Posts by Lumpi

    Hallo


    Vorneweg: eine Diagnose wird Dir hier niemand geben können. Nur eine Diagnosestelle kann das.
    Vorneweg 2: ich bin nur ein Aspie und weder Arzt, Psychiater, Psychologe oder Diagnostiker. Alles ist nur eine Meinung und stellt keinesfalls eine Diagnose dar.




    Ich brauche Hilfe bei der Diagnose ob ich vielleicht (Asperger) Autist bin, ich weiß nicht mehr weiter, meine Beziehung leidet auch unglaublich


    Was hattest Du bisher bezüglich des Asperger-Verdachts unternommen? Informationsseiten gelesen? Eventuell Online-Selbsttests usw. gemacht?



    - Meine Partnerin kann mich nicht lesen / verstehen, ich sitze immer emotionslos da, kann auch andere Menschen nicht beurteilen / lesen
    - sie weiß nicht ob ich traurig, glücklich etc bin, ich sehe anscheinend immer gleich aus (sagen schon seit meiner Kindheit viele)


    Eine alternative Möglichkeit für diese Punkte könnte auch eine schizoide Persönlichkeitsstörung oder Alexithymie sein.


    Rein interessehalber und ohne Wertung... Lebst Du mit der Freundin im gleichen Haushalt oder getrennt? Hast Du eine Rückzugsmöglichkeit, wenn ihr zusammenleben solltet?



    - ich sitze immer nur apatisch vor dem PC und fühle mich nur da wohl


    Wie "sitze nur apathisch vor dem PC"... Sitzt Du nur da und machst nichts oder machst doch etwas, und sei es nur ein wenig im Internet surfen?



    - Ich reagiere extrem auf Geräusche, wenn bei jemandem das Handy vibriert bekomme ich starke Aggressionen, andere stört das weniger
    - Wenn irgendwo eine Uhr tickt oder nachts die Heizung leise Geräusche macht ist es nicht nur störend, ich bekomme rasende Wut
    - schon als Kind hab ich auf Hundegebell und Flugzeuge mit Anfällen reagiert (habe neben dem Flughafen gewohnt, musste auf den boden, ohren zuhalten etc)
    - Ich reagiere extrem auf Berührung, wenn mich jemand im Gesicht anfasst bekomme ich starke Wut und Aggressionen


    Eine alternative Erklärung zu Asperger könnte hier eine Hochsensibilität sein.



    - Ich kann keinen Augenkontakt halten, ich fühle mich extrem unwohl beim reden mit anderen Menschen
    - In Gesellschaft sitze ich nur still in der Ecke, unterhalte mich extrem selten und wenig
    - Ubahn-fahren, Menschenmengen, Stadt etc ist für mich eine Qual


    Eine alternative Erklärung zu Asperger könnte eine soziale Phobie sein.



    - Angststörungen, Schlafstörungen, Zwangsstörungen und Panikattacken natürlich auch inbegriffen
    - Ich sehe zwanghaft überall Muster, und muss diese ansehen (stifte, schnee)
    - ich muss alles gerade rücken und es muss im rechten WInkel ausgerichtet sein
    - Ich muss überall wo zahlen sind rumrechnen ob etwas gerades / ungerades / auffälliges etc dabei rauskommen (Auto-Nummernschilder)


    Hier wäre eine Zwangsstörung denkbar.


    Damit will ich keinesfalls behaupten, dass Du anhand Deiner Beschreibung das Asperger-Syndrom nicht haben könntest, sondern nur aufzeigen, das man auch mit diversen Übereinstimmungen zu den Beschreibungen zum Asperger-Syndrom nicht zwingend davon betroffen sein muss sondern auch andere Möglichkeiten bestehen.


    Hattest Du schon mal mit Deinem Arzt/Hausarzt über Deinen Asperger-Verdacht gesprochen? Hier findest Du Adressen von Diagnosestellen schweizweit. Dein Arzt/Hausarzt kann Dich zu so einer Diagnosestelle überweisen.

    Hallo


    Bin immer noch am Informationen sammeln, dabei bin ich über das hier gestolpert.


