Posts by Lumpi

    Ich möchte einmal beschreiben wie das bei mir war und wo ich nun stehe.


    Ich kam mit knapp 8 Jahren wegen starken Verhaltensauffälligkeiten in ein dafür ausgerichtetes Kinderheim. Nach diversen Untersuchungen (psychologische, medizinische) und Diagnostiken stand fest: ADHS und AWVS, teilweise sozial nicht angepasst, extrem stark ausgeprägte Wahrnehmung von akustischen und visuellen Reizen, grosse Probleme mit Berührungen.

    Das war in den frühen 80ern.


    Mit anderen Kindern konnte ich bis auf meinen Zimmerkameraden gar nicht.... Interessant erschien mir wenn dann nur der Kontakt zu erwachsenen Menschen, also Lehrern und Erziehern.


    Spätestens mit dem Einsetzen der Pubertät setzte ein ganz bestimmter Prozess bei mir ein. Vorher wusste ich nur: ich bin anders als nahezu alle anderen Menschen - genauer: nahezu alle anderen Menschen sind anders als ich - und bis zu diesem Zeitpunkt waren Menschen für mich ein "Buch mit sieben Siegeln" (Redewendung). Ich verstand sie nicht, ich verstand nicht, weshalb sie so agierten wie sie agierten, ich verstand auch nicht, weshalb ich oft entweder das Ziel ihrer Boshaftigkeiten war (heute Mobbing) oder nicht ernst genommen wurde.


    Aber... Mich interessierte das Verhalten von Menschen. Ich wollte verstehen, wie und warum sie so kommunizierten wie sie es taten, verbal wie auch nonverbal.

    Je mehr und länger ich Menschen und ihr Verhalten beobachtete und analysierte, umso mehr konnte ich ich Vorgehen erkennen, vorausberechnen, was als nächsten kommt aber vorallem, und das ist vermutlich der wichtigste Punkt: ich lernte ihr Verhalten nachzuahmen, sich ihnen anzupassen.

    Ich war und blieb zwar ein Aussenseiter, aber ich wurde selbstsicherer im Umgang mit anderen Menschen, ich konnte sie immer besser imitieren und ihre Art zu sein nachvollziehen und vorausberechnen.

    Ausserdem lernte ich, besser mit den akustischen und visuellen Reizen umzugehen.


    Mit knapp 22 Jahren war ich nahezu unauffällig / "normal".

    Ich ging manchmal mit einer Person, mit der ich in der Ausbildung war, in die Stadt in den Ausgang. Ich interagierte mit Menschen, tauschte mich mit ihnen aus. Nur Smalltalk war damals für mich immer noch ein Problem.

    Laute Geräusche und Blitzlichter von Einsatzfahrzeugen (Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen) waren immer noch zuviel für mich, aber sonst... Knallgeräusche erschreckten mich, mehr aber auch nicht.


    Mit 35 Jahren begann etwas, was bis heute andauert. Es ist eine Mischung aus "ich werde immer feinfühliger" und "ich verlerne zusehends Kompensationsmechanismen und -strategien".

    Es war und ist ein schleichender Prozess.

    Intuitiv Menschen verstehen konnte ich nie. Aber ich konnte mit dem Wissensschatz der Erfahrung und Logik diese mir fehlende/nicht ausreichend vorhandene Intuition nachbilden.


    Aber.... Ich begann mit 35 Jahren erst nur manchmal, mit zunehmendem Alter aber immer öfters mit meiner auf Erfahrung und Logik basierenden "Intuition" daneben zu liegen. Bis dahin konnte mich fast niemand "auf den Arm nehmen" (Redewendung).

    Ebenso konnte und kann ich immer mehr zunehmend nicht mehr mit den akustischen und visuellen Reizen umgehen, sie überfordern mich immer mehr.

    Auch soziale Interaktionen fallen mir immer schwerer. Ich weiss hier aber nicht, ob es an mir liegt oder dem immer stärker werdenden Unvermögen anderer Menschen, eine Diskussion mit Respekt (der anderen Person gegenüber) und Argumenten zu führen. Meinem Eindruck zufolge finde ich soziale Interaktionen immer mühsamer, nerviger, aber öfters auch als Zeitverschwendung.


    Ja... Nur wusste ich bis zur Autismusverdachtsäusserung mit knapp über 40 Jahren nichts von diesem einsetztenden Prozess bzw. nahm ich diesen Prozess als solchen nicht so wahr. Ich merkte nur: es ändert sich etwas. Ich werde unruhiger, ermüde über den Tag immer eher, habe weniger Kraft.

    Mehr aber auch nicht.


    Kurz vor Beginn der Autismusdiagnostik bekam ich die Unterlagen aus oben genanntem Kinderheim. Von den damaligen Diagnosen ADHS und AWVS wusste ich nichts. Aber ich erinnere mich an viele Tests, einige IQ-Tests, viele Untersuchungen unter anderem auch ein EEG.

    Als ich diese Unterlagen durchlas sprangen mir viele Beschreibungen entgegen, die man so dem Asperger-Syndrom zuschreiben würde. Damals jedoch begann sich Lorna Wing gerade mit der Arbeit von Hans Asperger zu beschäftigen.

    Für das damalige Bild eines Autisten war ich wohl schlicht "zu normal".

    Ich tausche mich seit knapp drei Jahren über das Internet mit anderen Autisten aller Altersgruppen aus.

    Interessant dabei ist, dass in der Altersgruppe, die wie ich erst mit knapp über 40 Jahren ihre Diagnose erhielten, sich unsere Geschichten erschreckend oft sehr ähnlich sind.

    Auffällig als Kind, gelernt sich anzupassen, ab 35-40 Jahren immer grösser werdende Probleme, Diagnostik und Diagnose "Autismus" (meist Asperger-Syndrom, manchmal atypischer Autismus).


    Ich halte es für fatal formulieren zu wollen, man könne seinen Autismus "verlernen".

    Man kann vielleicht(!) lernen besser damit umzugehen, Strategien zu entwickeln, um sich beispielsweise nicht fortwährend zuvielen Reizen auszusetzen.

    Aber: ist man Autist, wird man es sein Leben lang sein. Egal wie gut man mit seinem Autismus umzugehen weiss und kann.


    Solltest Du marco gelernt haben mit Deinem Autismus umzugehen ist das toll.

    Das kenne ich so ja auch irgendwie von mir.

    Daraus aber ableiten zu wollen, dass man seinen Autismus* "verlernen" könne ist gefährlich.

