Posts by Kopfkino

    Hier wird es wohl keine rechtliche Auskunft geben, da wir keine Rechtsanwälte sind. Es gibt von Pro Infirmis und Pro Mente Sana diverse Beratungen, auch Rechtsberatung, vielleicht können diese helfen. Eine weitere Anlaufstelle könnte kescha, die Anlaufstelle Kindes- und Erwachsenenschutz sein. https://kescha.ch/de/kontakt/

    Je nach dem wie gut dein Kontakt zu deinem Sohn ist, kannst du das Gespräch mit ihm suchen und ihn zu einem Termin mit dem Beistand begleiten oder unterstützen dort gewisse Dinge anzusprechen, um weitere Hilfe zu bitten, etc.

    Ansonsten gibt es natürlich den Weg über Gerichte bzw. davor sollte das Gespräch mit dem Beistand gesucht werden. Es gibt auch die Möglichkeit von einem Antrag auf Beistandswechsel.
    Eine entsprechende rechtliche Fachperson kann da mehr Auskunft geben.

    Guten Tag Herr Glüer

    Vielen Dank für die Erklärungen und Ihre Sichtweise. Ich gehe auf gewisse Punkte ein, dort wo ich einen Input geben kann. Viele Ihrer Einschätzungen und Erklärungen sind einleuchtend und sinnvoll, auf diese gehe ich nicht mehr ein.

    Auch wenn ich mir nach Ihren Schilderungen gut vorstellen kann, dass der Junge die Aggression auch instrumentell nutzt, um seinen Willen durchzusetzen, ist Aggression immer auch ein Versuch zu kommunizieren, es geschieht aus der Not heraus und nicht zuletzt gehört es zur kindlichen Entwicklung.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Junge genau dann, wenn er das aggressive Verhalten zeigt seine Frustration gar nicht anders zeigen kann zum Beispiel mit Worten. Dies kann er zwar einige Minuten davor und danach aber nicht genau am Höhepunkt, dort gibt es für ich nur noch das Schlagen. Trotzdem muss hinter das auslösende Problemverhalten geschaut werden (was Sie auch tun).

    Was ich mich grundsätzlich frage, wie lange soll dieses Token-Belohnungssystem aufrechterhalten werden? Irgendwann muss der Junge ja auch ohne «normal» funktionieren können. Im Hinblick darauf kann das ganze bereits jetzt konfiguriert und angepasst werden im Sinne von weniger mit gegenständlichen Belohnungen zu arbeiten dafür mehr mit Worten (ähnlich wie Komplimente unter Erwachsenen, da gibt es ja auch nicht jeden Tag ein Geschenk dafür Lob oder Komplimente). Man könnte zum Beispiel die Belohnung darauf ausrichten, wie er mit dem nahenden aggressiven Verhalten umgeht bzw. nicht zeigt. Also nicht mehr die anderen positiven Dinge, die er während dem ganzen Termin zeigt zu belohnen sondern gezielt positives Verhalten anstelle vom Schlagen.

    Auch wichtig der Hinweis, dass im Nachgang zu meinem Termin die aufgestauten Emotionen sich dann umsomehr entladen könnten. Dies müsste ich aber einfach nochmal bei der Familie erfragen.

    Dieses Verhalten muss sich nicht direkt in der Familie zeigen oder «entladen», es kann auch sein, dass der Junge das mit/an sich selber ausmacht. Es kann physische oder psychische Gewalt gegen sich selbst sein (Autoaggression, sich runter machen in Gedanken, etc.) aber es kann auch sein, dass sich danach zum Beispiel zwanghaftes Verhalten oder Denken zeigt. Ich persönlich «brauche/nutze» dieses zwanghafte Denken oder Verhalten (vor allem Mustergesteuert) zur Beruhigung in/nach Stresssituationen, es dient gewissermassen als Kompensation für eine gewisse Zeit und zögert ein Meltdown oder anders unerwünschtes Verhalten hinaus. Wie auch das Thema Schmerz oder Selbstverletzung, dies wirkt auf eine paradoxe Art beruhigend auf das Nervensystem. Damit zentriert man alle Eindrücke und Reize auf diesen einen Punkt und lenkt somit den Fokus vom Aussen auf das Innen. Auch hier ist es eine Art Schutz vor einer anderen Eskalation. Längerfristig nicht zielführend, damit will ich sagen, dass sich dieses entladen nicht so deutlich zeigen muss, wie es sich anhört oder direkt erfolgt. Es kann einen deutlichen zeitlichen Verzug geben, sodass man das Verhalten dann nicht mehr mit der vorangegangenen Stresssituation in Verbindung bringt.