    Zitat von https://www.autismus.ch/autism…ass/wer-zahlt-wofuer.html

    Quote


    1. Medizinische Eingliederungsmassnahmen
    [..]
    Nach dem 20. Lebensjahr geht die Zuständigkeit für die Vergütung medizinischer Massnahmen von der IV zur obligatorischen Krankenversicherung über. Diese übernimmt die Kosten für die medizinischen Leistungen dann, wenn eine nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) anerkannte Behandlungsmethode angewendet wird und diese wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist.

    Hallo Atoba


    Danke. Ja, Deine Antworten helfen ein wenig.
    Ich hatte schon zwei Panikattackenphasen in meinem Leben, die auch durch Psychiater therapiert wurden.
    Natürlich könnte ich als Grund eine Angststörung angeben, aber ich kann nur sehr schlecht lügen, man sieht es mir an, und ich will nicht lügen.

    Hallo


    Ich versuche mich ein wenig darüber zu informieren, wie es mit der Unterstützung bei Menschen mit Asperger rechtlich aussieht.
    Genauer geht es mir darum, wer z.B. für die Kosten bei Therapien zuständig ist. Die Krankenkasse? Oder doch eher die IV?


    Herleitung:
    Das war meine Frage am Anfang....
    Also machte ich mir Gedanken dazu, wie und zu welchem Zeitpunkt denn ASS "entsteht".
    Wenn man ein Embryo ist, das Programm zur Zellteilung "fehlerhaft" ist und gewisse Regionen im Gehirn "falsch verdrahtet" werden?
    Begünstigen Einflüsse wie Alkohol, Zigaretten, Medikamente, Drogen, Hormone, chemische Stoffe diesen Prozess?
    Oder findet die "Falschverdrahtung" erst nach der Geburt statt?
    Darüber streiten sich die Wissenschaftler und ich bin keinesfalls kompetent, darauf eine Antwort zu finden oder zu geben.
    Aber: dieses Prozess findet sehr früh statt und nicht erst mit 10, 15, 20 oder mehr Jahren.


    Also dachte ich, dass der Gesetzgeber ASS möglicherweise als Geburtsgebrechen sehen würde und suchte nach entsprechenden Gesetzestexten.


    Dabei stiess ich heute morgen auf die Systematische Rechtssammlung des Bundesrechts "Verordnung über Geburtsgebrechen" SR 831.232.21.


    Darin stehen:
    Art.1


    Art. 3


    Im Anhang der aufgeführten Geburtsgebrechen steht unter XVI. Psychische Erkrankungen und schwere Entwicklungsrückstände

    Quote


    405.Autismus-Spektrum-Störungen, sofern diese bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar werden



    Ich interpretiere die Textstellen so, dass ASS wohl als Geburtsgebrechen erkannt wird (Anhang, 405) und der Anspruch auf eine Behandlung bis zum vollendeten 20. Lebensjahr (Art. 3) besteht.
    Einschränkend ist der Punkt im Anhang, 405.... ASS soll/muss bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar sein.


    Irgendwie... Habe ich ein Verständnisproblem mit dem Gesetzestext:
    - ASS hat man ein Leben lang, Art. 3 verneint einen Anspruch auf Behandlung, wenn man 21 Jahre alt wird oder bei der Diagnosestellung schon älter sein sollte. Warum?
    - Art. 1 formuliert, das der Zeitpunkt des Erkennen des Geburtgebrechens unerheblich ist, warum die Alterseinschränkung in Art. 3?
    - gerade das Asperger-Syndrom wird, so weit ich gelesen hatte, meist eben NICHT in den ersten 5 Lebensjahren erkannt und diagnostiziert, sondern erst später (bei Erwachsenen, so las ich, liegt der Altersdurchschnitt bei der Diagnose um die 35 Jahre)


    Ich bin mir durchaus bewusst, dass der Gesetzgeber eher träge arbeitet - was nicht unbedingt immer schlecht ist - aber irgendwie scheint er mir, was das Asperger-Syndrom betrifft, regelrecht hinter dem Mond zu leben.Meinem Empfinden nach schliesst er das Asperger-Syndrom (nicht mutwillig!, aber dennoch) und den Anspruch auf eine Behandlung durch die Einschränkungen (5 Jahre erkennbar, bis 21 Anspruch auf Behandlung) aus.
    Dennoch bleibt bei mir das Problem mit dem Verständnis des Textes bestehen und ich sehe und verstehe den Gedanken dahinter nicht, der zu diesen Formulierungen und Einschränkungen führte.


