Coop und Migros machen ihre Lautsprecher nicht leiser

      Coop und Migros machen ihre Lautsprecher nicht leiser

      Eine britische Supermarktkette hat beschlossen, für Autisten eine ruhige "Einkaufsstunde" einzuführen.

      Diese Idee wurde offenbar auch bei Coop und Migros diskutiert, ist aber für beide offenbar - zumindest derzeit - keine Option.

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      Der Vorschlag, Menschen, die wegen der Geräuschkulisse Mühe mit dem Einkaufen hätten könnten doch über den Online-Shop einkaufen finde ich gewagt...

      Mir zumindest geht es folgendermassen... Wenn ich mich nicht jede Woche dieser Situation des Einkaufens aussetze, fällt es mir je länger umso schwerer, mich dann irgendwann wieder dieser Situation auszusetzen. Das wöchentliche Einkaufen ist zumindest für mich wie auch ein wöchentliches Training.

      Wie denken andere über die Entscheidung von Coop und Migros?
      Würde so eine "ruhige Einkaufsstunde" für empfindliche Menschen/ Menschen mit ASS Sinn machen?

      Bootsmann schrieb:

      Ich finde generell sollten sie die Geräuschkulisse senken. Und wenn sie dann schon so nett darauf hinweisen, Autisten sollten doch "online einkaufen" würde ich die Läden boykottieren. Auch Normalos nervt die Dauerbeschallung.


      Ja, das wäre schön, wenn die Geräuschkulisse in den Geschäften niedriger wäre (Brotbackofen *piep piep*, Kassensysteme *piep piep*, *Dingdong Frau Meier an Kasse 3* usw.). Ich verstehe schon, dass gerade bei den Kassensystemen die akustische Rückmeldung für das Personal wichtig ist, aber für lärmemfindliche Menschen ist die Masse an Geräuschen zuviel.

      Wenn die Dauerbeschallung auch "Normalos" nervt... Ist das möglicherweise mit ein Grund, weshalb die Menschen in den Geschäften derart massiv gestresst sind?
      Einkaufen sollte doch nach der Vorstellung der Läden ein Erlebnis sein... Wie passt die Erlebnishaltung zu der realen Stresssituation der Menschen in den Geschäften?
      Da klaffen Wunschdenken und Realität meiner Meinung seeeehr weit auseinander...
      Viel Interessanter als die Weigerung der beiden grossen für eine Stunde in der Woche den Geräuschpegel zu senken finde ich die Antworten darauf. Ich denke sie spiegelt sehr gut das Denken der Menschen in der Schweiz zum Thema Autismus wieder. Ich habe den Eindruck dass die meisten derjenigen die dort Ihre meinung kundtun nicht die geringste Ahnung haben was Autismus ist. Aber trotzdem eine Meinung dazu haben, nämlich keine Extrawünsche für Menschen mit (nicht sichtbaren) Behinderungen zulassenn zu wollen. Jemand schlaues hat mal gesagt man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran wie sie mit Ihhren Minderheiten umgeht, und da git die Schweiz meines Erachtens kein gutes Bild ab, schon gar nicht wenn es um das Thema autismus geht.
      Es gibt einen Grund warum man in GB keine Mühe damit hat mal für eine Stunde in der Woche den Geräuschpegel im Supermarkt zu senken, den die Briten sind in Sachen Akzeptanz von Autismus deutlich fortgeschrittener als anderso und ganz sicher als in der Schweiz. Meines Erachtens hinkt die Schweiz auch in diesem Thema wie bei anderen auch um eine Dekade hinterher.

      gizmo schrieb:

      Viel Interessanter als die Weigerung der beiden grossen für eine Stunde in der Woche den Geräuschpegel zu senken finde ich die Antworten darauf.


      Als ich das erste Mal von der Weigerung der beiden grossen Konzernen hörte, dachte ich genau das auch.

      gizmo schrieb:


      Ich denke sie spiegelt sehr gut das Denken der Menschen in der Schweiz zum Thema Autismus wieder. Ich habe den Eindruck dass die meisten derjenigen die dort Ihre meinung kundtun nicht die geringste Ahnung haben was Autismus ist.


      Ich meine seit Jahren beobachten zu können, das viele Menschen in der Schweiz immer egoistischer werden, aber das ist ein anderes Thema.