    Ich glaube, dass eines der Argumente dagegen wäre, dass man ungern den Fokus auf „Ich möchte, dass du dieses oder jenes nicht tust“ legt. Stattdessen ist ja die Idee z.B. des Token-Belohnungssystems „Ich möchte, dass du jenes tust“.

    Das ist ein grundsätzliches schwieriges Thema, denn bei vielen autistischdenkenden Menschen kommt man mit Aussagen wie «das tut man eben so, das wird von einem erwartet bzw. dass erwartet die Gesellschaft/andere Menschen, etc.» nicht sehr weit. Weil dieser soziale Bezug fehlt, es ist vielen «egal» (nicht negativ sondern rein sachlich) was andere von einem erwarten, weil man es nicht nachvollziehen kann weil man eben anders denkt/fühlt. Man versteht den Sinn nicht warum ich mich nun konform verhalten soll und angepasst sein muss und dafür beispielsweise weniger ehrlich (dafür diplomatisch oder zurückhaltend), so wie neurotypisch denkende Menschen was das soziale zusammenleben betrifft.

    • Dann sage ich sowas wie „Ich bin ein bisschen traurig etc., dass du mich vorhin geschlagen hast und habe daher jetzt keine Lust, mit dir zu laufen“

    Dies finde ich eine sehr wichtige Aussage und würde diese unbedingt beibehalten, egal ob danach eine «Bestrafung» für das Schlagen erfolgt oder nicht. Dies aus folgendem Aspekt: der Junge lernt dabei die soziale Komponente und zwar das sein schlagen beim anderen negative Gefühle auslösen kann, ergo er dafür «verantwortlich» ist. Ja ich weiss, man ist nicht dafür verantwortlich wie der andere sich fühlt, in diesem Kontext finde ich die Verbindung jedoch wichtig: sein Verhalten führt zu einer hier negativen Reaktion in Form von einem Gefühl oder sogar Schmerz beim Gegenüber, das muss man ihm verdeutlichen, weil er sich dessen bewusst werden muss. Man könnte es als eine Unterstützung zur Entwicklung und Förderung der Theory of mind sehen. Den Autismus ist keine Entschuldigung für aggressives Verhalten, man muss mit dem Jungen jedoch darüber sprechen. Man könnte auch so etwas wie «Mir gefällt es nicht, wenn du mich schlägst und ich will, dass du damit aufhörst. Trotzdem möchte ich wissen, was dich so wütend gemacht hat?» Damit werden die Grenzen verdeutlicht aber das Kind nicht pauschal verurteilt.


    Vielleicht fehlt mir hier das zwischen den Zeilen lesen können, mir ist nicht klar, ob für Sie ersichtlich ist wann sich die Aggression zum Beispiel in Form von Schlagen beim Jungen zeigt also ob Sie das eine gewisse Zeit vorher merken/sehen. Falls ja könnte man einen ganz neuen Ansatz wählen in dem man dann eingreift, bevor es dem Jungen vielleicht selbst klar ist wie er bald reagieren wird. Man könnte ihn dann aus der Situation rausnehmen, um Abstand zu schaffen. Zum einen weg von den (auslösenden) und weiteren Reizen oder auch in Kombination mit einem alternativen Verhalten wie zum Beispiel schlagen auf ein Kissen oder schreien oder welche Form der Entladung er nutzen möchte und ihm gut tut. Auch zu bedenken, dass das Ansprechen des Problemverhalten direkt in der Situation ein weiterer Stressfaktor und Auslöser für Aggression sein kann, da hilft manchmal etwas Abstand und die Thematisierung in einem ruhigeren Moment. Sie schreiben wie reflektiert der Junge ist, da sehe ich somit keine Probleme, dass der den Zusammenhang von diesem späteren Thematisieren mit dem Problemverhalten nicht machen kann.