    Vielleicht weiss jemand mehr dazu und möchte mir die Widersprüche und das Verständnisproblem erklären?
    Danke.

    Hallo


    Ich trage mich mit dem Gedanken, für einige meiner Probleme im Zusammenhang mit Asperger eine Therapie zu machen. Es geht mir dabei darum, zu lernen, besser mit meinen Problemen (Geräusche, Bewegungen, Reizwahrnehmung und -Verarbeitung, verstehen warum Menschen gewisse Dinge machen/nicht machen, soziale Interaktionen, ev. auch der Bereich Emotion) umgehen zu können und zu lernen, allgemein innerlich ruhiger zu werden. Die Probleme kosten mich schon länger viel Energie, vermutlich mehr, als ich zurückgewinnen kann.


    In der Stadt Zürich gibt es möglicherweise solche Therapeuten/Therapeutinnen, allerdings bezweifle ich, dass ich in meiner derzeitigen Situation in der Lage wäre in die Stadt zu fahren.


    Aus diesem Grunde suche ich im Bereich Zürcher Oberland (ideal wäre Wetzikon/Hinwil) einen Therapeuten oder eine Therapeutin, der/die zumindest Erfahrung mit ASS hat, auch schon erwachsene Menschen mit ASS in Therapie hatte und ASS-spezifische Probleme therapierte.
    Von Medikamenten möchte ich therapie-unterstützend absehen, die kenne ich von meinen Panikattackenphasen schon zu Genüge und die Nebenwirkungen will ich nicht noch einmal durchmachen.


    Wer so eine Person kennt, darf sich auch per Konversation bei mir melden.


    Vielen Dank im Voraus für Tipps.

    Hallo ahava


    Ein Psychiater wird vielleicht anders vorgehen als eine Diagnosestelle. Zu detailiert sollte man im Vorfeld wohl auch nicht wissen, was auf einen zukommt, denn das könnte Antworten unbewusst verfälschen.
    Dennoch, ein grober Überblick sollte nicht schaden, auch um damit mögliche Ängste im Vorfeld der Diagnose ein wenig zu nehmen.


    Bei mir war es in etwa folgendermassen:


    Erster Diagnosetermin
    Vorstellung und die Frage, weshalb man eine Diagnoseabklärung wünscht (bei mir: Geräusch-, Licht-, Bewegungsempfindlichkeit und Probleme mit körperlicher Nähe/Berührungen, sozialer Umgang mit anderen Menschen). Danach wurde meine Kindheit abgefragt, wie sie war, was alles geschah und nach Auffälligkeiten gefragt. Ich war in zwei Heimen und hatte aus dem ersten Heim Unterlagen zum Diagnosetermin mitgebracht. Eltern oder Geschwister, die man hätte fragen können wie ich in der Kindheit war habe ich nicht.
    Das war es dann auch schon mit dem ersten Diagnosetermin. Mir wurde von der Diagnostikerin zum Abschluss des ersten Termins gesagt, dass es wegen meiner nicht so guten Kindheit schwer(er) werden würde eine Diagnose zu stellen, denn man könne anhand der Lebensgeschichte nicht so einfach zwischen angeborenem und erlernten Verhalten unterscheiden.


    Per Email erhielt ich ein paar Tage später Links zu Onlinefragebögen, die ich bis zum 2. Termin ausfüllen musste. Es waren Selbstbeurteilungsfragebögen. Der eine war der Autismusquotient-Test in einer etwas abgewandelten Form, wie man ihn auf einigen Seiten findet, die anderen waren vom Prinzip her an den EQ/SQ-Test von aspergia.de angelehnt. Zusammen mit einem weiteren Test wurde am zweiten Termin ein Persönlichkeitsprofil erstellt.


