Vielen Dank für deinen Beitrag als Mutter eines betroffenen Kindes, es freut mich sehr zu hören, dass sie es gut hat mit Freundschaften pflegen in ihrer Umgebung/Schule.
Nun ja, die Schule ist ein Thema für sich. Meine Tochter hat die Diagnose erst vor einem Jahr, knapp vor ihrem 16. Geburtstag bekommen. Ihre einzige Freundin ist noch aus der Regelschule und in der Stiftung wo sie jetzt ist hat sie bis jetzt niemand gefunden den sie selber als Freundin bezeichnet. Sie sagt einfach, dass sie mit diesem oder jenem Schüler gut auskommt. Mit wem von ihrer Wohngruppe sie es lustig hat und wen sie doof findet.
Es ist nochmal ein anderes Thema, wenn man als erwachsene Person durchs Leben geht ohne Anschlussmöglichkeiten. Es würde mich wirklich sehr interessieren, noch von anderen Betroffenen auf dem Spektrum hier zu hören.
Meine Mutter hat einmal gemeint, dass ich auch im Spektrum sein könnte und das abklären soll. Einfach weil sie Parallelen zu meiner Tochter sieht. Anscheinend bin ich als Kind nicht so anders gewesen als meine Tochter. Es könnte durchaus sein, aber im Moment ist eine Abklärung nicht möglich weil bei meiner Tochter noch nicht ganz alles nach Plan läuft.
Ich bin im Moment also eher so eine Art "Verdachts-Fall". Trotzdem habe ich immer meine Schwierigkeiten gehabt.
Meine beste Freundin aus der Schulzeit hat in den Kanton Bern geheiratet und damit wohnt sie mit ihrer Familie weit weg. Die Kommunikation ist schwierig geworden und irgendwie ist unsere Freundschaft "versandet". Keine von uns hat bewusst den Kontakt abgebrochen. Irgendwie passt es einfach nicht mehr. Neue Freundschaften zu finden hat so seine Tücken. In der Berufsschule habe ich durchaus eine Freundin gehabt, aber auch hier ist es nicht auf Dauer gewesen und wir haben uns aus den Augen verloren. Seit der Lehrabschlussprüfung habe ich nichts mehr von ihr gehört. Kurz nachdem von daheim ausgezogen bin habe ich eine Freundin gefunden wo ich manchmal auf ihre kleine Tochter aufgepasst habe. Wir haben es immer gut gehabt zusammen und dass wir nur zwei Strassen voneinander weg gewohnt haben ist super gewesen. Ich habe geheiratet und wir mussten zügeln. Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört. Auch hier hat keine von uns bewusst die Freundschaft beendet. Irgendwie passiert mir das immer wieder.
Neue Kontakte knüpfen geht auch mit Haustieren. Wir haben lange einen Hund gehabt und beim spazieren gehen trifft man andere und es können durchaus Freundschaften entstehen. Sie sind zwar nicht so eng wie wenn man allerbeste Freunde wäre, aber es ist trotzdem schön. Man kann abmachen wann man zusammen spazieren gehen will und nachher zusammen noch einen Kaffe trinken. Unsere Hündin ist vor einigen Jahren mit fast 18 Jahren gestorben und wir haben seither keinen Hund mehr. Dafür zwei Kinder wo ich an Elternabende und so muss...
Ich habe vor gut zehn Jahren mit dem Mittelalter angefangen. Es tönt vielleicht doof, aber beim Einstieg in die Szene hat das Internet geholfen. Genauer gesagt ist es ein entsprechendes Forum gewesen. In der Mittelalter-Szene ist man irgendwie wie eine riesige Familie wo sich alle gegenseitig helfen wenn es nötig sein sollte. Da macht es dann keinen Unterschied ob du als Besucher an einem Mittelaltermarkt bist oder mit einer Gruppe als Darsteller dort etwas vorführst. Zufällige Kontakte können durchaus zu etwas grösserem werden. Ich bin seit drei Jahren mit meiner Familie mit einem Handwerker-Stand am Mittelaltermarkt in Burgdorf dabei. Leute kennen lernen passiert da von selbst.
