Posts by Fenja

    Hallo Hoffnung05,


    ich kenne euer Problem ein bisschen. Nach Abschluss meines Physik-Bachelors habe ich gemerkt, dass mich die damit verbundenen Berufe aber überhaupt nicht interessieren. Ich habe erkannt, dass ein sozialer (!) medizinischer Beruf viel mehr meinen Leidenschaften entsprechen. Also bewarb ich mich um Hebamme zu werden und wurde abgelehnt, mit der Begründung Asperger-Autisten seien nicht in der Lage 1. der sozialen Komponente ausreichend Beachtung zu schenken, 2. auch in Notsituationen schnell und zielgerichtet zu handeln und medizinische Verantwortung zu tragen.


    Auf diese freche Absage hin habe ich (und das könnte für euch auch eine Möglichkeit sein), Kontakt zur Rechtsberatung einer Gewerkschaft aufgenommen. Die ist kostenlos für Mitglieder. Einer der Gewerkschaftsanwälte hat darauf hin ein offizielles Schreiben aufgesetzt und deren Bescheid mit dem Antidiskriminierungsgesetzen und anderen zerpflückt. Allein dieses Schreiben hat gereicht, keine Woche später hatte ich einen positiven Bescheid im Briefkasten.


    Soweit muss es auch gar nicht kommen, ihr könnt diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, aber auch wenn ihr das nicht über diesen Weg lösen wollt, die Beratung allein hilft schon ungemein, denn die kennen sich mit diesen juristischen Grundlagen, etc echt gut aus.


    Ich hoffe ihr könnt die Situation lösen, es ist echt ein scheiß Gefühl deshalb abgelehnt zu werden. Aber gebt nicht auf, es ist toll wenn man die Hindernisse überwunden hat und endlich zeigen kann was man kann!


    Liebe Grüße

    Fenja

    Hallo,


    ich bin Asperger-Autistin und habe mit 15/16 Jahren mal Abilify genommen über einen längeren Zeitraum. Ich hatte keine dramatischen Nebenwirkungen, habe es an sich gut vertragen, aber es hat auch von den erwünschten Wirkungen wenig gezeigt. Eigentlich habe ich gar nicht gemerkt, dass ich es genommen habe. Es war alles wie vorher, als hätte ich Tictacs geschluckt.


    Wäre neugierig, ob das bei euch anders war.


    Liebe Grüße

    Hallo zusammen,


    Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass ich Schwierigkeiten habe Grenzübertritte jeglicher Art zu erkennen. Das hängt zumindest teilweise auch mit den Asperger- spezifischen Problemen zusammen, die auftreten, wenn es darum geht Beziehungen zu anderen Menschen zu definieren und Handlungsweisen korrekt einzuordnen. Mit Handlungsweisen einordnen meine ich, zu erkennen, wann eine Handlung freundschaftlich, nur höflich oder zum Beispiel sexuell konnotiert ist.

    Schon seit meiner Kindheit beobachte ich eine sehr schematische Vorgehensweise bei mir, wenn es um das Thema Beziehung geht. Ich habe mehrer „Bedienungsanleitungen“ für zwischenmenschliche Kontakte im Kopf, die ich mir analytisch erarbeitet habe. Welche davon jeweils zum Einsatz kommt, ist bestimmt durch die Definition, die eine Beziehung von mir erhält. Da wäre eine für Freunde, eine für Beziehungen, eine für enge Familienangehörige, eine für periphere Familienangehörige, eine für Sexualkontakte und so weiter. Dieses System hat aber natürlich einige Schwächen, weil manchmal auch die Übergänge fließend sind.


    Mein Problem ist jetzt, dass ich oft, wenn Grenzübertritte (nicht unbedingt im juristischen Sinne, sondern im Sinne dieses Schemas) auftreten, ich mit der Situation heillos überfordert bin und innerlich erstarre, das bedeutet, ich kann mich aus dieser Situation nicht mehr selbst befreien oder zumindest nur sehr schwierig. Ich fange an mich stark zu bewegen und zu zappeln, in der Hoffnung das jemand die Hand wegnimmt, aber sie einfach wegzustoßen oder etwas zu sagen geht nicht mehr. Mir fällt an der Stelle eine Parallele zu schlimmen Stresssituationen auf, in denen ich in Mutismus verfalle. Auch da passiert diese Erstarrung und die Unfähigkeit zu sprechen. Von Mutismus bin ich insgesamt leider stark betroffen.


    Wenn nun aber jemand, den ich bisher in die Kategorie Freunde eingeordnet habe (das passiert sehr schnell) einen sexuellen Annäherungsversuch startet, erstarre ich und ich komme da erst langsam mit Ruhe und Zeit wieder raus. Die Folge davon ist, dass ich schon oft in Situationen geraten bin, die mich nachhaltig beschäftigt haben, weil ich mich zu Dingen genötigt gefühlt habe, die ich nicht wollte.


    Jetzt ist es aber so, dass ich auch nicht genau einschätzen kann, wann jemand wirklich übergriffig war und wann jemand mich einfach aufgrund dieses Schema-Systems überrumpelt hat.