    Zweiter Diagnosetermin
    Beim zweiten Termin wurden von der Diagnostikerin unter anderem Kurzgeschichten vorgelesen. Diese beschrieben soziale Situationen. Am Ende jeder Geschichte musste ich diese reflektieren und z.B. sagen, ob und wenn jemand etwas nicht richtig gemacht oder wie sich jemand in der Geschichte gefühlt hatte. Dabei ging es um die sogenannte "Theory of Mind".
    Ähnlich gelagert waren Kurzgeschichten in Form von Comics im Umfang von 3-4 Bilder, deren Geschichte ich jeweils interpretieren sollte.
    Ein Test beruhte darauf, aus einer Anzahl Karten mit Symbolen darauf die Hälfte der Karten auszusuchen und anhand der abgebildeten Symbolen eine passende Geschichte dazu zu erfinden.
    Danach wurde eine Frage-Antwort-Testung gemacht, aber ich weiss nicht mehr, was darin gefragt wurde und welche Antworten ich gab. Diesen Test empfand ich stark kräftezehrend.
    Zum Abschluss sah ich ein Video, das meine ToM-Fähigkeiten nochmals testen sollte.


    Zwischen dem zweiten und dritten Diagnosetermin führte die Diagnostikerin mit meiner Frau ein Telefonat, das etwa 30 Minuten dauerte. Details dazu weiss ich nicht, ich war auch nicht beim Telefonat dabei, wollte es auch nicht. Meine Frau sollte frei von der Leber (Redewendung) sprechen und auch mir eventuell unangenehme Dinge benennen. Ich gab ihr im Vorfeld auch explizit die Erlaubnis, dies zu tun, auch wenn es für mich potentiell "schädlich" wäre.


    Dritter Diagnosetermin
    Bei meinem dritten Diagnosetermin war neben der Diagnostikerin auch ein Psychiater dabei. Hauptsächlich er leitete den Termin. Er fragte nochmal einige Dinge aus der Kindheit ab, wohl um besser zwischen angeborenem und erlerntem Verhalten differenzieren zu können.
    Hauptsächlich aber fragte er nach derzeit vorhandenen Problemen:
    - sozialer Umgang mit anderen Menschen
    - Geräusch-/Licht-/Bewegungsempfindlichkeit
    - Berührungen
    - Situationen die mich überfordern, schnell an meine Grenzen bringen oder schnell ermüden
    und ob diese meiner Meinung nach in letzter Zeit stärker oder schlimmer oder schwächer wurden. Ich konnte/durfte ihm zu jeder Frage Beispiele aus meinem Alltag nennen, in denen ich situativ Probleme hatte oder meine Probleme zu haben.


    Am Ende des dritten Diagnosetermins erhielt ich die Diagnose Asperger-Syndrom erst mündlich, etwa drei Wochen später auch schriftlich.


    Den besten Tipp, den ich geben kann ist folgender: sei bei der Diagnose einfach Du selbst und verstell Dich nicht um irgendwelchen Anforderungen gerecht zu werden.

    <p>nachdem ich nun diverse stellen kontaktiert habe, und antworten bekommenhabe, kaqnn ich abschliessend feststelen das es f&uuml;r erwachsene derzeit unm&ouml;glich ist in der ostschweiz eine diagnose zu bekommen.</p>


    Wie "unmöglich"?
    Im Sinne von "sofort" eine Diagnose bekommen?


    Ich musste in Zürich 3 Monate auf den ersten Diagnosetermin warten. In Deutschland kann es zwischen Anmeldung und erstem Diagnosetermin auch mal 1 Jahr oder mehr dauern, hatte auch schon von Wartefristen von 2 Jahren gelesen....


    Gruss
    René

    Aber das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht: das Kind kann sein Verhalten nicht einfach ändern, auch nicht durch ein paar Tage oder Wochen konsequenter Sanktionen. Darauf reagieren sehr viele ASS Kinder nicht, jedenfalls nicht bis zu einem gewissen Alter (unser Sohn ist 6).


    Tage oder Wochen mit kosequenter Sanktion... Grauselig... Solche Bestrafungen bekam ich oft.
    Nur: wenn Du in einer Situation überfordert bist, dann verstehst Du auch nicht, weshalb Du für die Überforderung bestraft werden sollst. War zumindest bei mir so.
    Bei mir hatte die Bestrafung nur dazu geführt, dass ich mich noch mehr als eh schon ausgeschlossen fühlte und das Vertrauen in die Person verlor. Mehr nicht. Gelernt hatte ich durch die Bestrafung nichts, ich empfand sie als grosse Ungerechtigkeit. Viele mit ASS haben ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, auch schon als Kind.
    Sanktionen können sich stark negativ auswirken. Das Verhältnis und Vertrauen zu Eltern oder Lehrpersonen kann dadurch stark und teilweise auch dauerhaft gestört sein.

