Posts by Spirou et Fantasio

    Hi :)

    Wir sind zwar an einem ähnlichen Punkt (autistischer Burnout), interessanterweise, kann ich dir aber auf die einige deiner Frage keine Antwort liefern. Hier das, was ich sagen kann:

    Es gibt diverse Stellen, die helfen. Ich regle Sachen lieber selbst, daher weiss ich die Stellen nicht auswendig. Pro Infirmis ist unter anderem eine gute Anlaufstelle. Am besten telefonierst du (meine E-Mail ging unter, kann aber Zufall sein). Am besten besprichst du dort, wo du dich weiter für Fristen etc. wenden kannst.

    Den Therapeuten habe ich mit meiner Hausärztin gesucht. Nach einigen Sitzungen wechselte ich den Therapeuten allerdings, weil ich bemerkte, dass er mich nicht versteht und ich ihn nicht. Habe das mit meiner Hausärztin abgesprochen und habe selber Therapeuten gesucht und angeschrieben. Tipp: Therapeuten suchen, es versuchen und notfalls (ohne wenn und aber) wechseln. Meine Therapeutin fand ich hier: https://www.autismus.ch/adressen/zueri…achsene-11.html

    Ich denke, es braucht Zeit. Mir hilft Sport sehr und habe angefangen einfach mal komplett 0 zu maskieren. Es ist sehr unangenehm zu Beginn, aber man gewöhnt sich daran und ist eigentlich gar nicht so schlimm, wie man es sich denkt. Wenn du Freunde, Bekannte, Familie hast, die dich unterstützen, ist das sehr hilfreich. Ich schaue, dass ich immer wieder mit Leuten sprechen kann, die zwar nicht autistisch sind, aber ich ihnen zumindest vertrauen kann. Ich mache mit ihnen klare Regeln aus wie Zeit, Ort, keine Überraschungen, warne meine 0-Maskierung vor etc. Falls Personen nicht hilfreich sind (z.B. Familie), dann habe ich den Kontakt auf ein Minimum reduziert (man muss seine Energie managen).

    Ich würde sagen, ein wichtiger Punkt ist Selbstakzeptanz. Es ist egal, was andere denken, so wie es egal ist, was wir über andere denken. Wir sind alle nicht perfekt :) Was ich vermeiden würde: innerlich zu verbittern und Panik.

    Bezüglich Treffen: Es gibt einige Leute, die hier nach Treffen suchen und fragen. Irgendwo gibt es auch eine Liste mit organisierten Treffen. Vielleicht sendet diese jemand anderes noch (ich finde sie gerade nicht).

    Quercusxylem Ja, genau. Du scheinst verstanden zu haben, was ich formulierte.

    Worauf willst du mit der Unterstreichung meines Nebensatzes zu den anarchistischen Bewegungen in Spanien und Katalonien hinaus? Bin verwirrt, kannst du das anders oder genauer formulieren?

    Dein eigener Nebensatz demonstriert eines der grossen Probleme alternativer gesellschaftlicher Hierarchien ohne Machtstrukturen - sie werden platt gemacht. Kurzum: Wir sind uns in diesem Punkt vermutlich einig :) Finde ich persönlich schade, dass die aktuelle Realität so ist (platt gemacht werden), weil ich schon denke, dass wir eigentlich frei leben sollten. Dafür sind wir Menschen aber leider noch nicht bereit (zeigt sich u.a. am Bedürfnis andere platt zu machen, um stringent beim Besprochenen zu bleiben).

    Was fasziniert dich denn insbesondere an der Wechselwirkung zwischen Menschen?

    Es gibt durchaus Alternativen zur gesellschaftlichen Organisation ohne Machthierarchien. Eines davon ist Rojava. Es gab auch den Anarchosyndikalismus in Spanien und Anarchismus in Katalonien, bevor diese von Bürgerlichen und autoritär denkenden Menschen platt gemacht wurden.

    Genau dieser Nebensatz ist das grosse Problem.

    Das Unglück der UDSSR war nicht nur seine Grösse, sondern auch fehlende Bildung im grossen Teil der Bevölkerung und Mechanismen und Machtinteressen welche zur Diktatur geführt haben.

