Posts by Schachspieler

    Hier einige Tipps von mir:


    - Bei Kontakten gilt für mich: Qualität vor Quantität. Kontakte müssen nicht lang sein, sollten aber etwas Erfreuliches sein.
    - Die besten Konversationen hat man, wenn man zu zweit mit jemandem ist. Da fokussieren sich beide auf den Partner und man fühlt sich nicht ausgeschlossen.
    - Sich immer Zeit einplanen alleine zu sein um sich zu erholen.
    - Wenn ich nervös bin und mein Kopf leicht zittert, halte ich eine Hand hinten am Hals, damit mein Kopf weniger zittert.
    - Und das Wichtigste: Die Zeit, die man mit anderen Menschen (und sich selbst) verbringt, versuchen zu geniessen :)


    Und falls ich einen Preis gewinnen würde, würde ich gerne darauf verzichten, da dieser Input relativ kurz ist und ich der Meinung bin, dass es andere Leute hier gibt, die den Preis lieber hätten als ich.

    Danke für die ausführliche Antwort :)
    Freut mich, dass du nach all den harten Jahren jetzt eine eigene Familie hast :) Würde ich auch später gerne haben...


    Mir ging es früher sehr ähnlich, in der Primarschule war ich ein Aussenseiter, und dazu noch ein Halb-Asiate, ein guter Grund für Primarschüler damals mich zu mobben. Ich ging überhaupt nicht gerne in die Schule und dann habe ich auch nach der Schule in der Einzeltherapie für Asperger mal geweint. Das waren nicht gerade meine schönsten Tage, aber wirklich depressiv war ich damals (noch) nicht.
    Im Gymnasium ging es mir dann viel besser, da waren die SchülerInnen viel netter und ich getraute mich zu öffnen, um so mehr mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen. Es gab dann so einige Zwischenfälle, aber als ich das Maturazeugnis erhielt, war ich eine ganz andere Person als am ersten Schultag im Gymnasium. Viel offener, emotionaler nach aussen und ein bisschen gesprächiger. Ich hatte wahrscheinlich Glück, dass ich dort in einer Klasse mit netten SchülerInnen war.


    Ich finde es super, wenn auch andere Autisten mehr Kontakt zur Aussenwelt herstellen wollen :) deswegen beschreibe ich hier noch, wie ich es mache:
    - Ich achte jeweils nach (nicht während) eines Gespräches auf folgende 5 Aspekte: begrüssen, nachfragen, bedanken, entschuldigen, verabschieden. Wenn diese stimmen, dann kann bei einem Gespräch nicht mehr viel falsch laufen. Es klingt vielleicht doof, dass ich jetzt auf so einfache Aspekte aufpasse. Aber ich stellte immer wieder fest, dass diese bei mir nicht ganz stimmten. Es reicht glaube ich, wenn nach einem Gespräch auf diese Punkte achtet, beim nächsten mal macht man es automatisch besser.
    - Ich war auch noch nie im Ausgang, und gehe auch nicht an Studentenpartys. Ich will es auch nicht übertreiben und habe entsprechend auch nie vor, an diese zu gehen. Aber ich bin gerne im Schachverein, dort trifft man immer wieder dieselben Leuten und kann dann kleine Gespräche führen, wie z.B. “Wie läuft es im Studium?”. Bin der Meinung, dass man mit solchen Smalltalks in einer kleineren Gruppe (hier Verein) sich gut daran gewöhnen kann, mit anderen Leuten zu sprechen. Vielleicht hilft es dir, einem (kleineren) Verein oder Gruppe mal beizutreten?