    Aufgrund der grossen Bandbreite ist der Begriff "Asperger" im übrigen vor ein paar Jahren durch "Menschen im Autistischen Spektrum" abgelöst worden. (War das jetzt eine freche Bemerkung?


    Ne, nicht frech, nur den "Klugscheisser" raushängen lassen :D (Scherz!)


    Aber es stimmt, Du hast Recht, heute wird der Begriff "Menschen im Autistischen Spektrum" oder allgemein ASS (Autismus Spektrum Störung) (Klugscheiss zurück ;) ) verwendet.
    Ich tue mich mit der Bezeichnung "ASS" auch heute noch schwer, kenne das Thema "Autismus" durch das viele Lesen sicher schon seit den 90ern.

    Hallo...



    Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass es in meinem Leben schon diverse Vorfälle gab, in denen ich Aussagen meines Gegenübers (obwohl akustisch wie auch schriftlich verständlich) nicht verstanden bzw. falsch interpretiert habe.


    Das kann ein Anzeichen für ASS sein, muss es aber nicht. Auch viele "normale" Menschen haben ihre lieben Schwierigkeiten mit dem falsch verstehen oder falsch interpretieren. Sarkamus und Ironie versteht längst nicht jeder Mensch, auf der anderen Seite gibt es Autisten, die Sarkasmus und Ironie sehr gut verstehen und vorallem selbst auch oft anwenden.


    Quote


    Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich beim Autismus-Spektrum-Quotient-Test des Autism Research Center bei http://autismus-kultur.de/test…rger-test-erwachsene.html eine Punktzahl von 39 hatte. Wobei gesagt wird, dass die meisten Menschen im Autismus-Spektrum 32 und mehr Punkte erzielen.


    Diese Tests sind sogenannte "Screening-Tests". Damit wird geschaut, ob jemand autismustypische Aufälligkeiten aufweisen könnte. Sie haben nur insofern eine Aussagekraft, das man ASS ausschliessen kann oder das jemand "genug" viele autistische Auffälligkeiten aufweist, die man näher prüfen kann/sollte.


    Wie sehr solche Tests "daneben" hauen können, zeigte sich beispielsweise bei mir.
    Während der Diagnose durfte ich den AQ-Test ausfüllen und kam auf 46 Punkte. Das würde alleine anhand der Punktezahl laienhaft betrachtet für eine starke ASS-Prägung sprechen.
    Nach der Diagnose erhielt ich das Resultat schriftlich, darin wird Asperger bejaht, allerdings "nur" in einer leichten Ausprägung.


    Sprich, all die Tests (aq, eq_sq, ados usw) geben für sich genommen nur Hinweise, daraus aber irgend etwas ableiten zu wollen, wäre grob fahrlässig.
    Nur eine professionelle Diagnose kann Dir ein zuverlässiges Resultat ermöglichen.


    Falls Du eine professionelle Diagnose durchführen lassen möchtest, würde ich, weil auch ich in Heimen untergebracht war. überlegen, das/die Heim(e) anzufragen, ob noch Unterlagen über DIch vorhanden sind. Diese können für eine Diagnose unter Umständen sehr sinnvoll sein. Umso mehr, wenn Du keinen Kontakt mehr zu Deinen Eltern haben solltest.


    Quote


    Gemäss diesem Test bestünde also die Möglichkeit, dass ich mich irgendwo im Autismus-Spektrum (Asperger-Syndrom) befinde.
    Oder seh ich da etwas komplett falsch?


    Er schliesst eine Form von Autismus zumindest nicht komplett aus.



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    Nun frage ich mich, ob all das was ich erzählt habe, die Lebensgeschichte eines Aspies darstellt.


    Es gibt nicht den "Aspie" als Prototyp. Jeder Mensch mit Asperger ist einzigartig, wie es eben jeder "normale" Mensch auch ist. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen und jeder Aspie hat seine eigene Lebensgeschichte, die vielleicht, aber nur vielleicht, gewisse Schnittmengen mit den Lebensgeschichten anderer Aspies aufweist.


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    Würde es Sinn machen, mich gezielt von einem Spezialisten darauf analysieren zu lassen, in der Hoffnung eine Diagnose auf Asperger-Syndrom zu erhalten?


