...
    Manchmal fanden wir eine Lösung. Wenn es stark windete half ihm eine Kaputze, die er tief ins Gesicht ziehen konnte. Da fühlte er sich geschützt. Beim Gehen im hohen Gras, halfen Gummistiefel (Probleme mit der taktilen Wahrnehmung).


    Beide Söhne reagierten höchst sensibel auf Stress und Ärger im häuslichen Umfeld. Stimmungen, gute und schlechte, übertrugen sich auf sie. War ich nervös - reagierten auch sie nervös, war ich verunsichert, wütend oder einfach schlecht drauf, hatten sie Angst und waren kaum mehr zu lenken.


    Mit den Jahren wurde es einfacher. Trotzdem, es gibt keine HEILUNG! Sie bleiben Autisten. Wie sie sich entwickeln werden, kann dir niemand sagen. Sie haben ihren eigenen Plan. Viele Autisten lernen zu kommunizieren. Nicht alle in Lautsprache. Jede Art von Kommunikation ist wertvoll und sollte von uns akzeptiert und geschätzt werden. Obwohl beide Söhne heute sprechen können, ist ihre Sprache anders. Sie wirken eher wie Ausländer, sie sprechen keinen sauberen Dialekt. Der Jüngere spricht viel Hochdeutsch. Das Sprachgefühl und somit auch die Grammatik ist auffällig.


    Was bedeutet die Diagnose Autismus für unsere Söhne?
    Manchmal hadern sie mit ihrem Schicksal. Sie haben das Gefühl den anderen geht alles leichter als ihnen. Die anderen sind weniger gestresst, haben viele Freunde, alle sind intelligenter als sie. Diese Momente sind zum Glück nicht allzu häufig.
    Dann gibt es auch Zeiten, wo sie froh sind Autisten zu sein. Sie sehen sich und ihre Qualitäten. Sie verstehen nicht, warum ihre Kollegen streiten müssen, warum gelogen und geprahlt wird ...
    Der Jüngere formulierte es so: "ich bin froh Autist zu sein, ich geniesse meine Ruhe und meinen Stuhl in meinem Zimmer. Auf diesem kann ich stundenlang träumen, zum Fenster hinausschauen, meine Musik hören und in Ruhe gamen, ich kann logisch denken und ich lüge nicht, ich habe ein grosses Gerechtigkeitsgefühl ...


    Im Grossen und Ganzen sind beide zufrieden und glücklich. Sie sind stolz Autisten zu sein, auf keinen Fall möchten sie neurotypisch sein. Sie sehen ihre Schwächen, aber auch ihre Stärken.


    Ich wünsche dir und deinem Mann viel Kraft. Gerade jetzt, seit ihr in der Phase, wo ihr vom Gedanken ein ganz normales Kind zu haben Abschied nehmen müsst. Das ist schmerzlich. Bald werdet ihr hoffentlich erfahren, dass auch ein Sorgenkind ein Geschenk sein kann. Ich bin zuversichtlich, dass ihr bald therapeutische Hilfe bekommen werdet. Zur Logopädie sind sinnvoll Ergotherapie und Früherziehung. Mit diesen Leuten kannst du über deine Beobachtungen und Ängste sprechen. Sie werden dir für den Alltag sicher Tipps geben können. Aus der Erfahrung mit meinen Kindern rate ich dir, nicht alle Probleme gleichzeitig behandeln zu wollen. In den Gesprächen mit den verschiedenen Therapeuten ist es sinnvoll sich jeweils auf ein Problem zu konzentrieren und dieses aus verschiedenen Richtungen anzugehen. Sonst könnte es bei deiner Tochter zu einer Überforderung kommen, die sich in einer totalen Verweigerung zeigen könnte.


    Alles Liebe, Monica

    Hallo Lynn


    Ehrlich gesagt Lynn, was die Tomatis Therapie uns gebracht hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Was ich bestätigen kann, sie ist zeit- und kostenintensiv. Wir waren in der Tomatis Therapie ca. 4 bis 5 Jahre bevor wir die Autismusdiagnosen für unsere Söhne erhalten hatten.