    Schöne Grüsse
    Schachspieler

    Danke für die Antwort :)
    Schade... Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwer für dich gewesen ist... Meine Reaktion hier ist wahrscheinlich auch nicht besonders hilfreich, aber ich wünsche dir eine gute Zeit mit den Leuten in deinem Bekanntenkreis. Ich schätze es sehr, dass du mir von deinen Erfahrungen erzählst.
    Ich werde es höchstwahrscheinlich nicht tun, da ich nicht das Verhältnis zu meinen Mitmenschen riskieren will. Aber wenn ich jemanden wirklich vertrauen kann, dann vielleicht schon. Und im Zweifelsfalle eher nicht, da meiner Meinung nach der "Gewinn" nach so einem Geständnis relativ klein ist. Viel passiert ja nicht.
    Die Zusammenfassungen mit "lange Rede kurzer Sinn" finde ich übrigens recht hilfreich!


    Grüsse
    Schachspieler

    Danke für die Antwort :)
    Danke für den Tipp, ich denke zwar nicht konstant daran, dass ich anders bin aber ich habe wirklich das Gefühl das es mir gut tut, weniger daran zu denken. Ich habe das mit dem dauerndem Alarmzustand zum Glück nicht. Während ich mit Menschen in Kontakt komme bin ich völlig frei von solchen Gedanken. Aber nachher beschäftige ich manchmal mit der Frage ob ich damals nicht unhöflich zu der Person war. Vor allem sind das bei mir Situationen, wo ich ein Gespräch plötzlich abbreche, weil ich etwas anders tun muss. Ich werde es auf jeden Fall mal versuchen.


    Eine Frage: Was hältst du von der Idee, dass man seine Mitmenschen über den ASS informiert? Ich habe das Gefühl, dass ich dann nachher weniger Sorgen machen machen muss, ob ich jemanden nicht verletzt habe. Denn die anderen wissen dann, dass ich es nicht absichtlich getan habe. Aber gleichzeitig mache ich mir auch Sorgen, weil das ASS mit vielen negativen Vorurteilen belastet ist. Ich kenne das recht gut, weil wir in der Schule ein Buch gelesen haben wo der Protagonist ein Aspie war. Und mir haben die Vorurteile meiner Klassenkameraden damals überhaupt nicht gefallen...


    Grüsse
    Schachspieler.

    Hallo MaryM.


    Danke für die Antwort :) Ich bin auch einverstanden, dass man stolz auf seinen Stärken sein darf und sich auf diese konzentrieren kann, ich z.B. studiere auch etwas Naturwissenschaftliches, wo ich meine Fähigkeiten entfalten kann. Ich kann es gut und mache es auch gerne.
    Jedoch bin ich nicht damit einverstanden, dass man sich nicht auch auf die Mängel konzentrieren sollte. Es mag mühsam sein, aber ich bin der Meinung, dass man diese akzeptieren sollte statt zu verdrängen. Erst dann kann man sich verbessern und später ein glücklicheres Leben führen.
    Für mich ist die soziale Integration von Autisten ähnlich wie das von Ausländern: Wenn man sich Mühe gibt, gelingt es gut, wenn nicht isoliert man sich von der Gesellschaft. Es ist nicht einfach eine neue Sprache zu lernen, aber ich würde behaupten, dass sich der Aufwand lohnt.
    Ich hatte auch schon peinliche Momente weil ich auf meine Mängel konzentriert habe: z.B. wenn ich in einem Raum mit ca. 20 Personen hineinkomme und dann "Hoi zäme." sage und mir dann niemand antwortet... Aber diese Momente haben mich nicht gehindert weiter daran zu arbeiten und ich habe das Gefühl ich bin schon relativ weit gekommen.