    Bei einer Autismusdiagnose geht es nicht nur darum, Autismus generell und eine Form des Autismus zu identifizieren, sondern auch darum, mögliche Begleiterscheinungen (paranoid, schizoid, anankastisch, Soziophobie usw) zu bestimmen oder auszuschliessen.
    Manche psychischen Erkrankungen weisen eine Überschneidung zu ASS auf, manche "ASS-typischen" Dinge finden sich auch in psychischen Erkrankungen wieder.
    Auch diese Punkte werden bei einer Diagnose meiner Meinung nach berücksichtigt, abgeklärt und differenziert betrachtet.


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    Es geht mir beileibe nicht darum, den armen Mann zu markieren. Aber ich möchte endlich wissen wer ich bin und wie ich mir selbst helfen kann.


    Verständlich.


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    Ich möchte endlich so behandelt werden, wie es mir zusteht und von meinen Mitmenschen verstanden werden.


    Eine allfällig positive Diagnose wird erst einmal nichts ändern, Deine Mitmenschen werden Dich deswegen nicht automatisch besser verstehen, selbst wenn Du ihnen die Diagnose sagen solltest. Im allgemeinen können die wenigsten mit "ASS" oder "Asperger" etwas anfangen. Vielleicht hatten sie möglicherweise "Rain man" gesehen und sich dadurch ein völlig falsches Bild eines Menschen mit ASS zurecht gelegt? Es gibt eben nicht DEN Autisten, jeder ist einzigartig und die Einzigartigkeit zeigt sich eben auch in den Dingen, mit denen man selbst nicht gut zurecht kommt. Das kann von Autist zu Autist komplett unterschiedlich sein.


    Aber ich verstehe Deine Wünsche und auch Hoffnungen sehr gut.


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    Ich möchte meine Stärken und meine Schwächen kundtun können.


    Was hindert Dich daran, es heute schon zu tun, auch ohne Diagnose?


    Beispiel: in unserer Firma findet jedes Jahr ein Firmenfest im Dezember statt. Ich war all die Jahre noch nie dabei, einfach deshalb, weil ich viele Menschen auf "einem Haufen" (Redewendung) und den Lärm nicht ertrage.
    Vor der Diagnose lehnte ich es jedesmal ab, daran teilzunehmen und denjenigen, die nachfragten, warum ich nicht teilnehmen wolle sagte ich "Ich mag nicht viele Leute auf einem Haufen" oder "Habe ich schon etwas anderes vor".
    Jetzt mit der Diagnose wird sich die Antwort nicht ändern... Ich muss meine Nichtteilnahme ja nicht mit "Ich habe Asperger - geht nicht" begründen, ich kann weiterhin sagen "Ich mag nicht viele Leute auf einem Haufen". Es ist weiterhin eine ehrliche Antwort.
    Denn: würde ich sagen "Ich habe Asperger"... Dann würden viele Fragen kommen. Die könnte ich zwar beantworten, aber ganz ehrlich... Es interessiert die wenigsten Menschen wirklich, welche Probleme und Umstände man hat, wenn man in einem Raum zusammen mit 50-60 Menschen "eingepfercht" ist und die Reize kaum bis gar nicht aushalten kann sondern am liebsten nur flüchten will. Es ist für Aussenstehende auch wohl sehr schwer, das wirklich auch nur im Ansatz nachvollziehen und verstehen zu können.


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    Und vor allem möchte ich meine Selbstzweifel ablegen dürfen.


    Das verstehe ich sehr gut.... Ich hatte vor der Diagnose starke Selbstzweifel. Aber: auch nach der Diagnose sind diese nicht verschwunden oder zurückgegangen, sie haben sich "nur" thematisch etwas verschoben.


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    Bin ich da auf dem richtigen Weg?


    Wenn Du den Verdacht hast, Du könntest ein Aspie sein und Du erkennst Dich in vielen Selbstbeschreibungen der Aspies wieder, dann würde ich eine Diagnose durchführen lassen um Sicherheit zu erlangen.


    Ob Du Dich vor der Diagnose noch genauer über ASS und allfällige Komorbitäten informierst, bleibt Dir überlassen. Wenn Du Dich als eher leicht beeinflussbar einschätzen solltest, dann solltest Du Dir vielleicht überlegen, ob Du Dich noch mehr über ASS informieren willst. Möglicherweise, wenn Du eher leicht beeinflussbar sein solltest, könntest Du z.B. die Tests bei der Diagnose unwillkürlich "ASS-stärker" ausfüllen, als Du es eigentlich wärst.