    Gefährlich für Autisten, gefährlich für deren Angehörigen, weil sie sich so unter Umständen falsche Hoffnungen machen könnten.

    Gefährlich, weil die Allgemeinheit denkt, man können Autismus verlernen, wegtherapieren, verschwinden lassen und müsse deshalb auch weniger Geld und Bemühungen in Bereiche stecken, die Autisten tangieren.

    Es könnte auch ein fatales Signal sein, wenn es um das Thema echte Inklusion geht.


    * Du nennst es "verlernbarer Egozentrik", aber mit direktem Bezug zu Autismus.

    Interessanterweise erscheint mir keine der Autisten, mit denen ich mich seit bald drei Jahren über das Internet austausche, als Egozentriker oder "in sich gekehrter Mensch". Ganz im Gegenteil, nahezu alle, mit denen ich mich austausche erscheinen mir als introvertierte, sehr nachdenkliche und vorallem sehr sozial denkende Menschen, die für andere da sind und auch mal ihre Belange hinten anstellen. Sie ecken vielleicht zuweilen durch ihre direkte Schreibweise ohne Schnörkel und ohne Einhaltung sozialer "Spielregeln" an, sie werden deshalb manchmal missverstanden und als "unsozialer Hobel" wahrgenommen, aber mehr auch nicht.

    Manche von ihnen schreiben sehr selten etwas, manche von ihnen schreiben viel.

    Egozentrisch, histrionisch oder extrovertiert veranlagt, all diese Attribute könnte ich niemanden dieser Gruppe zuordnen.



    Wie ist es heute bei mir?

    Heute ist es so, das ein Einkauf in einem Geschäft für mich extrem ermüdend ist... All die Geräusche, Lichter, Menschen, Eindrücke und Reize Das ist zuviel für mich, es überfordert mich.

    Dennoch kaufe ich ein, auch wenn ich mich danach immer öfters hinlegen muss. Ich nenne es "Training".


    Ich arbeite(te) immer auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt und nicht in einer "geschützten" Umgebung. Vieles nervte mich über die ganze Zeit gesehen, aber die letzten Jahre waren diesbezüglich ganz schlimm. Auch das Verhalten von immer mehr Arbeitskollegen ist für mich zunehmend eine Herausforderung.

    Aus diesem Grunde habe ich im Geschäft zum Beispiel auch nie etwas für den Kühlschrank und/oder die Mikrowelle dabei. Dinge die im Kühlschrank vor sich hin verrotten, Mikrowellengeräte, die aussehen, als wäre in ihnen Essen explodiert und dennoch wurden sie nicht gereinigt...


    Als Kind hatte ich einen Dauertinnitus.

    Als Erwachsener war er weg.

    Seit bald vier Jahren ist er wieder mein ständiger Begleiter. Oft nehme ich ihn nicht wahr, aber in für mich stressigen Situationen wie eben einem Geschäft macht er sich stark bemerkbar und kann dann auch noch Tage später nerven.


    Als Kind war ich von selektivem Mutismus betroffen. Als Erwachsener hatte ich das nicht mehr... Bis vor etwa 4 Jahren. Ich weiss nicht, wie oft ich nun in den letzten vier Jahren wieder davon betroffen war, aber ich würde schätzen zwischen 15-20 Mal.


    Vor einem Jahr waren meine Frau und ich in einem Thermalbad. Es war Jagdzeit, ca. 500 Meter von uns entfernt wurde geschossen. Ich verkrampfte wegen den zwei Schussgeräuschen komplett während 30 Sekunden, war unfähig mich zu bewegen.

    So etwas kannte ich als Kind bei Knallgeräuschen, als Erwachener erschreckte ich "nur" oder hatte deswegen auch ab und zu sofort eine Migräneattacke.


    Mich kann man heute relativ einfach "auf den Arm nehmen", ich erkenne nicht mehr, wenn das jemand mit mir macht.


    Nun ich verlerne die erlernten Fähigkeiten immer mehr.

    Es ist nicht schön, es macht mir Angst. Wie weit schreitet dieser "Verfall" weiter voran?

    Aber ich kann nichts dagegen machen, so sehr ich mich auch anstrenge.

    Hallo GameMoviePortal


    Ich versuche Deine Fragen zu beantworten, aber bedenke, das ich in diesem Bereich kein Experte bin sondern nur meine Ansichten, meine wenigen(!) eigenen Erfahrungen und Meinung wiedergeben kann.


    Zuerst... Eine Angststörung kann wegen den Folgen/Auswirkungen von Autismus entstehen, wie zum Beispiel auch eine Depression als Komorbidität von Autismus in Frage kommen kann.


    Methylphenidat

    Ich mache gerade an mir - wenn ich das so salopp formulieren darf - "Feldversuche" mit Methylphenidat. Ich habe neben der Autismusdiagnose (Asperger-Syndrom) auch die Diagnose ADHS.

    Wichtig zu wissen ist, das Methylphenidat bei Menschen OHNE AD(H)S eine andere Wirkweise zeigt als bei Menschen mit AD(H)S. Menschen ohne AD(H)S werden dadurch bei höherer Dosierung aufgeputscht.

    Bei meinen "Feldversuchen" mit nur schon 10mg zeigen sich die erwünschten Wirkungen. Also: Gedanken besser fokussieren können, akustische und visuelle Reize immer noch wahrnehmen aber durch sie nicht mehr gestresst fühlen->selbst in der Stadt unter Menschen war ich relativ gut entspannt, aber das ist nur und meine eigene Erfahrung(!). Bei anderen ist die Wirkung oder wahrgenommene Wirkung vielleicht anders.


    Ich bekam relativ schnell eine Packung um erste Erfahrungen zu sammeln. Das liegt aber vorallem daran, das ich eine entsprechende Diagnose habe.


    Zusammengefasst:

    Vermutlich(!) wird das bei Dir der Grund sein, dass man Dir nicht einfach so ein Medikament mit Methylphenidat als Wirkstoff geben will. Du würdest zumindest starke Hinweise auf AD(H)S haben müssen, damit ein Arzt Dir ein entsprechendes Medikament - zumindest testweise - verschreibt.


    Bedenke bitte auch, dass selbst wenn Du ein entsprechendes Medikament bekommen würdest eine Angststörung dadurch nicht einfach so "verschwindet".