    Grüsse Schachspieler

    Hallo zusammen :)


    Ich bin ein 19 Jahre alt und wurde schon mit 3 oder 4 Jahren mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert. Man hat dann gesagt, ich könnte später kein oder fast kein selbstständiges Leben führen, da der Asperger bei mir recht stark ausgeprägt war.
    Danach habe ich sofort eine Therapie angefangen, ich lernte Reflexe, die mir fehlten, wie man Blickkontakt aufbaut wenn man mit jemandem spricht, mich in andere Personen hineinzuversetzen usw. Der Erfolg war gross, als kleines Kind hatte ich noch das eine oder andere Problem, aber ich lernte auch nach der Therapie weiter den Umgang mit anderen Menschen und jetzt bin ich schon soweit, dass ich als Student in einer 6er WG lebe und nie Probleme mit meinen Mitbewohnern habe :)


    Jedoch merke ich immer noch, dass ich mich ziemlich von normalen Menschen unterscheide im Verhalten und in der Denkweise.
    Daher meine Frage: Gibt es Leute unter euch, die auch ihren Autismus/Asperger "geheilt" bekommen haben und falls ja, wie seid ihr? Ich frage, weil ich mehr über meine Identität wissen will. Bin ich so wie ich bin, weil das typisch für so ein "geheilter" Asperger ist, oder weil ich mich selber bin?


    Einige Infos zu mir:
    Ich bin ein sehr selbständiger eher Einzelgänger, der aber auch gerne mit anderen Menschen zusammen ist :). Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht sehr gesprächig bin. Ich bin auch ein recht langsamer Denker, ich glaube das liegt daran, dass ich ein schlechtes Arbeitsgedächtnis habe. Man kann aus meinen früheren IQ-Tests und post-therapeutischen IQ-Tests gut sehen, dass mein Arbeitsgedächtnis auf Kosten meiner Kommunikationsfähigkeiten stark abgenommen hat. Ich mag zwar doof wirken weil ich langsam denke, aber dafür freut es mich, dass ich mit anderen Menschen zusammen sein kann. ^^ Mir gefällt es so viel besser. (d.h. langsamer denken als nicht kommunizieren können finde ich besser). Ich konnte aber meine Begabung im logischen denken behalten.
    Ich habe extrem starke moralische Vorstellungen/Gerechtigkeitssinn, die aber trotzdem sehr flexibel sind. Damit meine ich folgendes: Ich würde nicht sagen, dass z.B. stehlen immer etwas böses ist und dass man es nie tun darf. Im Normalfall ist es etwas sehr Schlechtes, aber wenn die Umstände dazu aufrufen, (weil man z.B. einen krankes Kind hat und sich das nötige Medikament nicht leisten kann) dann kann ich auch mit Überzeugung sagen, dass es vielleicht. die einzig richtige Handlung ist.
    Ich bin auch jemand der immer zuerst an andere Leute denkt und dann an mich selber denkt. Ich helfe gerne anderen Leuten, und sehe immer das Gute an den anderen Menschen. Es wäre glaube ich nicht falsch wenn ich behaupten würde, dass ich zu naiv bin.
    In meiner Freizeit spiele ich gerne Schach seit ca. 12Jahren und habe auch mit Karate angefangen. Für das, dass ich so lange Schach spiele bin ich aber nicht besonders stark... Aber es macht trotzdem Spass :)
    Ich habe aber noch kleinere Mängel bei der Kommunikation: Ich kann überhaupt nicht Flirten... Obwohl ich irgendwann einmal eine Freundin/Partnerin haben will... Vielleicht muss ich einfach noch üben den Blickkontakt mit anderen Menschen länger aufrechtzuerhalten und mehr auf die anderen Leute bei Gesprächen einzugehen. Irgendwie geht es halbwegs gut und dann doch nicht und dann bin ich viel trauriger als auf diesem Emoji hier: :( . Es ist aber gut wahrscheinlich dass ich noch mehr Mängel habe, dessen ich mir aber nicht bewusst bin...


    Danke fürs Durchlesen, falls ihr auch Dank/wegen einer Therapie den Umgang mit anderen "normalen" Menschen gelernt habt, würde es mich freuen wenn ich euch beschreiben/Erfahrungen schildern könnt, damit ich weiss, dass es auch andere ähnliche Leute gibt und wie diese sind. :)


    Grüsse von Schachspieler