    Ich habe mich für einen Versuch mit Tomatis entschieden, weil beide Söhne grosse Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb hatten. Zum Zeitpunkt der Therapie war der Ältere ca. in der 2. Klasse, der Jüngere war im Kindergarten und hat damals noch nicht gesprochen. Beide haben sich auf die Therapie gut eingelassen. Auf der seelischen Ebene hat sie ihnen sicher gut getan. Unter den Musikklängen entspannten sie sich.


    Beim Älteren hat sich damals schulisch unter der Therapie nichts verändert. Seine auditiven Schwierigkeiten blieben unverändert. In seinem Wesen wirkte er unter der Therapie ausgeglichener und zufriedener. Er hat sich auf die Stunden im Zentrum immer gefreut. Ob diese doch positive Veränderung eine Folge der Tomatis Therapie war, bezweifle ich ehrlich gesagt. Ich erkläre es mir heute eher so, dass er auf die Zuwendung von den Angestellten und von mir positiv reagiert hat. Als ich ihn später klassische Musik mit Kopfhörern hören liess, erzielten wir eine ähnliches Ergebnis.


    Beim Jüngeren veränderte sich unter der Therapie mehr. Ich habe ihn vorher nie dazu gebracht, dass er freiwillig gezeichnet hat. Während der Therapie wurde er immer von einem der Mitarbeiter des Zentrums begleitet, die versucht haben ihn zu beschäftigen, damit er die Kopfhörer in Ruhe lässt, die Spielsachen nicht umherschmiss und so ein anderes Kind störte oder sogar verletzte. Er war ungefähr 4 Jahre, wir waren unsicher, was und wie viel er verstand, er verfügte über keine aktive Sprache, ausser ca. 10 Wörter, die er nicht immer situationsangepasst verwendet hatte. Er hörte gregorianische Gesänge und plötzlich holte er sich Papier und Farbstifte und zeichnete. Da man ihn vorher nie zum Zeichnen brachte, war das Ergebnis mehr als erstaunlich. Er zeichnete ein Haus, einen Baum und einen Menschen. Wir freuten uns und staunten. Ab da setzte er das Zeichnen ein, wenn er sich mitteilen wollte. So geschah in der Therapie für ihn und für uns ein grosser Schritt. Ob dies nun durch die Tomatis Therapie war, oder ob es auch ohne diese dazu gekommen wäre? Wir wissen es nicht! Die Ausdauer des Jüngeren war kürzer, er ertrug die Kopfhörer nicht während der ganzen Therapiezeit. Sobald er sich der Kopfhörer entledigte, mussten wir dies so akzeptieren.


    Bei der Tomatis Therapie gibt es Hörtests. Diese sind äusserst anstrengend. Das Kind sollte Zeichen geben, wann es noch etwas hört und wann nicht. Der Ältere machte einigermassen mit, beim Jüngeren konnten wir kein Resultat erzielen. Seine Reaktionen waren für uns nicht lesbar.


    Ehrlich gesagt, ich habe mir damals von der Therapie mehr versprochen. Trotzdem bereue ich es nicht, es ausprobiert zu haben. Die Therapie hat den Jungs gefallen. Sie hat ihnen mit Sicherheit nicht geschadet. Die Zuwendung von mir und den Therapeuten hat ihnen gut getan. Beide Jungen mögen seit der Therapie klassische Musik. Heute setzen beide Jugendlichen Musik zu ihrer Entspannung ein.


    Liebe Grüsse
    Monica


    Seit Jahrzenten unterwegs zu sein in einem Raumschiff, manchmal der Erde nah, viele Male ganz fern. Was unterschied uns von der Gattung Mensch? Im Grunde genommen nichts, ausser unseren Werten, unserer Direktheit, unseres Denkens.
    Wir durften als Familie wachsen, uns wurden zwei Söhne geschenkt.
    Plötzlich war es nicht mehr in Ordnung zu sein, wie wir. Unsere Söhne sollten sich anpassen, nicht am Rande stehen, dazugehören. Das Anderssein erhielt nach Jahren der Abklärungen und Diagnosen den Namen AUTISMUS.