    Leider habe ich nicht die Patentlösung für den Umgang mit dem aggressiven Verhalten, die gibt es auch nicht, da jeder Mensch anders ist. Ich hoffe trotzdem mit meinen Inputs eine Unterstützung für Ihre wertvolle Arbeit sein zu können.

    Guten Tag Herr Glüer

    Erst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie Ihre wertvolle Arbeit für den Jungen reflektieren und bereit sind andere Inputs diesbezüglich aufzunehmen.

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen, auch mir fehlt der Punkt der Verhaltensänderung. Ich würde den Fokus darauf richten, wie das nicht gewünschte Verhalten verändert werden kann und vor allem wodurch es ausgelöst wird, denn so wird dem Jungen langfristig geholfen. Denn sein Verhalten ist einzig auf Ihre Termine mit dem Jungen gerichtet. Der wichtige Transfer in den Alltag vom erwünschen Verhalten bzw. Veränderung des unterwünschten Verhalten in erwünschtes oder zumindest tolerierbares Verhalten fehlt somit gänzlich.
    Auch im Sinne davon, dass der Junge ein Verständnis entwickeln und dazu lernen kann z.B. infolge fehlender/mangelnder Theory of mind, fände ich eine Erklärung der Situation hilfreicher als Bestrafung. Man könnte diese wutauslösende Situation analysieren, fragen Sie den Jungen wie er sich fühlt, weshalb er sich so fühlt, was er denkt was dazu geführt hat und vor allem was ihm jetzt helfen würde um einen anderen Umgang zu finden. Das ist nachhaltig für eine Verhaltensänderung! Ausserdem habe ich in meinem Psychologiestudium gelernt, dass Bestrafung für eine längerfristige Verhaltensänderung wenig hilfreich ist und sogar zum Gegenteil führen kann. Bestrafung führt dazu, dass dem Jungen signalisiert wird, dass er das Gefühl unterdrücken muss und sein Bedürfnis nicht ernst genommen wird. Er kann sich dabei schlecht und schuldig führen, lernt jedoch kein positiver Umgang mit der Situation. Die Belohnung hingegen ist nur kurzfristig hilfreich, der Junge lernt nur belastende Gefühl zu unterdrücken. Einen passenderen/gewünschteren Umgang mit den eigenen Gefühlen lernt er so nicht.
    Schlussendlich könnte es sogar so weit kommen, dass der Junge gewisses Verhalten nur aus Angst vor einer Bestrafung nicht zeigt und sich in diesen geforderten Minuten bei Ihren Terminen so verhält aber nachher (wo er keine Bestrafung mehr fürchten muss) entlädt sich dies alles noch unkontrollierter mit mehr Aggressivität.

    Wie aus meinem Text ersichtlich stehe ich der aktuellen Vorgehensweise und der Intention hinter dem «Belohnungs-/Bestrafungssystem» (oder wie man es nennen mag) aus persönlicher wie auch fachlicher Sicht kritisch gegenüber. Dies soll jedoch nicht als Angriff oder Vorwurf aufgefasst werden, sondern im Sinne einer anderen Perspektive nach welcher Sie ja gefragt haben. Nichtdestotrotz erachte auch ich es als wichtig, dem Jungen Grenzen aufzuzeigen (Gewalt gegen Menschen geht nicht) man darf dabei jedoch gerade bei Menschen mit einer ASS nicht vergessen, dass gewisse Dinge im Gehirn anders ablaufen (Stichwort: Theory of mind, emotionale Reife, andere Denk- und Wahrnehmungsweise, andere Stressoren und Umgang damit, etc.). Ihre Unterscheidung zwischen kontrollierbarem unerwünschtem Verhalten und unkontrollierbarem versucht dem bereits etwas gerecht zu werden, greift meiner Meinung nach trotzdem noch zu kurz.

    Wie können wir dir nun helfen? Ich verstehe nicht ganz was du von uns erwartest. Möchtest du das er eine Abklärung auf Autismus/Asperger macht, möchtest du Tipps wie damit umgehen, etc.?

    Ersteres: sprich ihn darauf an, hilf ihm bei der Suche nach der Abklärungsstelle.

    Letzteres: Eventuell wäre eine Selbsthilfegruppe für Angehörige eine Möglichkeit.