    Kann ich mir gut vorstellen. Die Unmündigkeit der Menschen trägt freilich zur Problematik bei. Die 1-Millionen-Dollar-Frage lautet dann aber: "Was ist denn der korrekte, gesunde, nachhaltige zu lernende Inhalt?". Und jetzt wird's knifflig. Das Lernen der Person A über Macht und Mechanismen führt unweigerlich zu Konflikten mit Person B, wenn die Quelle bzw. der Inhalt nicht exakt dieselben sind. Die Erlernung von Verständnis führt paradoxerweise zu Konflikten. Wie auch schon in Goethes Faust der Pakt mit dem Teufel geschlossen wurde. Wenn man so möchte sind wir im übertragenen Sinne Gefangene unserer Selbst.

    Was interessiert dich an Psychologie, Philosophie und Religion am meisten oder liest du mehr Querbeet?

    Um mich kurz zu halten: Die Funktionsweise des Menschen - des anderen und des Ichs.

    aibaf Ist der Bookcircle so eine Art Forum über Bücher, um miteinander darüber auszutauschen und einander über neue Bücher zu inspirieren?

    Wenn er heute noch leben würde, wäre er bestimmt geschockt, wie die Realität vielerorts seine Erzählung bereits ein- und überholt hat.

    Wäre er "geschockt" oder "ernüchtert"?

    [...] aber meiner Interpretation nach auch an alle anderen gerichtet ist.

    Ja, finde ich auch. Es zeigt, wie Menschen sich einig sind, dass etwas nicht gut ist, aber sich dennoch uneinig sind, was die beste Lösung ist. Finde die kürzlich stattgefunden Revolution in Nepal passend. Die jungen Leute rebellieren, sind aber nicht in der Lage eine Einigung zu erbringen, so übernimmt das Militär, die haben sich geeinigt (Arte Doku auf YouTube). Farm der Tiere weist für mich darauf hin, dass nach einer (berechtigten) Revolution aufgrund Unterdrückung, lediglich eine neue Form der Unterdrückung folgt. Der Mensch an sich ändert sich nicht, es sind dann nur neue Leute (Fleisch) mit neuen Formen, aber im Kern bleibt das Problem bestehen (Geist).

    Ich bin gerade bei Band 2 der Spooks-Reihe Der Fluch des Geisterjägers dran. Der Inhalt ist ziemlich heftig.

    Was genau am Inhalt ist heftig?

    Wenn ihr grundsätzlich Tipps für neue Bücher, oder ganz speziellen Austausch mit anderen Leseratten, auch solchen die nicht im Spektrum sind, möchtet könnt ihr beim Bookcircle mit machen.

    Klingt spannend! Erzähle mehr vom Bookcircle. Ist der Austausch eher story-based oder wird es auch philosophisch / soziologisch? Ist es auch geeignet für Sachthemen-Kundler?

    Ja, ich schaue Anime, aber nicht allzu viel. Folgende Animes habe ich geschaut: Detektiv Conan (viele Episoden sind leider unglaublich langweilig geworden), Magic Kaito, Spy x Family, Meisterdetektiv Ron Kamonohashi, Norigami, Yu-Gi-Oh! Duel Masters (die neuen nicht mehr) & Studio Ghibli Filme

    Was ist denn dein absoluter Lieblings-Anime?

    Lieblingsbuch ist bei mir schwierig. Ich lese ausschliesslich zur Informationsgewinnung und somit Sachbücher. Meistens lese ich ein Buch, ziehe Schlüsse daraus und gehe weiter zum nächsten Buch.

    George Orwell klingt spannend. Es gibt so viele Sachen, um über den Inhalt und die Gesellschaft nachzudenken :)

    Hi :)

    Lese ausschliesslich Sachbücher. Unter anderem zu Psychologie, Philosophie & Religion.

    Lese gerne hin- und wieder ein Buch / Bücher der drei ???

    Die Drei ??? sind natürlich auch super. Habe ich bereits Jahre nicht mehr gelesen ^^

    Also komödiantische Krimis (Schmunzelkrimis) mag ich gerne nebst den drei ???.

    Schaust du auch Anime? Kennst du gute komödiantische Krimis nebst "Spy x Family", "Meisterdetektiv Ron Kamonohashi" oder "Detektiv Conan"?

    Si-Fi und Fantasy

    Was sind deine Lieblingsbücher?

    murm3leen Finde die Frage auch eher unspezifisch im Sinne von, dass ich nicht genau die Schwierigkeit verstehe, sondern Vermutungen anstellen müsste. Was meinst du denn genau mit "lockerer ungezwungener Gesellschaft" und "stimmig sein"? Das ist subjektiv. Inwiefern maskierst du dich in sozialen Situationen? Was passiert denn genau, wenn du dein Maske weglässt? Was ist deine Schwierigkeit, mit anderen zu verbinden (abgesehen davon, dass in diesem Forum wenig Leute reagieren)?