    Autismus hiess für unseren Jüngsten AUSGRENZUNG. Er hat für sich damals die Lautsprache noch nicht entdeckt, somit blieb ihm vorerst die Beschulung im Regelschulbereich verschlossen. Er war 5 Jahre, als man uns klar machen wollte, dass er nie sprechen, schreiben oder rechnen wird. Solche Aussagen kommen zu Stande, wenn man nicht genauer hinsieht und somit das Potential dieser Autisten verkennt und ihnen eine geistige Behinderung unterstellt.
    Nach Jahren intensiver Förderung zu Hause entdeckten wir einen Weg seine Aufmerksamkeit zu wecken und mit ihm Kommunikationswege zu finden.


    Autismus heute heisst für uns INTEGRATION. Unsere Söhne sind integriert im Regelschulbereich, der Ältere lernt Informatiker.


    Ende gut, alles gut?
    Sicher noch nicht! Gegenüber früher, gibt es aber mehr Möglichkeiten. Die Kinder werden in der Schule und auch in der Berufslehre, wenn sie es brauchen unterstützt. Es gibt Hilfen, wir Eltern müssen lernen, diese Hilfen für unsere Kinder einzufordern. Das braucht Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit.


    Als Eltern haben wir eine wunderbare Aufgabe übernommen. Wir können und dürfen unsere Kinder begleiten, sie schützen und sie allmählich in die Selbständigkeit entlassen. Damit sie in Zukunft ihren Platz in der Gesellschaft finden können.


    Unsere Kinder erzwingen ihre Freiheiten in der Jugend nur zögerlich oder gar nicht. Das Rebellieren fehlt (jedenfalls bei uns!). Ich sehe hier unsere Aufgabe, sie beim Beziehungsaufbau zu anderen Jugendlichen zu unterstützen, sie die Flügel ausbreiten zu lassen. Wir können das Umfeld optimal gestalten, indem wir ihnen anbieten, dass sie jederzeit junge Leute zu sich einladen können, dass wir abrufbereit sind und sie und ihre Freunde jederzeit irgendwo hin bringen oder abholen werden.


    Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Autismus nicht nur als Defizit-Diagnose wahrgenommen wird. Autismus zeigt viele Talente und viele Begabungen, die auch eine Bereicherung für die ganze Gesellschaft sein können. Wir müssen lernen, diese Potentiale zu entdecken zu fördern und der Wirtschaft zukommen zu lassen. Im Grunde genommen können wir es uns gar nicht leisten dieses Potential zu verschenken.

    In verschiedensten Büchern und Fachliteratur wird darauf hingewiesen, dass bei einer autistischen Spektrumstörung die Möglichkeit zusätzlich an einer Epilepsie zu erkranken prozentual höher ist, als in der Durchschnittsbevölkerung.


    Wenn ich bei meinem Sohn eine solche Episode beobachten würde, würde ich umgehend die Notfallstation des nächsten Krankenhauses benachrichtigen, damit baldmöglichst die Hirnströme aufgezeichnet werden. In der Regel wird bei einem einzigen Anfall noch keine medikamentöse Therapie eingeleitet. Es ist aber wichtig aufmerksam zu bleiben. Bei einem Anfall unbedingt Ruhe bewahren, darauf achten, dass sich das Kind nicht verletzen kann und genau beobachten, wie sich der Anfall beim Kind/Jugendlichen zeigt. Ist es ansprechbar, atmet es noch regelmässig, zuckt es? Sind die Zuckungen über den ganzen Körper verteilt oder bewegen sich nur die Arme und Beine, beidseits oder nur eine Seite, gleichmässig, unregelmässig...Je genauer wir beschreiben können, was passiert ist umso eher können die Ärzte abschätzen, welche Schritte sie einleiten müssen. Ein Kind kann auch eine Epi entwickeln, die von Aussen nicht so dramatisch wirkt. So genannte Absenzen. Wenn das Kind mitten in einem Wort beim Schreiben, Erzählen eine Pause macht, wenn es aufschrickt, etc. (Absenzen können sich in vielen Auffälligkeiten zeigen).


    Ich kenne das Krankheitsbild der Epilepsie durch unsere verstorbene Tochter. Viele Menschen erleben in ihrem Leben einen vielleicht zwei epileptische Anfälle, ohne dass sie an Epilepsie erkrankt sind.


    Bei unseren Söhnen sind zur Sicherheit (auch durch die Vorerkrankung ihrer Schwester) EEG's durchgeführt worden. Die Untersuchung schmerzt nicht, für noch kleinere Kinder kann es unangenehm sein, weil sie es nicht mögen, wenn an ihrem Kopf manipuliert wird.