    Ich sehe Deinen Punkt wegen Teufelskreis "Erschöpfungsdepression->Angstörung->noch mehr Erschöpfungsdepression->noch mehr Angststörung" durchaus. Aber ich bin mir alles andere als sicher, ob Dir ein Medikament mit Methylphenidat wirklich helfen könnte diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

    Gerade in Deinem Fall wäre ein Psychiater an Deiner Seite notwändig, denn nur mit dem Medikament ohne entsprechende Therapie würdest Du die Probleme im besten Fall nur auf "die lange Bank" schieben. also weiter nach hinten verlagern, aber sie so nicht angehen.


    Wenn Du einen Eigenverdacht auf Autismus und/oder ADHS hast - so lese ich das aus Deinem Text hier heraus - UND Du so einen Leidensdruck (Erschöpfungsdepression als mögliche Komorbidität von Autismus, andere Dinge, z.B. Probleme im sozialen Bereich, Probleme mit sensorischer Wahrnehmung), dann solltest Du Dir überlegen eine Autismusdiagnostik anzustreben.

    Wie das bei Erwachsenen bezüglich AD(H)S-Diagnostik aussieht kann ich nicht sagen, das weiss ich leider selber nicht.


    Denke bei Deinen Überlegungen "soll ich eine Autismusdiagnostik anstreben" bitte daran, das viele Autismusdiagnostikstellen eine Wartezeit von 3-12 Monaten, manche noch mehr Wartezeit haben.

    Hallo Herbstsonne


    Ich hatte vor über einem Jahr in dieser Region für mich auch einen Psychologen/Psychiater gesucht.

    Gefunden hatte ich für mich leider niemanden mit Wissen um Autismus.


    Möglicherweise kann Dir Frau Fries weiterhelfen um einen Psychiater für Deinen Sohn zu finden.

    Katrin Fries

    Dipl. Heilpädagogin

    Autismuspädagogin KleineWege®

    Heusserstrasse 25

    8634 Hombrechtikon.

    Hallo


    Es gibt einige Selbsthilfegruppen rund um das Thema Autismus, sowohl von/mit/für Betroffene als auch für von/mit/für Eltern und zumindest ein Forum, das sich an Partner von Autisten richtet.


    Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Du schreiben würdest in welcher Ecke der Schweiz Du Zuhause bist damit man Dir konkrete Adressen zukommen lassen kann.


    Es gibt hier eine Liste mit Kontakten zu Selbsthilfegruppen, aber ich habe keine Ahnung wie aktuell diese Liste ist.

    Hallo


    Ich möchte hier die Bundesverfassung zitieren:


    Artikel 8, Absatz 2

    Quote

    Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts,

    des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen

    oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.


    Damit ist das Argument von Fritz weg vom Tisch und somit obsolet und die Differenzierung von Kindern mit ASS und "ohne Behinderung" und "mit Behinderung" an sich auch.

    Es gibt einen rechtlichen Anspruch.

    Hallo bigMaMa


    Es gäbe viele Möglichkeiten.

    Wir könnten:

    - einen Brief verfassen, den sich hier jeder herunterladen, ausdrucken, unterschreiben und einschicken kann (einfachste Methode)

    - Unterschriftenlisten wären aufwändiger im (technischen) Umgang


    bis hin zu versuchen, die Verantwortlichen der Stadt Zürich zu einem Gespräch zu bringen. Es wäre schon viel erreicht, wenn sie ihre Entscheidung noch mal überdenken würden. Wir wissen ja alle nicht, worauf ihre Entscheidung basiert, welche Informationen ihnen zur Verfügung standen. Es wäre falsch, auf sie zuzugehen und zu sagen, das ihre Entscheidung falsch ist (auch wenn wir das so sehen sollten), es wäre wichtig sie dazu zu bringen, ihre Entscheidung nochmal zu überdenken.


    Dies auch im Hinblick, das es irgendwann ja nicht nur um Menschen mit Autismus geht sondern potentiell auch um Menschen mit anderen Einschränkungen. Wenn man Stück für Stück überall und immer mehr den Sparstift ansetzt um kurzfristige Einsparungen zu erreichen oder Entwicklungen nicht beobachtet und rechtzeitig Gegensteuer gibt fällt das nur den jeweilig direkt Betroffenen und deren Angehörigen auf. Der Allgemeinheit, die ja nicht betroffen ist, fallen solche Entwicklungen und deren Konsequenzen ja nicht sehr auf.

    Dafür sollte ein Bewusstsein geschaffen werden, sowohl wie hier bei den Verantwortlichen der Stadt Zürich wie auch bei allen Menschen auch.


    Quote

    Es ist u schlimm, aber ich glaube an einem Gespräch wären diese Leute vielleicht gar nicht interessiert? Oder doch? Die Idee ist nämlich grossartig...aber ich weiss auch nicht wo anfangen?


    Finde es schwer zu beurteilen, ob auf ihrer Seite überhaupt ein Interesse besteht...


    Die Ursache liegt laut dem Zeitungsartikel darin, das es zu wenig Fachpersonal bei der heilpädagogischen Schule (HPS) gibt.

    Die Frage ist, ob dies ein schleichender Prozess war, also immer weniger Mitarbeiter dort sind oder immer mehr Kinder Schulbegleitung benötigen und einfach niemandem auffiel, das die Personaldecke immer dünner wurde.

    Oder hat man diesen Effekt vielleicht sogar bemerkt, aber nicht gehandelt?


    Der Entscheid hat für mich etwas Absolutes. Sprich, man will gar nicht versuchen Gegensteuer in Form von mehr Fachpersonal zu geben sondern sucht die Alternative, Lehrern eine Schnellbleiche zu geben.


    Deshalb wären einige Stellen gefragt um eine breit abgestützte konstruktive Kritik und mögliche Lösung anzustreben:

    - Fachpersonen aus dem Bereich Autismus

    - Autismus CH

    - Fachpersonen von der heilpädagogischen Schule (HPS), sowohl Führungspersonen wie auch Fachpersonen direkt an der "Front"

    - Lehrerverband UND einzelne Lehrer, idealerweise sowohl "normale" Lehrer (nicht abwertend gemeint) wie auch Lehrer aus integrativen Klassen

    - idealerweise auch Menschen mit ASS


    Hmmm......

    Hallo bigMaMa


    Ich bin ehrlich gesagt hin- und hergerissen von Deinem Vorschlag und hatte auch lange überlegt, ob und wenn was ich antworten soll.


    Einerseits will ich sofort dabei sein, denn das ist ein enorm wichtiges Thema, welches jeden betrifft, der von einer Beeinträchtigung betroffen ist (wenn man schon bei ASS zwischen "mit" und "ohne" Behinderung differenzieren will könnte man dies künftig auch bei anderen Beeinträchtigungen machen). Mein starker Sinn für Gerechtigkeit spielt hier auch eine nicht unwesentliche Rolle.