Was ich dieses Jahr für mich entdeckt habe ist das LARP (LiveActRolePlay) wo man einfach das ist was man sein möchte. Da wirst du nicht in ein Schema gepresst, sondern kannst so sein wie du möchtest. Vielleicht eine schweigsame Druidin die vor sich hin philosophiert? Kein Problem. Setz dich an einen Ort wo du wahrgenommen wirst und die anderen Spieler werden auf dich zukommen. Geheimnisvolle Personen sind schliesslich interessant... Du kannst aber genau so gut eine Kriegerin sein und den nächst besten Spieler in ein Duell verwickeln. So oder so werden die anderen Spieler auf dich zugehen. Du brauchst nur eine Figur die zu dir passt und bei der du nicht maskieren musst. Informiere dich was für Kleidung sie trägt und ob sie spezielle Dinge braucht. Ich habe mich für eine Magierin entschieden. Da brauche ich nicht so viel Action, werde aber auch mit ein bezogen wenn es irgendwie etwas zu zaubern gibt. Gleichzeitig kann ich mich auch mal zurück ziehen. Letzten Samstag bin ich an einem Anlass gewesen wo plötzlich ein Portal mit Magie repariert werden musste. Man hat mich dazu geholt weil man vier Elemente halt nicht zu dritt kontrollieren kann. Ich kann aber genau so gut da stehen und "laut denken" was dann andere wieder neugierig macht. Auch hier ergeben sich Kontakte über die Figuren die man spielt weil die ab und zu miteinander etwas machen wollen oder müssen. In der Regel gibt es eine Spielleitung die das etwas steuert wenn es eine bestimmte Geschichte geben soll. Hier läuft vieles über Discord wo manchmal Sachen abgesprochen werden, die dann im Spiel passieren sollen. Das kann schriftlich im öffentlichen Chat, über private Nachrichten oder auch mal per Video-Call sein. Ich bin da gerade in den Vorbereitungen für ein Ritterturnier in mehr oder weniger regelmässigen Kontakt mit einer "Gräfin" (in echt ist sie Lehrerin) wo ich in ihrem Gefolge an einem Ritterturnier dabei bin. Dazu gehört auch ein "Priester" (in echt hat er einen anderen Beruf) mit dem meine "Magierin" einen Fluch lösen soll. Wir treffen uns an einem Anlass, natürlich rein zufällig, wo wir das als "Priester" und "Magierin" besprechen und vielleicht auch etwas planen wollen. Mal schauen was daraus wird und wie die anderen Spieler darauf reagieren. Es wird ganz sicher lustig werden. Was ich am LARP auch schön finde ist, dass es bezahlbar ist. Auch wenn du nur eine IV-Rente hast kannst du problemlos mit machen.
Ich habe zwar gerne meine Ruhe, aber nur online Kontakt mit anderen zu haben finde ich trotzdem doof. Ab und zu ist schon mal etwas "in echt" nötig. Etwas mehr als nur einkaufen und dort zufällig Bekannte treffen oder an einem Elternabend in der Schule mit den Eltern von 32 Schülern in einem Raum zu hocken. Die Klasse von meinem Sohn ist riesig und ich habe da schon lange den Überblick verloren wer zu welchem Kind gehört. Naja, mittlerweile sind die Kinder ja Teenager und organisieren sich selbst wenn sie zusammen etwas machen wollen. Manchmal bin ich echt neidisch auf meinen Sohn mit seinen vielen Freunden. Ich habe das in seinem Alter nicht geschafft.
Du fragst dich jetzt sicher ob ich arbeite. Nein, das tue ich nicht. Ich habe da nach der Lehrer einen grandiosen Fehlstart hin gelegt und nachher nie richtig den Anschluss gefunden. Mittlerweile finden viele, dass ich doch arbeiten könnte wo die Kinder schon so gross sind. Würde ich ja gern, aber auf meinem gelernten Beruf (KV) habe ich schon lange den Anschluss verloren und würde den Einstieg wohl kaum schaffen. Eigentlich wäre es ja schon schön zwei oder drei Tage pro Woche zu arbeiten, aber ich habe ehrlich keine Ahnung welche Arbeit das sein könnte.