    Falls es für Dich "böse" oder DIch angreifend rüberkommen sollte, was ich geschrieben hatte... Das war/ist nicht meine Absicht oder Intention.
    Ich erkenne mich in Deiner Beschreibung "etwas über Asperger gelesen, ich seh Übereinstimmungen, habe ich es auch?" ein wenig wieder, auch wenn die Vorzeichen bei mir andere waren.
    Ich kann Dir nur empfehlen: geh das Thema so sachlich wie möglich an, hab Deinen Verdacht, das ist in Ordnung und hilft Dir, zu einer Diagnose(stelle) zu kommen, aber versuche keine Selbstdiagnose an Dir.... Betrache es als Möglichkeit, dass Du ASS/Asperger haben könntest, fixier Dich aber nicht darauf.


    Edit: Hier hat es eine Liste mit Diagnosestellen in und um Zürich, explizit auch für Erwachsene,


    @gizmo
    Meine Diagnose war am 5. Oktober 2017 zu Ende, das schriftliche Resultat trägt "F84.5 Asperger-Syndrom - ICD10" in der Beschreibung. Das mag veraltet sein, aber immerhin habe ich etwas in der Hand, mit dem ich arbeiten kann ;)

    Da wir alle nicht so viele Erfahrungen haben, möchte ich fragen, was man diesem Kind zu muten und erwarten kann.


    So einfach lässt sich das nicht sagen, weil Asperger bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist.
    Beispiel: manche haben kein Problem in einer Einkaufsmeile mit vielen Menschen rundherum, andere verzweifeln daran.
    So ähnlich dürfte es auch bei der Belastungsfähigkeit sein.



    das Kind ist sehr frech und respektlos in seinen Aussagen, hauptsächlich Erwachsenen gegenüber, reagiert gar nicht auf den Hinweis, dass dies so nicht geht.


    Nimmt das Kind die Reaktionen von euch Erwachsenen zumindest wahr? Beispielsweise, spricht kurz nicht, zuckt zusammen, hält in Bewegungen inne oder zeigt irgendeine Reaktion, das es den Hinweis zumindest wahrnimmt?



    die Frage ist: kann dieses Frechsein, einfach weiter beschimpfen und nicht zu stoppen sein unsErwachsenen gegenüber wirklich nur Asperger sein, oder wurde dem Kind nicht zu viel durchgelassen von den Eltern im Sinne von " wir sagen nichts, denn das ist einfach so bei ihm"?


    Von aussen betrachtet dürfte es schwer fallen, zwischen "Asperger" und "zuviel durchgelassen" zu unterscheiden.


    Ich kann nur für mich sprechen, weil ich als Kind oft ähnlich frech zu Erwachsenen war und ihnen nicht zuhörte.
    Das frech sein und nicht hören und auf Hinweise reagieren wollen machte ich hauptsächlich, wenn ich mit oder in einer Situation überfordert war oder etwas erledigen wollte und dabei gestört wurde.



    Gehört dieses Frechsein, andere Beschimpfen, sich überall rauswinden und kein Gefühl für seine Verantwortung wirklich zum Aspergersyndrom? Ich fand in der Literatur nichts darüber und möchte gerne wissen, wieviel können wir von ihm verlangen?


    Wie ist das genau mit dem Beschimpfen gemeint? Kommt die Beschimpfung jeweils zielgerichtet artikuliert und situativ "richtig" angewendet oder mehr unverhofft und überraschend, vielleicht komplett zusammenhangslos erscheinend? Wenn letzteres der Fall sein sollte, könnte möglicherweise (zumindest theoretisch!) auch das Tourette-Syndrom als Komorbität von Asperger dafür verantwortlich sein. Könnte, nicht muss.


    Wie ist das genau mit "kein Gefühl für seine Verantwortung" genau gemeint?


    Das sich überall rauswinden wollen kann der situativen Überforderung geschuldet sein, aber dazu müsstest Du mehr Details schreiben und Beispiele nennen. So aus der Ferne ist eine Einschätzung schwer bis unmöglich denke ich.


    Gruss
    René


    Schlimm wird es dann, wenn du deine Diagnose, falls positiv, auch noch an andere koimmunizierst. Das siehst du hier im Forum an Mitgliedern, die ihre Erlebnisse damit beschreiben (Regenbogen, Fritz etc.).