    Liebe Grüsse
    Monica

    Wenn sie es aushält (von der Akustik, viele Leute ...), wäre eine Bibliothek nicht schlecht. Dort befinden sich viele Bücher für Leseanfänger. Deine Tochter dürfte selber wählen, was sie interessiert. Vielleicht sind dies Prinzessinnengeschichten oder Bücher mit Pferden, etc. Vielleicht kann ist sie mit der Auswahl überfordert, dann ist es gut, wenn du sie unterstützt. Bei meinem Sohn dauerte es ca. 2 Jahre bis ich endlich entdeckte, welcher Lesestoff ihn am meisten faszinierte. Bei ihm sind es Phantasieromane.


    Die Kinderbücher von "Duden" fand ich sehr gut. Es gibt sie für Leseanfänger bis ca. 4. Klasse. Nach jedem Kapital gibt es zwei, drei Fragen, mit denen überprüft werden kann, ob der Stoff verstanden worden ist.


    Viel Spass beim Lesen!

    [size=12] Hallo Ryan
    Schön ist, dass ihr eine Kommunikationsform für euren Sohn gefunden habt. Das zeigt, dass ihm der Sinn der Sprache bekannt ist. Er setzt Gebärden ein, wenn er sich mitteilen will oder wenn er sich etwas von euch wünscht. Möglicherweise wird sich die Lautsprache über die Gebärden entwickeln. Bei einem Autisten ist es durchaus möglich, dass die Entwicklung der Lautsprache erst nach dem 6. bis 10. Lebensjahr einsetzen wird.


    Unser Sohn entdeckte die Lautsprache ab seinem 5. Lebensjahr. Es dauerte sehr lange bis sich ihm der Sinn der Kommunikation erschlossen hat. Gebärden haben wir ihm auf Anraten unserer Logopädin nicht angeboten. Sie war der irrtümlichen Meinung, dass wenn er gebärdet, er die Lautsprache nie anwenden wird. Wir wussten damals noch nichts über Autismus. Mit Einsetzen der Lautsprache versuchte er vermehrt sich auch mit selbst erfundenen Gebärden Gehör zu verschaffen. Später in der Sprachheilschule schnappte er vermehrt Gebärden auf und wendete sie für sich auch an. Anhand Gebärdenbüchern eignete er sich mit der Lautsprache auch die entsprechenden Gebärden an. Er verband das geschriebene Wort mit der Gebärde.


    Die Fähigkeiten zum Gebärden ist ihm heute wieder abhanden gekommen. Er ist nun im 4. Jahr in die Regelschule integriert und in seiner Umgebung gebärdet niemand mehr. Momentan ist sein natürliches Interesse für die Gebärden erloschen. Ich finde das eigentlich sehr schade.


    Auf dem Weg unserem Sohn die Sprache näher zu bringen haben wir aus Unwissenheit vieles falsch gemacht. Heute würde ich ihm, so wie ihr es auch macht, unbedingt Gebärden anbieten. Gleichzeitig würde ich versuchen ihm zu den Gebärden, die Buchstaben, das heisst, das geschriebene Wort zeigen. Mit der Zeit kann er so die Verbindung von der Gebärde zum geschriebenen Wort und später vielleicht sogar zur Lautsprache machen. Um die Freude an der Sprache bei unserem Sohn zu wecken, haben wir vieles ausprobiert. Wir sprachen über Handpuppen zu ihm. Das mochte er, da war er immer aufmerksam. Wir verbanden Sprache mit Musik. Ich las ihm stundenlang Bilderbücher vor. Ich wusste lange nicht, ob er von dem, was ich ihm erzählte, etwas verstand, später stellte sich heraus, dass er vieles aufgenommen hat. Kinderbücher, die ich ihm als Kleinkind vorgelesen habe und die ich später beim Leseerwerb mit ihm lesen wollte, schmiss er weg, weil er sich noch an die ganze Handlung erinnerte.