      Ein bisschen wundere ich mich schon über die Reaktion von Coop und Migros... Als Jugendlicher besserte ich mein Taschengeld dadurch auf, abwechslungsweise in beiden Geschäften die Gestelle mit Neuware aufzufüllen. In der Zeit nahm ich wahr, das beide teilweise eine sehr soziale Ader und für Probleme eigentlich immer ein offenes Ohr hatten.
      Ist aber schon bald 30 Jahre her.
      Das scheint sich geändert zu haben, was ich sehr bedauere.

      gizmo schrieb:


      Aber trotzdem eine Meinung dazu haben, nämlich keine Extrawünsche für Menschen mit (nicht sichtbaren) Behinderungen zulassenn zu wollen.


      Auch das wundert mich... Die Kassen sind ja eigentlich Computer, da könnte man das *Piep* mit einer Softwareanpassung zeitgesteuert leiser machen. Die Werbung ist auch zeitgesteuert, könnte man also auch durch ein Softwareupdate für eine Stunde/Woche abschalten usw.
      Es wäre für beide ein Aufwand, auch finanziell. Aber auch eine Chance... Wenn sie es umsetzen könnten, dann könnten sie damit auch werben und so zeigen, das ihnen auch Minderheiten wichtig sind.
      Wenn die "Grossen" das schon nicht wollen, wieso sollten die "kleinen" Rücksicht auf Menschen wie uns nehmen. "Grosse" könnten eine Vorbildfunktion einnehmen und die Wahrnehmung von Autismus in der Gesellschaft positiv beeinflussen.

      gizmo schrieb:


      Jemand schlaues hat mal gesagt man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran wie sie mit Ihhren Minderheiten umgeht, und da git die Schweiz meines Erachtens kein gutes Bild ab, schon gar nicht wenn es um das Thema autismus geht.


      Es scheint manchmal eher schleppend "vorwärts" zu gehen und Verbesserungen setzen sich nur langsam und zäh durch.

      gizmo schrieb:


      Es gibt einen Grund warum man in GB keine Mühe damit hat mal für eine Stunde in der Woche den Geräuschpegel im Supermarkt zu senken, den die Briten sind in Sachen Akzeptanz von Autismus deutlich fortgeschrittener als anderso und ganz sicher als in der Schweiz. Meines Erachtens hinkt die Schweiz auch in diesem Thema wie bei anderen auch um eine Dekade hinterher.


      Ich war 2004/2005 für ein paar Tage in London und war erstaunt, mit vieviel Respekt die Menschen dort einander begegnen. Kein Gedränge in den U-Bahnstationen oder bei der Bushaltestelle, alle schön in Reih und Glied, wie sie an die Haltestelle ankamen wartend... Kein Rumgeschubse und Anrempeln...
      In der Stadt Zürich drehe ich in der Regel innert ein paar Minuten durch...
      In London, selbst in der U-Bahn war ich auch nach Stunden noch fast tiefenentspannt.
      Ich finde auch, dass allgemein die Hintergrundberieselung eindeutig zu laut ist. Dass die grossen Unternehmen nicht speziell auf Autisten Rücksicht nehmen wollen, hängt wohl ganz klar mit der weitgehenden Ignoranz der Teppichetagen zusammen. Weshalb sollten die speziell auf Autisten reagieren? Es darf auf gar keinen Fall ein Präzedenzfall geschaffen werden, weil sonst nämlich plötzlich alle möglichen Gruppierungen irgendwelche Ansprüche geltend machen könnten. Das würde eine Kettenreaktion auslösen und das geht dann schon mal ganz klar gar nicht, auf gar keinen Fall. Leider kenne ich solche Verhaltensweisen aus eigener Erfahrung - nämlich am besten gar nicht auf Begehren reagieren.

      Aus meiner Sicht kann ich nur eines gegen den Lärm unternehmen, nämlich solche Geschäfte - soweit es sich einrichten lässt - meiden. Auch ist in vielen Restaurants die Musik viel zu laut, Interventionen meinerseits haben immer wieder zu unschönen und abwertenden Reaktionen geführt. Gerade kürzlich "musste" ich in einem solchen einer Einladung Folge leisten. Über dem reservierten Tisch befand sich ein Mega - Lautsprecher, die absolute Hölle. Als ich fragte, ob man denn nicht wenigstens die Lautstärke einwenig reduzieren könne, hiess es, mir stünde es frei, das Lokal zu verlassen ... Ich weiss heute noch nicht, wie ich diese Aussage interpretieren soll. Am besten, das Lokal zukünftig meiden.