    Vielleicht hat Autismus deutsche Schweiz Anlaufstellen. Du kannst ihre Geschäftsstelle folgendermassen kontaktieren:

    Geschäftsstelle

    +41 (0)44 341 13 13

    anfrage@autismus.ch

    Riedhofstrasse 354

    8049 Zürich
    https://www.autismus.ch/adressen.html

    Laut deren Website gibt es auch eine Fachperson (Psychologin) die Online-Coaching anbietet:

    M. Sc. Isabel Sattler:
    Online-Coaching für Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahren) im Autismus-Spektrum sowie für Angehörige, Interessierte und Fachpersonen.

    Website:https://www.pocket-therapy.com/autismus-spektrum
    E-Mail: pocket-therapy@gmx.ch

    Isabel Sattler ist Psychologin und hat sich u.a. auf das Thema Autismus spezialisiert.

    In welchen Situationen erzählt er mehrfach dasselbe? Erzählt er alles mehrfach oder nur gewisse Themen, Aspekte, immer zur selben Tageszeit oder unterschiedlich, etc.? Es kann sein, dass er sich sehr gestresst fühlt und als eine Art Ritual oder Beruhigung dasselbe erzählt (Stichwort: Repetitive/stereotype Verhaltensweisen). Deshalb denke ich, dass es wichtig ist zuerst den Grudn dafür herauszufinden um dann entscheiden zu können, was helfen könnte.

    Entschuldige meine späte Antwort, ich war infolge Hochwasser im Dauereinsatz für die Feuerwehr.

    Ich verstehe deine Ängste, dass du ihn nicht verlieren möchtest indem du ihn zu etwas «zwingst». Andererseits kann man sich auch fragen, ob er nicht «verloren» geht wenn ihr es so weiterlaufen lässt bzw. keine professionelle Hilfe holt, denn das bringt ja nichts wie du gemerkt hast, sonst wärst du nicht hier. Die professionelle Hilfe muss nicht die Klinik sein, mit welcher er schlechte Erfahrungen gemacht hat. Es gibt verschiedenen Kliniken mit verschiedenen Schwerpunkten/Kompetenzen, es gibt stationäre und teilstationäre Einrichtungen, ambulante Hilfe, Beratungsstellen spezifisch für Autismus, Beratungen, Coaching, begleitete Wohnformen, etc. Gerade im Hinblick auf die negativen Erfahrungen können auch neue Fachpersonen eine Chance sein. Es gar nicht mehr zu versuchen ist sprichwörtlich wie den Kopf in den Sand stecken, damit wird sich aber nichts ändern, ausser du/ihr wisst was ihm helfen könnte und ihr könnt es auch umsetzen. Anhand deines Beitrages/Hilferuf gehe ich davon aus, dass dem nicht so ist.

    Warum hat er so grosse Angst Autist zu sein, hat er ein falsches Bild von der Diagnose, Vorurteile, etc.? Ich bin sicher, wenn die passende (Fach)Person ehrlich und Adressatengerecht die Diagnose eurem Sohn gegenüber kommuniziert, kann er auch besser damit umgehen. Nicht nur stigmatisierendes wie der Name nennen sondern auch auf die Stärken eingehen, mit ihm erarbeiten was er wie erlebt, was ihn im Alltag einschränkt, wo er Unterstützung wünscht, aber auch was er aber gut kann, wo er sein anders funktionieren hilfreich findet.

    Es scheint mir mehrfach nicht offen kommuniziert worden zu sein, z.B. beim Zeitpunkt der Diagnostik an sich aber auch beim Zeitpunkt des ihm mitteilen der Diagnose. Ich persönlich bin dem gegenüber sehr kritisch eingestellt, denn offene (Adressatengerechte) Kommunikation ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Zumal euer Sohn mündig ist und kein Kleinkind mehr. Irgendwann werdet ihr nicht mehr da sein können für euren Sohn, deshalb erachte ich es als wichtig ihn jetzt zu unterstützen, sodass er ein eigenständiges Leben führen kann. Aktuell scheint er dazu nicht in der Lage zu sein.


    Gewisse Menschen brauchen sehr grosse und strake Ängste oder Stresssituationen bis die Last zu gross ist und sie sich daran wagen etwas zu verändern. Denn Ängste müssen überwunden werden wenn sich etwas ändern soll, denn die Ängste lähmen und hindern die Veränderung.