    Anstelle einer Diagnose, die deine Persönlichkeit auf einen Begriff reduziert, empfehle ich Überlegungen zu Symptomen, die als Stärken oder Schwächen interpretiert werden können.


    Ich (43, m) hatte die Diagnose "Asperger" vor zwei Wochen bekommen.
    Ja, ich stand und stehe vor der Frage, ob ich es anderen sagen soll. Meine Frau und die Verwandtschaft weiss es, auf der Arbeit wissen es zwei Personen, denen ich vertraue.
    Sonst weiss es niemand und vermutlich wird es auch so bleiben.


    Ich denke, man sollte differenzieren.
    Die Diagnose und das Resultat ist erst einmal für sich selbst. Es kann einem helfen, sich besser zu verstehen, besser seine Stärken und Schwächen einschätzen zu können und auch um an sich arbeiten zu können.


    Wie Moira schrieb, wurde der Leidensdruck bei mir die letzten Jahre immer grösser, ich vermochte immer weniger richtig zu kompensieren und brauchte immer mehr Ruhe.
    Wenn Du Field, zumindest einen Verdacht hast und sicherlich schon viel darüber nachgedacht hattest, würde ich diesem Verdacht nachgehen.
    Du schreibst selbst, das Du vieles gelernt oder eben kompensieren kannst. Das wird auch so immer wieder beschrieben, das Frauen besser in der Lage sind, ihre AS-"Unzulänglichkeiten" zu kompensieren als Männer und das ist wohl mit ein Grund dafür, das AS bei Frauen weniger diagnostiziert wird.


    Es wird auch beschrieben, dass diese Kompensationsstrategien mit zunehmendem Alter wieder zurück gehen und man "dünnhäutiger" (Redewendung) wird, so wie es bei mir der Fall ist (vorallem Geräusche und Bewegungen). So betrachtet würde es für eine Diagnose sprechen, bevor man die Kompensationsstrategien wieder verliert und dünnhäutiger wird, denke ich zumindest.


    Was man aber mit der Diagnose anstellt, also ob man es überhaupt anderen Menschen sagt oder versucht mit der Diagnose erst einmal umzugehen ist eine komplett andere Sache finde ich.

    Zurückblickend und nur für mich ist der Schritt, die Diagnose durchführen zu lassen, die richtige Entscheidung gewesen. Ich kann mir mit dieser Diagnose zwar nichts kaufen (Redewendung), aber ich verstehe mich, meine Stärken und Schwächen, meine Unzulänglichkeiten besser und ich merke schon, das ich bei gewissen Dingen eher gelassener bin wie früher vor dem Verdacht. Denn ich weiss jetzt z.B., woher meine Ungeduld kommt, warum ich Smalltalk zwar mittlerweile gut kann, es aber komplett öde und langweilig finde (alle anderen aber Smalltalk mögen) usw. Auch das ist ein Resultat der Diagnose.


    Der Tag, an dem ich die Diagnose bekam war schon wie ein Hammer auf den Kopf. Zugleich war es aber auch die Bestätigung eines Verdachts und vieler eigener Überlegungen und Schlussfolgerungen.


    Ob man die Diagnose durchführen will ist jedem selbst überlassen (naja, bei Kindern werden die Eltern die Diagnose vielleicht anstrengen). Was man daraus macht ebenso. Manche fallen beim Resultat der Diagnose in ein tiefes Loch, andere nehmen die Diagnose hin.

    Bei uns gibt es in der Firma jedes Jahr eine Weihnachtsfeier, denen ich immer fernbleibe (zuviel Lärm, zuviele Menschen für mich). Ich werde auch dieses Jahr wieder fernbleiben, aber nicht sagen, das ich AS habe, sondern das ich viele Menschen in einem Raum und den Lärm nicht (v)ertrage. Das ist ehrlich ohne AS zu nennen.
    Will schreiben: trotz Diagnose AS muss man diese anderen nicht auf die Nase binden, wenn es sich vermeiden lässt.
    Das macht, wie Moira schon schrieb, vielleicht Sinn, wenn es hilft, gegenseitiges Verständnis bei immer den gleichen und wiederkehrenden Stolpersteinen aufzubauen.