    Aus meiner Erfahrung kann ich dir nur raten, deinem Sohn weiterhin vieles anzubieten. Alles einzusetzen was ihm Freude macht, sei dies Vorlesen, Spielen, evt. sogar gemeinsamen Gamen. Hauptsache ihr macht es zusammen mit ihm und er kann erleben, was er duch die gegenseitige Kommunikation für sich erreichen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, nichts für Unmöglich zu halten und an deinen Sohn zu glauben.


    Liebe Grüsse
    Monica (size]

    Hallo Adhskind


    Der ältere Sohn schloss seine Schulkarriere in einer Privatschule (Reosch) ab. Ein grosser Vorteil dieser Schule; die Kinder wurden individuell gefördert. Es wurde grossen Wert darauf gelegt, dass sich die Kinder wieder gefangen haben und sich in der Schule wohl fühlten. Man sprach dabei von der Wohlfühlphase. Nach eineinhalb Jahren wurden wir langsam nervös, wir fragten uns, wann endlich unser Sohn mehr gefordert wird. Die Schule stand auf dem Standpunkt, dass die Jugendlichen, sobald sie soweit sind, sich selbst in die Leistungsphase setzen und Ehrgeiz beweisen werden. Die Schule behielt recht, in seinem letzten Schuljahr holte unser Sohn enorm auf. Er verliess die Schule nach der 9. Klasse, wir hätten es gerne gesehen, dass er noch ein weiteres Jahr angehängt hätte. Heute besucht unser Sohn die Berufsschule. Er gehört nicht zu den Besten, ist aber auch nicht bei den Schlechtesten.


    Unser jüngerer Sohn besucht als Integrationsschüler die Regelschule. Er wird während ca. 14-18 Lektionen begleitet. Solange er auf eine so enge Begleitung angewiesen ist, könnte er in einer Privatschule weniger Fortschritte machen. Die Lehrer der Privatschulen haben neben unseren besonderen Kindern, Kinder in der Klasse, die auch Aufmerksamkeit brauchen. Eltern, die Ihre Kinder in die Privatschule schicken, lassen sich dies viel kosten. Das soll sich schlussendlich auch auszahlen.
    Normalerweise hat ein Kind in der Privatschule kein Recht auf Schulbegleitung. Viele Kinder mit autistischer Wahrnehmung sind für einen erfolgreichen Schulbesuch auf eine Begleitung angewiesen. Das würde heissen, dass zusätzlich zu den Schulkosten die Schulbegleitung durch die Eltern finanziert werden müssten. Oder, dass die Eltern als Schulbegleiter ihrer Kinder in der Klasse vom Lehrkörper toleriert werden müsste.
    Die Privatschule ist ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen, die ihren Auftrag (Kinder erfolgreich unterrichten) erfüllen muss.Sie muss mit der Mehrzahl der Eltern kooperieren. So kann der Ausweg Privatschule, uns Eltern mit einem speziellen Kind plötzlich in eine Sackgasse führen.


    So wie ich dein Posting, Adhskind lese und verstehe, ist die Diagnose Asperger Syndrom neu dazugekommen. Mit dieser Diagnose ändert sich die Beschulung in der Regelschule radikal. Es ist ein grosser Unterschied, ob ein Kind die Regelschule mit oder ohne Begleitung, das bedeuten die 20 Lektionen integrative Sonderschulung nämlich, meistern muss. Vielleicht ist ein Neuanfang in einem anderen Schulhaus nötig, damit das Kind noch einmal, ohne Vorurteile durchstarten kann.


    Wir haben bei unseren Söhnen beide Varianten erlebt. Wie erfolgreich die Beschulung in der Privatschule geht, hängt nach meiner Erfahrung auch davon ab, wie stark die autistischen Verhaltensweisen ausgeprägt sind. Beide Wege können erfolgreich sein, wenn wir die Lehrer, sowie die Mitschüler und deren Eltern, unserer Kinder ins Team holen können. Wenn sie für Neues offen sind, wenn wir ihre Neugier auf die autistischen Welten wecken können.


    Ich wünsche dir und deinem Sohn, dass es für ihn gut weitergeht. Für näheren Rat, müssten wir mehr wissen, wie z.B. in welchen Kanton ihr wohnt, wie alt dein Sohn ist, welche Klassenstufe er besucht, mit welchen Problemen ihr zur Zeit kämpft...


    Liebe Grüsse
    Monica