    Leider werde ich häufig, wenn ich solche Situationen im Nachhinein anspreche als überempfindlich dargestellt oder es kommt der Vorwurf: Hättest ja nein sagen können, wenn du das nicht tust, willst du es auch.


    Kennt ihr das? Wie geht ihr damit um? Wir kommuniziert ihr diese Dinge? Ich bin für alle eure Eindrücke und Gedanken zu dem Thema dankbar, eine richtige Frage kann ich kaum formulieren, weil das gerade so aufgewühlt ist in meinem Kopf. Mit meiner Psychologin aus dem Therapiezentrum habe ich darüber bereits gesprochen, sie sagte von den Erfahrungen anderer Autisten zu hören sei an der Stelle vielleicht hilfreich.


    Ich hoffe ich habe das alles einigermaßen nachvollziehbar dargestellt. Vielleicht ist es auch einfach verrückt und unnötig, dass ich mir deswegen Sorgen mache, aber es beschäftigt mich zur Zeit sehr, nachdem ein sehr unangenehmer Zwischenfall mit jemandem passiert ist, der mich nicht richtig loslässt.


    Vielen Dank an alle schon mal.

    Fenja

    Danke für eure Einschätzungen! Und ihr haltet es nicht für problematisch, dass es ein Paar ist? Ich meine die Beziehung der beiden scheint gut zu laufen, aber es gibt keine Garantie, dass das immer so sein wird, und eine Trennung könnte bedeuten, dass sich die Konstellation ohne Vorherankündigung wieder ändert. Und ich habe Angst, dass sie sich nachher wie das fünfte Rad am Wagen vorkommt. Sie treffen sich zwar heute auch schon viel zu dritt und so hat sie sich noch nie gefühlt, aber zusammenzuleben ist dann ja doch nochmal etwas anderes.

    Hallo ihr Lieben.


    meine Tochter ist Betroffene vom Asperger-Syndrom. Sie studiert seit anderthalb Jahren in Graz und lebt seit zwei Monaten in einer WG, in der sie aber Probleme hat. Diese Probleme haben aber mit ihrer Behinderung nicht nichts, aber doch wenig zu tun. Ihre Mitbewohner wissen davon und ihre Kommunikation funktionierte nach ein bisschen Eingewöhnungszeit einigermaßen gut. Da sie aber von unseren Vorlieben und Interessen her sehr unterschiedlich sind, gibt es Probleme. Wenn Partys stattfinden ist das sehr unangenehm für sie, ihre Mitbewohner kiffen viel und durch ihre Reizanfälligkeit ist der starke Geruch für sie extrem unangenehm und auf Dauer belastend. Sie sind eine Vierer-WG (2 Frauen und 2 Männer), und mit einem der Männer versteht sie sich auf menschlicher Ebene nicht so gut, aber sie kommen miteinander aus. Wenn sie sich in der Küche treffen um einen Tee zusammen zu trinken, geht es fast immer um die Männer, die die anderen in der letzten Zeit kennengelernt haben und andere soziale Geschichten, bei denen sie nicht mitreden kann und die sie auch nicht besonders interessieren. Dadurch fühlt sie sich oft stark isoliert.


    Nun zu ihrem Problem: Im Nachbarhaus gibt es eine andere dreier-WG und dort lebt ein Pärchen, mit dem sie sehr eng befreundet ist, mit einer Mitbewohnerin. Diese Mitbewohnerin zieht aus und die beiden haben meine Tochter gefragt, ob ich das Zimmer haben möchte. Sie hat mich um Rat gefragt und ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite, würde sie, glaube ich, super gerne mit denen zusammen wohnen. Sie wissen von ihrer Behinderung, kommen wunderbar damit klar, reden sehr offen über alles, sind beide (!) ihre besten Freunde und die Wohnung ist einfach toll. Die Mitbewohnerin, die jetzt auszieht hat ihr auf diskrete Nachfrage gesagt, dass ihr Auszug nichts mit der Konstellation zu tun hat, das das Zusammenleben ein 1+1+1 und kein 2+1 Zusammenleben war, falls ihr versteht was ich meine. Auf der andere Seite ist mir und ihr jetzt von allen Seiten eingeredet worden, dass sie niemals mit einem Paar in eine WG ziehen sollte. Hat jemand Erfahrung damit? Was würdet ihr eurer Tochter raten?


    Eure Meinung würde mich sehr interessieren, vor allem Hinblick auf die spezifischen Schwierigkeiten einer Frau mit ASS. Ich könnte mir nämlich auch vorstellen, dass diese Konstellation für sie besonders gut geeignet ist. Wenn sie sich nämlich Rückzug braucht, können die anderen beiden sich auch mit sich selbst beschäftigen und sie wüsste, dass die Mitbewohner sich untereinander alle gut verstehen. Das Risiko wäre zumindest in der Hinsicht geringer. Aber in anderer vielleicht höher.