    Ich wäre vielleicht mit Vorbereitung (wie die auch immer aussehen würde) bereit, aus Sicht eines Betroffenen (wesentliche Diagnosen Asperger, ADHS, auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitsungsstörung) an einer Gesprächsrunde im kleinen Kreis mit der Bildungsdirektion/Stadtrat teilzunehmen, damit sich diese Stellen ein Bild aus Sicht eines Betroffenen machen können, was es heisst "nicht behinderten" Menschen mit ASS Hilfe zu verweigern.

    Hätte ich diese Hilfe nicht im Kindesalter in Form von Therapien und teilweise auch Begleitpersonen bekommen, dann wäre ich heute nicht da wo ich bin (lebte mehrere Jahre selbstständig ohne fremde Hilfe, bin verheiratet, beruflich irgendwie auf meine Art erfolgreich usw).


    Auf der anderen Seite hege ich aber auch die Befürchtung, dass so mein Name an die Öffentlichkeit geraten könnte. Nur meine Frau, meine Familie und eine gute Freundin wissen von meinem Asperger, mein berufliches Umfeld gar nicht und das soll auch so bleiben.

    Ich finde es bedenklich, wenn man zwischen ASS "ohne Behinderung" und ASS "mit Behinderung" unterscheiden will.

    ASS an sich ist ein Spektrum, die Übergänge sind fliessend, wie bitte will man hier zwischen "ohne" und "mit" Behinderung unterscheiden?

    Man kann so auch einen Keil zwischen vermeintlich Kindern mit ASS "ohne Behinderung" und Kindern mit ASS und "Behinderung" bzw. deren Eltern und unterstützenden Stellen treiben. Diese Differenzierung ist in meinen Augen sehr gefährlich.


    Mir ist durchaus klar, das Kinder, die tiefer im Spektrum sind, mehr Hilfe und Zuwendung brauchen und benötigen.

    Aber, auch Kinder "ohne Behinderung" haben teilweise massive Einschränkungen unter anderem im sozialen Bereich und gerade im beruflichen Umfeld wird immer mehr - teilweise empfinde ich es als komplett übertrieben - auf die Teamfähigkeit eines potentiellen Mitarbeiters geschaut.


    Diesen Kindern "ohne Behinderung" aber mit ASS wird so die Hilfe und Chance genommen, die sie an sich benötigen.

    Die Lehrpersonen sind an sich schon oft mit der Zahl der Kinder sehr gut gefordert wenn nicht vielleicht auch überfordert. Wie sollen oder können sie den Fokus auf ein Kind mit ASS "ohne Behinderung" legen, ohne die anderen Schüler nicht zu sehr zu brüskieren? Dem Kind mit ASS aber "ohne Behinderung" könnte die restliche Klasse die zusätzliche Zuwendung der Lehrperson aus Unverständnis übel nehmen und DANN würde das Kind zusätzlich der Gefahr ausgesetzt sein, gemobbt zu werden. Daran wurde offenbar nicht einmal im Ansatz gedacht.


    Ich finde diese Entwicklung bedenklich. Einerseits macht die Forschung im Bereich ASS Fortschritte, neue Erkenntnisse und Ansätze zum Umgang mit ASS werden veröffentlicht, aber genau dort, wo diese Erkenntnisse und Ansätze am meisten von Nöten wären, in der Schule und im Schulalter, in dem Kinder mit ASS am ehesten Fortschritte machen können, genau dort wird diese notwändige Hilfe zusammengestrichen und somit die positive Entwicklung von betroffenen Schulkindern potentiell gefährdet.


    Wenn die liberal-links eingestellte Stadt Zürich schon so ein Zusammenstreichen einer sinnvollen Ausgabe ins Auge fasst, wie wird das auf dem eher konservativ ausgerichteten Land aufgenommen? In meinen Augen hat nur schon die Idee, dies in der Stadt so umsetzen wollen eine verheerende Signalwirkung Richtung Landbevölkerung.

    Hallo Fritz


    Ich versuche es aus meiner Sicht zu erklären, weshalb es diese Denk- und Handlungsweise gibt.


    Menschen "ticken" immer noch im Neandertaler-Modus. Wir mögen uns technisch und auch gesellschaftlich / sozial stark weiterentwickelt haben, aber dies vielleicht auch viel zu schnell um auch wirklich mit dieser Entwicklung mitzuwachsen um unsere alten Neandertaler-Zöpfe wirklich ablegen zu können.
    Dieses Gruppendenken, das Ausschliessen von Andersartigem mag zu Zeiten des Neandertalers eine wichtige Funktion gehabt haben... Bildlich gesprochen: wenn eine Gruppe Neandertaler mit Masern rumlief, dann distanzierte sich eine andere Gruppe von dieser Maserngruppe. Sie wusste vielleicht nicht warum sie die Maserngruppe ablehnte, aber diese Distanz half, um nicht selbst an Masern zu erkranken.
    Dieser Mechanismus des Gruppendenkens ist auch heute noch anzutreffen.
    Tony Attwood beschreibt im Buch "Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom", wie ein junges Kind von vielleicht 3-4 Jahren dieses Gruppendenken noch nicht anwendet, aber mit 5-6 Jahren durch die Entwicklung dieses Gruppendenken beginnt anzuwenden.
    Ich hatte lange Zeit gedacht, das dieses Gruppendenken durch die Sozialisierung übernommen wird, aber durch Attwood und andere bin ich zur Überzeugung gelangt, das die Sozialisierung wenn dann nur eine untergeordnete Rolle einnimmt und das Gruppendenken mehr in der Genetik verankert ist.
    Interessanterweise haben praktisch alle, mit denen ich mich im Internet längere Zeit über Asperger austausche und die auch von Asperger betroffen sind, kein stark ausgebildetes Gruppendenken.