    Ja, ich habe es meinen Eltern verziehen. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es damals hart war für mich. Doch im Nachhinein verstehe ich es und sehe meine Fortschritte die ich wohl sonst nicht erreicht hätte, weil ich mich nie freiwillig darauf eingelassen hätte, weil ich Angst hatte, schlechte Erfahrungen gemacht habe, etc. Heute kann ich mein Leben selbständig und unabhängig führen auch wenn mich mein Asperger-Syndrom und dessen Auswirkungen im Alltag immer noch fordert.

    Ich möchte vor wegschicken, ich bin keine (medizinische, psychiatrische oder ähnliche) Fachperson sondern teile hier meine Gedanken. Mir scheint jedoch eine grössere/andere Problematik als "nur" das Asperger Syndrom hier vorzuliegen. Gerade die "plötzliche" starke Veränderung passt meiner Meinung nach nicht ausschliesslich zum Asperger Syndrom sondern kann andere Gründe (z.B. psychiatrische Diagnosen) haben. Es könnte etwas vorgefallen sein und sein Verhalten nun die Auswirkungen oder es gibt biologische/psychische Gründe.

    Ich war bereits in mehreren psychiatrischen Kliniken, darunter geplante (stationär und teilstationäre) sowie "notfallmässige" Aufenthalte. Ein negatives Erlebnis ist natürlich nicht förderlich vor allem wenn es sinnvoll ist nochmals professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel weil es nicht anders geht, das Umfeld und man selber nicht mehr weiter weiss.

    So hart es klingt, meine Eltern haben mich damals dazu gezwungen mir professionell helfen zu lassen, weil sie mich ansonsten von zu Hause rausgeschmissen hätten. Ich habe diesen Druck gebraucht, weil ich diesen Weg sonst nicht gegangen wäre. Nicht nur dein Sohn sondern auch du/ihr als Eltern leidet darunter und das ist auch wichtig zu beachten. Ihr müsst auf eure Gesundheit und Bedürfnisse achten und nicht nur auf dies von eurem Sohn, es muss allen gut gehen. Ihr könnt eurem Sohn nicht helfen wenn es euch sehr schlecht geht. Manchmal braucht es harte Massnahmen/Druck um etwas verändern zu können. Ihr steht ja trotzdem hinter ihm und wollt ihm helfen, nur das Beste für ihn. So wie ich deinen Beitrag lese habt ihr schon einiges vergebens versucht und seid verzweifelt.
    Mir ist nicht bekannt wie dein Sohn sein Leben (Ausbildung, etc.) vorher gelebt hat und wie er mit der Aspserger Problematik umgegangen ist, wie sehr es ihn eingeschränkt hat, wie sehr er sich dessen bewusst war etc.

    Was meint dein Sohn, wie sieht er seine Zukunft, was wünscht er sich, sieht er seine Problematik, will er Hilfe annehmen?

    Bei mir umfasste die Abklärung mehrere Termine, "Spiele", Handlungsbeobachtungen, Fragebögen und ähnliches bis die Diagnose dann bestätigt wurde.

    Bern hat eigentlich gute Expertise was dieses Thema betrifft am UPD, z.B.: Matthias Huber (Psychologe und selber vom AS Betroffen) und Team. Diese gehören jedoch zur Kinder-und Jugendpsychiatrie, eventuell kann dir aber Matthias Huber eine fachliche kompetente Anlaufstelle/Fachperson angeben.

    Auf der Seite von Autismus deutsche Schweiz ist für Bern bei Abklärungen von Erwachsenen zum Beispel Dr. med. Gerrit Steinberg aufgelistet: https://www.autismus.ch/erwachsene-3/

    Hier wird extra auf die Spezialsprechstunde für Erwachsene verwiesen: https://www.upd.ch/de/zuweiser-un…rwachsenenalter
    Vielleicht kann dir eine Fachstelle wie Autismus deutsche Schweiz oder dein Hausarzt helfen oder eine erneute Überweisung (Zweitmeinung) erwirken.