    Für mich selbst sind soziale Interaktionen immer anstrengend, aber gut machbar, und habe (untypischerweise) viele Freunde. Ich denke demnach, wir befinden uns nicht in der gleichen Situation bzw. haben andere Schwierigkeiten (obwohl die Kern-Symptomatik gleich ist). "Kennst du einen Autisten, dann kennst du eben nur einen Autisten".

    Allgemein würde ich anmerken, dass es in der Schweiz schwieriger ist Leute intiierend kennen zu lernen. Gehst du in den europäischen Süden oder in die Staaten (je nach dem wo genau), dann sind die Leute viel offener und proaktiver. Es gibt viele Berichte darüber, dass Einwanderer in die Schweiz wieder ausreisen, weil sie keinen Zugang finden und sozial innerlich zermürben. Es geht also nicht nur dir so, sondern ist mitunter der kulturellen Eigenart mitgeschuldet. Kurz gesagt neigen Schweizer eher dazu, in einem kleinen, ihnen bekannten Rahmen zu bleiben. Es gibt Vergleiche, dass Schweizer eine harte Schale und weichen Kern haben. Es ist schwierig, sich mit unbekannten Personen anzufreunden, sobald man diese Hürde schafft, sind sie dafür offen und loyal.

    Was kann man also machen? Ich denke, du machst es bereits ganz gut, mit deiner Idee selber proaktive Leute zusammen zu bringen :) Hier einige Hinweise, die mir geholfen haben:

    • Kleine Gruppen: Treffen mit nur einer oder zwei Personen fallen mir deutlich einfacher.
    • Interessen: Ich versuche rauszufinden, was die Leute bewegt, informiere mich (kurz) über diese Themen und bringe es in nächsten Treffen wieder ein. Stell dir vor: Wie würdest du dich fühlen, wenn du plötzlich jemanden triffst, der dich nicht nur über dein Spezialinteresse ausreden lässt, sondern sogar noch das eine oder andere mitreden kann?
    • Zuhören: Einfach die Leute reden lassen. Es fällt mir viel einfacher, wenn ich die Leute ausfrage und ich immer weiter nachfrage. Die meisten Leute reden sehr gerne darüber, was sie beschäftigt. Sie fühlen sich genau auch so, dass sie das Gefühl haben, nicht immer ausgelassen sprechen zu dürfen. Ich biete den Leuten den Raum, genau das zu tun.
    • Positivität: Ich versuche zu vermeiden, Kritiken an der Person zu äussern. Wenn mir etwas unlogisch erscheint, dann rahme ich auf der Sachebene ein. Damit vermeide ich, dass Leute sich angegriffen fühlen.
    • Komplimente: Menschen hören immer gerne Komplimente. Insbesondere, wenn sie begründet sind (gibt Studien darüber). Als Autist gebe ich stets ehrlich gemeinte Komplimente und begründe sie meistens kurz.
    • Geduld: Es braucht Zeit, bis man einander kennt und vertraut. Mal geht es schneller, mal langsamer.
    • Sich selbst sein: Viele Leute empfinden es sogar als angenehm, mit jemandem sprechen zu dürfen, der eben nicht sozial manipulativ ist, sondern mit jemandem, der offen, ehrlich und vielleicht auch etwas anders ist. Selbst wenn man Sachen direkt anspricht, sehen das viele Leute sogar als Stärke, nicht als Schwäche.
    • Sich selbst treu sein / verzeihen & Selbstvertrauen: Wenn es mit jemandem nicht klappt, dann ist das kein Versagen - weder für einen selbst, noch für die andere Person. Manchmal erlauben es die Umstände nicht. Man hat vielleicht einen vollen Terminplan, man missversteht sich, oder was auch immer der Grund ist. Wie oben bereits beschrieben, fällt es nicht nur Autisten schwierig, sich mit Leuten zu verbinden. Es gibt aber genügend Leute, die eine loyale Freundschaft wertschätzen.

    Wo kann man Leute finden? Im Prinzip überall. Ich verzichte hier auf eine lange, mögliche Auflistung von spezifischen Orten. Wie einige bereits erwähnten, ist die Findung eines geeigneten Ortes sehr gut und sinnvollerweise kombinierbar mit den eigenen Interessen.

    Ich möchte nochmals anmerken, dass die oben erwähnten Punkte mir geholfen haben. Ich kenne deine Situation nicht und vielleicht sind sie nich passend für deine Situation. Aber ich hoffe, dass es das eine oder andere gibt, das dir hilft :)