    Vielen Dank schon mal!


    P.S. Nicht wundern wegen des Namens, ich schreibe vom Account meiner Tochter.

    Hallo zusammen,


    ich habe eine Frage: gibt es gute Filme oder Serien bei denen der (Asperger-)Autismus einigermaßen vorurteilsfrei und realistisch dargestellt ist? Müssen keine Hollywood-Blockbuster sein :) Es muss sich auch nicht explizit um Autismus handeln, wenn es nur eine über ein Mindestmaß hinaus präsente Nebenrolle ist, ist es auch gut.


    Liebe Grüße

    Fenja

    Hallo ihr Lieben,


    für mich ist gerade das Thema Bedarfsmedikation sehr interessant, weil ich demnächst über die Uni an einem Kongress teilnehme. Ich bin Studentin und selbst Asperger-Autistin. Die Teilnahme hat mich eine Menge Überwindung gekostet, aber ich möchte diese Erfahrung unbedingt machen. Von Kommilitonen, die von meiner Behinderung nichts wissen, habe ich mich überreden lassen einen Deligiertenposten zu übernehmen. Dieser Kongress geht über ein ganzes Wochenende (Freitag, Samstag, Sonntag, jeweils den ganzen Tag) und wird sehr anstrengend werden. Schon früher habe ich mich wegen dieses Themas informiert (wegen Overloads und mehreren psychischen Zusammenbrüchen im Unikontext), aber durch den Kongress wird der Bedarf akut.

    Habt ihr Erfahrungen mit (vielleicht pflanzlichen) Beruhigungsmitteln, die ich einsetzen kann, falls es in der fremden Stadt, mit den fremden Leuten zum Kollaps kommt? Es ist als Notfallmedikament gedacht, nur wenn es wirklich nötig sein sollte. Auch Vorschläge welche Medikamente überhaupt in Frage kommen wären gut, damit ich meinen Hausarzt auf etwas konkretes ansprechen kann.


    Vielen Dank schon mal

    Fenja

    Hallo ihr Lieben,


    eine kurze Zusammenfassung zur Vorgeschichte. Ich bin 20 Jahre alt, weiblich und habe seit ich 16 bin die Diagnose. Anfang diesen Jahres bin ich für das Physikstudium in eine andere Stadt gezogen. Es war zugegebenermaßen ein Sprung ins kalte Wasser, den ich aber bisher nicht bereut habe. Als ich mit 16 die Diagnose erhalten habe, war das zwar zuerst ein Schock, aber nach einiger Zeit hatte ich meinen Frieden damit geschlossen. Danach wurde das Verhältnis zu meinen Eltern viel besser, weil plötzlich all die Dinge, die vorher schief gelaufen waren einen Sinn ergaben. Insofern war alles gut. Jetzt bin ich an der Uni und stoße heftiger und öfter an meine Belastungsgrenzen als jemals zuvor. Eigentlich sollte das Studium selbst nicht das Problem sein. Zusammenhänge aus der theoretischen Physik habe ich schon mit 14 herleiten können, die andere sich im Studium mühsam erarbeiten müssen. Für diese Fähigkeiten bin ich ungeheuer dankbar. Nun ist es aber so, dass ich mit den äußeren Bedingungen kein bisschen zurechtkomme. Jeder Tag, den ich bei Vorlesungen und Tutorien verbringen muss, ist nach spätenstens drei Stunden eine Qual. In der Mensa essen ist komplett unmöglich. Der (psychische) Druck der auf mir lastet ist enorm. Die wöchentlichen Abgaben der Matheaufgaben, die mir eigentlich so leicht fallen müssten, werden zur Tortur und darunter leiden natürlich nicht nur mein Selbstbewusstsein, sondern auch meine Noten. Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht, bzw. wie habt ihr euren Uni-Alltag organisiert? Gibt es Wege besser zurechtzukommen? Instituationen an die man sich wenden kann? Einen Nachteilausgleich habe ich schon, der gilt aber nur für Prüfungen und macht damit den Semesteralltag nicht einfacher. Ich bin einfach total überfordert und denke ans abbrechen, obwohl ich das nicht tun sollte. Das Physikstudium ist ein großer Traum von mir, den ich so schnell nicht aufgeben möchte. Wie ich weitermachen soll, weiß ich aber auch nicht so richtig. Die Zeiten, in denen ich mit dem Asperger-Syndrom meinen Frieden geschlossen hatte sind definitv vorbei und die Probleme mit meinem Selbstbild werden immer schlimmer (Ich kriege immer mehr das Gefühl ich wäre einfach zu dumm dafür, was das schlimmste ist, weil mein Verstand mein ganzes Leben mein wichtigstes Kapital gewesen ist).
    Ich weiß nicht ob dieses Forum die richtige Plattform dafür ist, aber ich habe schon oft mitbekommen, dass Probleme mit dem Selbstbewusstsein etc. genauso zum Autismus dazu gehören, wie andere Dinge auch. Ich bin für jede Idee dankbar.

    Alles Liebe,
    Fenja