    Ein weiterer Punkt beim Gruppendenken ist die Pflege, Aufrechterhaltung und den Ausbau von Feindbildern.
    Ein Gruppendenken mag in gewissen Bereichen sogar sinnvoll sein (Fussballmannschaft A spielt gegen Fussballmannschaft B), aber auch schon dort will man sich von der anderen Gruppe abheben, wenn auch nur in sportliche Art, die gerne auch mal in einem Feindbild enden kann.
    Manchmal will jemand Macht haben und um diese zu bekommen, muss er eine Gruppe hinter sich scharen, die ihn unterstützt und durch die Menge der Unterstützer auch Macht verleiht.
    Oft werden dazu die niederen Instinkte angesprochen und dabei ist ein Feindbild die erste Wahl, um Menschen hinter sich scharen zu können. Dabei geht es nicht darum, ob man mit Fakten, Halbwahrheiten oder gar Lügen hantiert, es geht nur darum, die Menschen, die man hinter sich scharen will von einer Ideologie (dem Feindbild) zu überzeugen bei gleichzeitigem "wir sind besser/schöner/die Guten/was auch immer".


    Manche Menschen definieren sich durch eine Vorstellung... Manche wollen schön sein, andere reich und wieder andere einfach besser als alle anderen. Nicht jeder hat die Chance reich, schön oder besser als andere sein zu können und auch hier findet dann eine Abgrenzung bei gleichzeitiger Überhöhung des eigenen Seins statt.
    Man will besser/reicher/schöner als andere sein und das wird man selbst (so meint man) auch dadurch, wenn man einen anderen Menschen herabsetzt, um ihn unter sich selbst zu sehen.
    Auch in diesem Bereich können sich dadurch irgendwann Gruppen bilden, welche dann so agieren wie sie nun mal agieren.


    Heute ist dieses Gruppendenken und die Pflege von Feindbildern eigentlich nur noch bedingt hilfreich... Wer z.B. hustet oder niest, auf den geht man auf Abstand, um nicht angesteckt zu werden. Das ist auch heute noch sinnvoll und je mehr Menschen es werden, umso näher rücken sie aufeinander auf und umso wichtiger wird es darauf zu achten, das sich Krankheiten durch die Nähe zueinander nicht ausbreiten.
    Andere Dinge wie Gruppenbildung nach Geschlecht, Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung, körperliche, psychische oder sonstige Beeinträchtungen oder auch nur eine plumpe Meinung sollten heute in einer aufgeklärten und entwickelten Gesellschaft eigentlich nicht mehr so präsent und so stark ausgelebt werden.
    Leider scheint in den letzten Jahren ein gegenläufiger Trend eingesetzt haben, der die Entwicklung im gesellschaftlich/sozialen Bereich immer mehr angreift und zurückdrängen will.


    Auf der anderen Seite gibt es einige mit dem Asperger-Syndrom, die sich durch ihre Art des Seins quasi selbst als "Mensch 2.0" definieren und sehen. Also etwas besseres als andere ("normale") Menschen sein wollen.
    Vor solchen Denkweisen kann ich nur warnen, denn sie kann sehr schnell dazu führen, das sich der Graben zwischen "normalen" und "wir sind die besseren"-Menschen und vorallem allen Menschen die von Autismus betroffen sind vertiefen.


    Jeder Mensch hat Stärken und Fähigkeiten und jeder Mensch hat Schwächen. Diese Stärken sollte man fördern und auch nutzen und die Schwächen als gegeben ansehen, aber nicht über sie urteilen.


    Denkst Du wirklich, Du bist empathielos? Ich halte das ja für eines der grössten und falschesten Vorurteile in Bezug auf ASS, aber vielleicht täusche ich mich.


    EIn wenig Empathie kann ich schon empfinden/haben, aber im Vergleich zu anderen Menschen bin ich hier wirklich stark limitiert. Ich hatte mit etwa 7-8 Jahren begonnen Raumschiff Enterprise zu schauen und die einzige Person, deren Motivation und Argumentation ich immer verstand war Spock. Kirks und Pilles Wortspielchen und Sticheleien verstand ich ewig lange nicht und Pilles "Er ist tot Jim" war immer vorhersehbar.



    Und nein, diese Menschen von denen wir da reden, die haben genauso keine Empathie wie man es von Menschen mit ASS behauptet...wie Du ja schreibst, sich in einen anderen Menschen einfühlen, sich zu überlegen was eine andere Person vielleicht denkt und fühlt, das kann man auch willentlich...oder es eben auch willentlich bleiben lassen. Ich weiss nicht ob es einfach mangelnde Empathie ist, diese radikale Ignoranz die immer mehr erleb- und spürbar ist, aber beängstigend finde ich es auch.


    Das weiss ich auch nicht und kann es auch weder verstehen noch nachvollziehen, wieso man so sein kann. Weder logisch noch unter sozialen Aspekten betrachtet. Ich kann mir zwar einiges in der Theorie bei den sozialen Aspekten zusammenreimen, aber das reicht noch nicht für eine Meinung.



    Ich lese keinerlei Wunsch, dieses Mädchen, geschweige denn ihr Anliegen zu verstehen...und das ist schockierend, denn herrgott nochmal, SIE HAT DOCH SO RECHT!!!


    Selbst wenn sie nicht recht hätte... Ihr EInsatz ist aufrichtig und dies gilt es zu respektieren.




    Sie macht vielleicht nicht alles richtig, aber wer tut das schon mit 16? Toll ist doch, sie tut etwas, und dies nun wirklich nicht zwecks Publicity...auf diese könnte sie ja gut verzichten, wäre da nur nicht die Tatsache, dass sowas halt doch recht zielführend sein kann, und darum geht es ihr, um das Ziel...und diesbezüglich ist sie sowas von konsequent, MEGA!!!


    Sie bringt Menschen zum Nachdenken und das ist ein wichtiger Schritt. Manche Menschen mögen sich durch ihren Einsatz wie vorgeführt fühlen und meinen, sie hielte sich für etwas besseres als diese Menschen, aber dem ist nicht so. Das vorgeführt fühlen allerdings könnte die Ablehnung zumindest im Ansatz erklären.




    Wir müssen nicht alle so werden wie Greta, aber die Sorgen unserer Jugend ernst nehmen, das wäre das Mindeste finde ich.


    Es gibt einen Spruch "Nur ein Narr hört nicht zu"... Dabei ist es egal, ob man einem erfahrenen Menschen mit 80 Jahren oder einem Kind von "nur" 8 Jahren zuhört. Erfahrung und eine kindliche (und ja vielleicht auch naive) Sichtweise lassen sich nicht prioritär behandeln.



    Lieber Lumpi, vielleicht liest Du so einen Mist besser nicht mehr? 20min und ähnliche Medien, das ist kein Gesamtspiegel der Gesellschaft oder?!


    Ich habe das Lesen von Kommentaren schon lange stark eingeschränkt. Bei manchen Themen kann ich es mir allerdings nicht verkneifen (leider).