    Ich habe keine Erfahrung mit Selbsthypnose möchte aber grundsätzlich in den Raum werfen, dass es auch pathologische Gründe (zum Beispiel depressive Verstimmungen oder sogar Depressionen, Hormonschankungen gerade in der Pubertät) geben kann, welche die "Motivationsprobleme" deines Kindes verstärken oder die Ursache dafür sind. Je nachdem würde ich eine professionelle Unterstützung (Psychologisch, Ergotherapie, etc.) mit ins Boot holen (Erziehungshilfe, Weiterentwicklung fürs Kind, etc.), dies kann gerade auch als Anleitung oder Übung bevor dein Kind mit der Selbsthypnose startet hilfreich sein in dem ihn jemand (AS, Kind) gerecht anleitet bis er selber dazu in der Lage ist. Mal ganz davon abgesehen, dass es schlussendlich für ihn stimmen muss, ob er das will und sich darauf einlassen kann. Für mich persönlich als Mensch mit AS ist das Thema Selbsthypnose "nicht greifbar", ich kann damit nichts anfangen, aber das heisst nicht, dass es für andere auch so ist.

    Es gibt externe Job-Coaches, dort könnte es aber so sein, dass ihr die Kosten selber tragen müsst. Ich habe mich (ist aber nicht autismusspezifisch) an das kantonale berufliche Case Management gewendet, ich weiss aber nicht ob es in eurem Kanton auch eine solche Fachstelle gibt.

    Grundsätzlich ist die Lehrstellensuche, egal auf welchem Niveau ob Attest oder Fähigkeitszeugnis schon Privatsache. Ich kann mir vorstellen, dass die IV wenn es um Arbeitsplatzanpassungen oder ähnliches geht wieder ins Bott kommt. Oder sicher bei geschützte Lehrstellen, dort kommt die Vergütung ja von der IV.
    Die IV bietet zum Teil Berufsberatung an, vielleicht könnte das noch eine Hilfe sein. Ich weiss nicht wie weit eure Tochter in dieser Hinsicht ist.

    Grundsätzlich stimme ich dir zu.
    Es gibt jedoch (ich erhalte in meiner Arbeit für eine "Minderheit" in der Gesellschaft oft solche Anfragen) Arbeiten wo sich die Verfasser gar nicht oder nur sehr wenig im Vorfeld informiert haben und ihre Vorgehensweise doch eher diskriminierend und fordernd uns gegenüber ist. Ich erachte eine gewisse Vorbereitung und eine wohlwollende aber objektive Art als wichtig. Denn sonst enden wir als "Versuchskaninchen" und das im negativen Sinne. Zumal wir als Betroffene oft unsere Freizeit dafür hergeben. Da erwarte ich eine gewisse Professionalität und Respekt mir gegenüber wie das jeder Mensch verdient hat.

    Mhh das hört sich als eine grosser Herausforderung an. Bezüglich dem Auslachen könntem an die Lehrperson ins Boot holen, sodass sie schaut dass das weniger vorkommt. Das die Kinder untereinander einen anderen Umgang haben.
    Bezüglich den vielen Kindern, vielleicht hilft da ein Platz am Klassenzimmerrand oder in der vordersten Reihe, sodass er die anderen Kinder nicht immer sieht und ihm somit weniger klar ist wie viele es eigentlich sind.

    Habt ihr schon über eine Schulbegleitung nachgedacht? Oder kommt eine Privatschule, Kleinklasse oder Unterricht zu Hause für eine gewisse Zeit in Frage, bis er sich an die Situation Schule gewöhnt hat?

    Was meinen die Fachpersonen vom KJPD dazu?

    Eine komplizierte Angelegenheit und ich habe auch nicht die perfekte Lösung bereit. Jedoch würde ich es mal versuchen ihn zu fragen weshalb er nicht hingehen möchte, was schlimm ist dort. Womit er nicht umgehen kann, wie sich was ändern müsste, damit er hingehen würde. Oder mit einem Belohnungssystem arbeiten, für einen Tag Schule gibt es am Abend eine gewisse Zeit Fernsehen oder so.
    Ich würde dieses Thema sicher auch am KJPD besprechen, da ich denke dass diese Erfahrungen mit solchen Situationen haben und dann gemeinsam mit deinem Sohn daran arbeiten können.
    Ich wünsche euch viel Erfolg.