Fritz, vielleicht liegt es ganz einfach daran, dass die Menschheit heute permanent mit allerlei Informations-, Sensibilisierungs-, Aufklärungs- u. dgl. -kampagnen vollgepumpt wird. Wenn man davon ausgeht, dass die menschliche Aufmerksamkeit ein unendliches Gut ist, dann ist es tatsächlich nicht ganz nachvollziehbar, weshalb die Strategie "mehr vom Gleichen" nicht fruchtet.
Nun ist allerdings die menschliche Aufmerksamkeit nicht unendlich. (Das ist bekanntlich nur bei der menschlichen Dummheit und – vielleicht – beim Universum der Fall.) Und etwa auch für die Zeit und die menschliche Energie gilt: Alles ist begrenzt.
Und da die menschliche Aufmerksamkeit nicht unendlich ist, ist die Beanspruchung von derselben dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens unterworfen. Nur schon bei "mehr vom Gleichen" nimmt die Trefferquote ab. – Jetzt ziehen wir das Ganze aber noch in die Breite: Es gibt viele Anspruchsgruppen, viele "Aufmerksamkeitserhascher". Und es gibt davon immer mehr. Du hast selber ein paar aufgezählt: Die Depressiven, die Borderliner, die Schizophrenen, die Bipolaren, die Phobiker, und und und... (Dabei sind wir immer noch "lediglich" im Bereich der psychischen Störungen!) Nun: Alle Anspruchsgruppen wollen das auch, die wollen auch Aufmerksamkeit! Also "mehr von allem"! Und jetzt sind wir bereits ganz schnell im Bereich, wo der Grenznutzen sogar negativ wird.
Dass andernorts Autismus "allseits" ein fester Begriff sein soll, ist möglich. Dort, wo dem so ist, gibt es aber ebenfalls jenste Gruppen, die sich als die Zu-Kurz-Gekommenen fühlen...
... Vielleicht ist es aber auch schlicht etwas selektive Wahrnehmung.