    Hallo bigMaMa


    Lumpi, die Kommentare sind aber richtig schlimm! Das sollte man sich nicht antun...


    Deshalb auch die Warnung...


    .und es sind denke ich alles recht ähnlich gestrickte und v.a. sehr gehässige Menschen die Kommentare schreiben, es spielt hier keine Rolle doch kommen die alle von einer ganz bestimmten Ecke auch im politischen Raum


    Das Schlimme ist die Menge dieser Art Kommentare. Sie ist gottseidank nicht representativ für die Schweiz, aber ich merke (auch) im Alltag, das die Diskussionskultur, die Toleranz, der Anstand und Respekt anderen gegenüber (und auch deren möglichen anderssein) stark abnimmt.


    Wenn es nicht so ernst und traurig wäre... Mir wird immer wieder mal vorgeworfen, ich wäre empathielos, "kalt", "nüchtern" und faktenorientiert. Von Menschen, die nichts von meinem Asperger wissen. Ja, ich weise schizoide Verhaltensweisen auf und oft genug "gewinnt" das logische Denken die Oberhand über Gefühle. Gefühle, egal ob die von anderen Menschen oder die eigenen erkennen (affektive Empathie), bewerten und entsprechend darauf antworten (und sei es nur das Spiegeln mittels Mimik) kann ich oft nicht oder ungenügend adäquat. Empathie findet bei mir vorallem auf einer kognitiven und absolut logischen Ebene statt. Das hat manchmal Vorteile, oft aber eher Nachteile und kann auch limitierend im Begreifen von situativer Empathie wirken.
    Wenn ich solche - aber nicht nur beim Thema Greta sondern allgemein - Kommentare lese, dann lese ich daraus Hass, bewusste Dummheit, Unverständnis, Intoleranz und Empathielosigkeit. Hass mag ein Gefühl sein, das man vielleicht nur schwer steuern bzw beeinflussen kann. Es ist einfach da und vorhanden. Aber die gezeigte Empathielosigkeit, die macht mir immer wieder stark zu schaffen. Diese Menschen hätten oft Empathie, aber sie weigern sich, sie auch einzusetzen.
    Ich hingegen habe den Luxus von Empathie nur in sehr geringem Ausmass und keinesfalls in einer vorhersehbaren Konstanten. Mich macht das dann, wenn ich solche Kommentare lese, richtig traurig, wütend und auch sprachlos.


    Sorry für den Offtopic Text, aber das bewegte mich in den letzten Tagen rund um die Berichterstattung von Greta und den - von mir empfundenen teilweise unmenschlichen - Leserkommentaren sehr. Das Chaos an Gedanken, Eindrücken und auch teilweise widersprüchlichen Gefühlen hält immer noch an.

    Ich finde Greta toll, regt sie doch zum Nachdenken an und findet auch bei uns Nachahmer...Schüler, die am Freitag für einen besseren Klimaschutz auf die Strasse gehen.


    Schaut man sich die Reaktion auf Greta in den Leserkommentaren an, dann kann man schon mal am Verstand mancher und nicht weniger Kommentarschreiber zweifeln - oder besser - verweifeln.
    Exemplarisch dazu je ein Artikel auf 20 Minuten und auf Blick mit Leserkommentaren. Vorneweg: nichts für schwache Nerven.

    Hallo Regenbogenfarben


    Eine Patentrezept oder eine pauschal gültige Antwort gibt es dazu leider nicht, denn jeder mit einer Form von Autismus ist ein Unikat wie jeder andere Mensch auch und somit kann auch jeder mit einer Form von Autismus unterschiedlich reagieren oder eine unterschiedliche Vorgehensweise bzw. Lösung benötigen.


    Ich versuche es, ein bisschen zu erklären. Folgendes trifft nicht automatisch auf jeden Menschen mit einer Form von Autismus zu und hat deshalb auch keine Allgemeingültigkeit. Aber vielleicht helfen Dir die Zeilen ein wenig um Dir selbst vorstellen und erklären zu können, was bei Deiner Freundin vorgehen könnte.


    Viele mit einer Form von Autismus machen von etwas, was sie erledigen wollen, einen Plan. Wann sie es machen wollen, wie sie es machen wollen und was es dazu braucht. Sie denken dabei oft sehr detailiert und berücksichtigen möglichst alle Faktoren, Hindernisse oder möglich auftretende Probleme.
    Geht nun bei der Erledigung etwas schief, kann es nicht erledgt werden oder es tauchen Probleme auf, dann kann unter Umständen ein Gefühl von Unsicherheit, Frust oder auch Überforderung (mit der Situation an sich) entstehen.


    Manche versuchen sich dann zurückzuziehen um Ruhe zu haben und sich auch davon (Überforderung, Frust usw) zu erholen. Bei manchen (oder den meisten?) ist es dabei enorm wichtig, während dem Zeitraum des Rückzugs nicht gestört zu werden.
    Für umstehende/nahestehende Menschen mag das vielleicht seltsam erscheinen, aber der Rückzug dient manchmal nicht nur zum eigenen Interesse, sondern je nach Situation auch deshalb, weil man als Mensch mit Autismus andere in dieser Situation - z.B. der hoffnungslosen Überforderung - nicht durch eine unbedachte Äusserung verletzen will.


    Die Rückzugsdauer kann unterschiedlich lang sein und kann auch situativ bedingt und abhängig von anderen Faktoren stark variieren. Bei mir als Beispiel kann es zwischen Stunden bis hin zu 10-12 Tagen dauern (das war aber auch eine extreme Situation bei den 12 Tagen).


    Manchmal ist es auch so, das nicht nur diese eine Situation zu einem Rückzug führte sondern vorhergegangene Situationen schon zu einer starken Belastung (Überforderung, Frust usw) führten. Dann kann diese eine Situation der Auslöser für den Rückzug sein, wäre es aber für sich alleine genommen nicht gewesen, wohl aber in der Summe der vorhergegangenen Situationen.



    Deshalb auch die Schlussfolgerung und Empfehlung:
    Das Beste, was Du in der Situation machen kannst, wenn Deine Freundin Dir signalisiert, das sie sich zurückzieht, ist, das Du sie einfach in Ruhe lässt und ihr die Zeit gibst die sie braucht. Nimm dabei ihren Rückzug nicht persönlich, auch wenn Du vielleicht einen Fehler gemacht haben solltest der zum Rückzug führte. Sie wird Deine Rücksichtnahme zu schätzen wissen, auch wenn sie es so direkt vielleicht nicht oder nie erwähnen sollte.
    Wenn sie später nach ihrem Rückzug das Bedürfnis haben sollte über die Situation zu sprechen wird sie es auch tun.
    Wenn sie es nicht tun sollte, liegt es an Dir sie darauf anzusprechen. Das ist dann aber auch immer eine Abwägung, ob Dir das Thema wichtig genug ist um es zu sprechen und wenn Du sie ansprichst, wie sie darauf reagiert. Das kann je nach Situation, die zum Rückzug führte, unterschiedlich sein.

    Hallo D. 1974


    Hier hat es eine Übersichtsseite nach Kantonen aufgeschlüsselt, die diverse Angebote von der Diagnostik bis zur Therapie auflistet.


    Wenn Zürich für Dich eine Option wäre, dann könnte ich aus eigener Erfahrung folgende Adresse empfehlen:
    Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, ASS-Abklärungen
    Sprechstunde für Erwachsene
    Militärstrasse 8
    8004 Zürich

    Hallo Annie



    Seit einiger Zeit überlege ich mir, eine Autismusabklärung zu machen. Die Gründe dafür dürften ja wohl jedem hier einleuchten. ;)


    Die Motivation zumindest ist noch nicht so ganz ersichtlich....


    Quote


    Jedenfalls ist es so, dass ich bei der Krankenkasse das Hausarztmodell habe (d.h. ich brauche für die psychiatrischen Dienste eine Überweisung des Hausarztes). Was soll ich denn zu ihm sagen? Mit welcher Begründung einen Termin abmachen? Finde ich irgendwie komisch, nur fürs Ausfüllen eines Überweisungsformulars dort hinzugehen...


    Naja, grundsätzlich ist es ja gut, wenn man erst einmal seinen Hausarzt konsultiert statt gleich bei einem Spezialisten vorbeizugehen.
    Grundsätzlich reicht es, wenn Du Deinem Hausarzt Deinen Autismusverdacht mitteilst und um eine Überweisung an eine Autismusdiagnostikstelle bittest.
    Ein guter Hausarzt wird Dir ein paar Fragen stellen, um abschätzen zu können, ob es Dir dabei ernst ist und welche Gründe Du nennst (auch wenn er von Autismus keine Ahnung haben sollte).


    Ich hatte damals zuerst mit meiner Hausärztin über den Autismusverdacht gesprochen, ein paar Monate gewartet, mich in dieser Zeit (und auch später) über Autismus informiert, mich mit den gelesenen Texten verglichen UND alternative Erklärungen wie psychische Störungen (Sozialphobie, schizoide Persönlichkeitsstörung usw) mit mir abgeglichen. So weit ich das für mich konnte, konnte ich psychische Störungen ausschliessen und fand die Beschreibung zum Asperger-Syndrom noch am zutreffendsten.


    Bevor ich meine Hausärztin um eine Überweisung an eine Diagnostikstelle bat, führte ich mehrere Online-Selbsttests durch (für Asperger finde ich diesen hier nicht schlecht). Nicht um der Hausärztin mit dem Testresultat sagen zu können "Sehen Sie, ich muss Asperger haben" sondern um ihr mit dem Testresultat zu zeigen, das ich viele autistische Auffälligkeiten aufweise, die eine Diagnostik rechtfertigen. All die Selbsttests können nur formulieren, dass man genug autistische Auffälligkeiten aufweist, eine Diagnose können und sollen sie nicht stellen.


    Meine Hausärztin meinte zwar trotz des Testresultats, das ich ja ganz normal wirke und sie bei mir Asperger verneinen würde, aber dennoch überwies sie mich an eine Diagnostikstelle. Ich vermute, dass dieser Selbsttest bei ihr den Ausschlag gab, die Überweisung vorzunehmen.



    Angenommen, ich erhalte eine Diagnose: welche Auswirkungen hat das dann?
    Ich nehme nicht an, dass es sich bei mir um einen besonders "schweren" Fall handelt. Vermutlich wäre es einfach so, dass ich nun einen Namen für meine Probleme im Alltag hätte.


    Ich habe Asperger in einer leichten Ausprägung, sagt zumindest das Diagnoseschreiben an meine Hausärztin. Und ja, wenn ich die Beschreibungen von Menschen mit einer schweren Autismusspektrumstörung lese oder nur schon an meinen Cousin mit der Diagnose atypischer Autismus denke, dann sehe ich mich auch in einer "leichten Ausprägung".
    Dennoch habe ich viele Probleme im Alltag, die auf Asperger zurückzuführen sind.


    Dem Namen an bist Du eine Frau... Frauen können normalerweise ihre autistischen Probleme besser kaschieren bzw kompensieren und wirken deshalb schnell(er) "normaler" als Männer. Die Diagnostik soll bei diesem Typ Frau nicht so einfach sein wie bei Männer, lese ich zumindest immer wieder.
    Möglicherweise kannst Du Deine Probleme im Alltag nach aussen hin besser kompensieren und wenn dem so sein sollte, erscheinen Dir selbst die Probleme nicht so gross? Aber... Das sind nur Mutmassungen.



    Aber kommt man da nicht automatisch in so eine Mühle rein (regelmässige Sitzungen beim Psychiater, Selbsthilfegruppen, etc.)? Momentan denke ich nämlich, dass die Diagnose in erster Linie für meinen Partner, dessen Familie und mich ist (meine Familie kennt mich und braucht keinen Namen dafür...).


    Eine allfällig positive Autismusdiagnose bedeutet erst einmal gar nichts. Das heisst, Du musst nichts machen und wirst auch zu nichts verpflichtet.
    Die Diagnose wäre erst einmal für Dich persönlich eine professionelle Erklärung all Deiner Probleme. Dein Partner wüsste mit der Diagnose, woran er an Dir wäre... Zumindest in der Theorie. Manchen Partnern kann das Fingerspitzengefühl fehlen oder sie wollen sich nicht über Autismus informieren. Andere Partner wie beispielsweise meine Frau sehen mich nach der Diagnose mit anderen Augen und versuchen zu verstehen und nachzuvollziehen, weshalb man in gewissen Situationen so reagiert wie man nun mal reagiert. Das kann sehr helfen, im Alltag wie auch in der Beziehung.



    Was würde das dann für unsere Kinder bedeuten? Wir haben einen 2.5-jährigen Sohn und das zweite Kind kommt im Januar. Müssten die dann auch zu einer Abklärung?


    Man kann Dich bzw Deinen Partner und Dich nicht zwingen, bei euren Kindern eine Diagnostik durchführen zu lassen.
    Wenn sich allerdings bei einem Kind einige bis viele "autismustypische" Auffälligkeiten zeigen dann wäre eine Diagnostik anzustreben, um dem Kind so früh wie möglich helfen zu können, sollte die Diagnostik positiv ausfallen.
    Der Hintergedanke daran ist, das Kinder schneller lernen als Erwachsene und man so "lenkend" in die Entwicklung eines Kindes eingreifen und die Entwicklung positiv unterstützen bzw beeinflussen kann.


    Deswegen wird Autismus nicht verschwinden, den hat man trotz aller Therapiemöglichkeiten, aber man kann je nach Ausprägung mehr oder weniger gut lernen, mit der Autismusausprägung umgehen und leben zu können.




    Ihr seht, ich bin noch etwas unsicher, ob ich wirklich eine Abklärung möchte. Vor allem, da ich mir über die Konsequenzen nicht so im Klaren bin. Vielleicht kennt jemand eine ähnliche Situation und kann mir etwas darüber berichten.


    Ja, das ist durchaus verständlich denke ich...


    Angst musst Du nicht haben, eine DIagnostik bedeutet für Dich auch keine Nachteile. Wer von einer allfälligen Autismusdiagnose erfährt hast Du alleine in der Hand. Ich selbst hatte nur eine positive Erfahrung gemacht, als ich meiner Familie von der Diagnose erzählte. Aber ich las auch schon mehrmals, das einzelne bis alle Familienmitglieder das Diagnostikresultat anzweifelten oder gar verneinten. In vielen Köpfen existiert ein Bild von Autisten, das so in der Realität wohl nicht oder selten anzutreffen ist. Auch wird Autismus in der Gesellschaft oft als "Mangel" angesehen und Menschen, die von Autismus betroffen sind nicht ernst oder für "voll" genommen.


    Wohl kann es aber sein, das Du Dich während der Wartezeit zur Diagnostik und auch nach einer positiven Autismusdiagnose sehr intensiv mit dem Thema Autismus beschäftigen könntest. Aber das sehe ich aus meiner Warte nur positiv, weil diese Themenbeschäftigung hilft, ein besseres Selbstverständnis von sich, seinen Fähigkeiten, seinen Stärken aber auch seinen Schwächen zu entwickeln.



    Normalerweise lässt man als Erwachsener bei sich eine Autismusdiagnostik durchführen, wenn ein Leidensdruck vorhanden ist. Sprich, wenn man im Alltag immer wieder auf die gleichen autismustypischen Probleme stösst (klischeehaft: kein Smalltalk können, sich nicht in einer Menschenmasse bewegen können, Mimik des Gegenübers nicht entziffern können, nicht in die Augen des Gegenübers sehen können, sich nicht in die Person gegenüber hineinversetzen können, soziale Interaktionen als sehr anstrengend empfinden, auf Sinnesreize sehr intensiv oder sehr schwach reagieren, sich öfters komplett überfordert bei der Reizwahrnehmung fühlen, Vermeidungstendenzen entwickeln usw usw usw - nicht alles davon muss bei einem zutreffen).


    Erklärung an einem Beispiel wegen des Leidendrucks:
    Viele Menschen finden es nicht toll, sich in einer Menschenmasse (morgens im Zug stehend eng zusammengepfercht) aufzuhalten. Das ist eine für sie unschöne Empfindung.
    Autisten können daran verzweifeln, denn die Wahrnehmung aller Reize (Bewegungen, Geräusche, Berührungen, Anrempeln, viele Gesichter in denen man nicht lesen kann, Gerüche usw usw) in der Menschenmasse können einen sehr starken Leidensdruck erzeugen. Eine Reizüberflutung, eine Fluchtreaktion und die spätere Entwicklung von Vermeidungsstrategien, um solche Situationen nochmals zu erleben können die Folge sein.


    Das war es fürs Erste denke ich.


    Gruss

    Wer in einem Artikel derart mit Studien um sich wirft ohne Nenngrössen zu deklarieren....


    Das gehört einfach in einen Artikel... Beispielsweise "Studie X untersuchte den Einfluss von Aluminium in der dargebotenen Form Z bei 10'000 Probanden. Von den 10'000 Probanden hatten später 2 Personen Autismus." Der blosse Verweis auf eine Studie reicht in einem seriösen Artikel einfach nicht, dazu gehört auch ein kurzer Abriss (Nenngrösse, Art der Studie, Resultat).... Sonst könnte schnell der Eindruck entstehen, das der Autor des Artikel sich nicht wirklich mit der genannten Studie auseinandergesetzt hatte.
    Dies gilt umso mehr, wenn der Artikel sich mit einem Thema befasst, zu dem wissenschaftlich komplett unterschiedliche Sichtweisen bestehen.


    Quote from Artikel


    Darüber hinaus berichteten die Forscher von einer statistisch starken Korrelation zwischen Autismus und dem MMR-Impfstoff (Masern-Mumps-Röteln). Da dieser Impfstoff aluminiumfrei ist, muss hier ein anderer Faktor im Spiel sein.


    Ach.... Da der Impfstoff Impfstoff erst als Auslöser galt, dann Aluminium als Grund herhalten musste um dann bei einem aluminiumfreien MMR-Impfstoff wieder das grosse X als Auslöser (es muss v*rd***t noch mal die Impfung sein, etwas anderes geht ja gar nicht. Egal ob Impfstoff, Aluminium, Vollmond, Leermond, [irgendein]Mond) betiteln zu können...
    Sorry, spätestens nach diesem Abschnitt musste ich aufhören, den Artikel und seine Aussagen ernst zu nehmen.


    Wie Du schon schreibst

    Quote from Herz


    Meinungen sind frei.


    Wie Kimba schon schreibt... Mein sein ist anders als das von vielen anderen Menschen, aber deswegen fühle ich mich nicht krank und sehe Autismus auch nicht als Krankheit an.
    Es mag verwaltungs-, behörden- oder versicherungsbedingte Gründe geben um für Autismus den Begriff "Krankheit" zu verwenden...
    Beispielsweise: "der Patient leidet unter Autismus, eine Krankheit, die verschiedenen Therapieansätzen bedarf. "
    "Krankheit" spielt insofern eine Rolle, als das die Krankenkasse oder die IV für die Kosten aufkommt.
    Aber das verleitet eben vielleicht auch dazu, das im Alltag Autismus als "Krankheit" bezeichnet wird.