      Ich finde die Ausführungen von Lumpi total spannend. Offensichtlich geht es nämlich doch irgendwie. Toll, vielleicht reise ich demnächst mal nach London. Ist echt eine Überlegung wert. Danke Lumpi !

      Regenbogen schrieb:

      Als ich fragte, ob man denn nicht wenigstens die Lautstärke einwenig reduzieren könne, hiess es, mir stünde es frei, das Lokal zu verlassen ... Ich weiss heute noch nicht, wie ich diese Aussage interpretieren soll. Am besten, das Lokal zukünftig meiden.


      Wenn ich mal übersetzen darf: dem Wirt war es komplett egal, wie Du Dich bei ihm gefühlt hattest. Mit "es steht Dir frei das Lokal zu verlassen" unterstrich er diese Haltung und sagte so auch, das er Dir zuliebe nichts ändern würde.


      Regenbogen schrieb:


      Ich finde die Ausführungen von Lumpi total spannend. Offensichtlich geht es nämlich doch irgendwie. Toll, vielleicht reise ich demnächst mal nach London. Ist echt eine Überlegung wert. Danke Lumpi !


      Bitte...

      Einige meiner Probleme, die mich überfordern beruhen darauf, das sich Menschen nicht an Regeln und Gesetze halten und keine Rücksicht auf andere Menschen nehmen. Das ist mit ein Grund dafür, das die Stadt Zürich für mich ein Horror ist.
      Also meide ich nach Möglichkeit die Stadt Zürich.

      Bei Migros und Coop ist das mit dem Vermeiden eben so eine Sache... Man kommt fast nicht an ihnen vorbei, und wer meint, in einem Denner wäre es anders... Pustekuchen, Denner gehört auch zur Migros.

      Der Gedanke, das Schaffen eines Präzedenzfalles zu vermeiden ist sehr interessant.
      Aber irgendwie... Ist es doch auch idiotisch... Wenn viele normale Menschen schon Mühe mit dem Lärm haben dann wäre doch das Interesse vorhanden, den Lärm einzudämmen?
      Hallo Lumpi,

      ja, du hast mit grosser Wahrscheinllichkeit recht: dem Wirt wird meine Anwesenheit egal gewesen sein. Es scheint so, als dass ich der Einzige gewesen bin, dem der Lärm negativ aufgefallen ist. Auch hier könnte ich einen Präzedenzfall vermuten, den es einzugehen nicht lohnt. Grundsätzlich ist es ja so, dass die Mehrheit sich offensichtlich in besagtem Lokal nicht an dem Lärm gestört fühlt, abgesehen davon hat die Anlage Musik gespielt, die "in ist", da kann ich mit meiner Vorliebe für Klassik sowieso nicht mithalten. Meine Vorstellung von Musik geht leider in eine andere Richtung ...

      Das mit dem Lärm - sprich Musik oder was auch immer - soll, so glaube ich gelesen zu haben, verkaufspsychologische Gründe haben. ??? - na, ich weiss nicht. Eine Alternative zu den Grossdetaillisten sind die guten alten Tante Emma - Läden, von denen es, zumindest auf dem Land, doch noch einige gibt. Dort findest du in der Regel keinen Lärm vor.

      Was du bezüglich nicht an Regeln und Gesetze halten und dem damit verbundenen Stress schreibst, kann ich nur zu gut nachvollziehen, mir geht es nämlich ebenso ... Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten unnötigem Stress ausgesetzt zu werden, ich als Eigenheimbesitzer denke da mal nur so an Nachbarstreitigkeiten, deren Liste von Auslösungsmöglichkeiten länger als eine Klopapierrolle ist - sorry für den Ausdruck - , oder aber die zunehmende Rüpelhaftigkeit im Strassenverkehr, oder generell in der Stadt. Ein Graus sind für mich die Horden von Touristen, aber dazu will ich mich lieber nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, das ist ein heikles Thema, dennoch: für mich werden Aufenthalte in Städten einfach unmöglich. Ok, ich will das hier nicht weiter ausweiten, für mich bedeuten Aufenthalte in Menschenmassen nur noch Alarmstufe ROT.

      Da bleibt nur noch die klamme Frage: und jetzt? Die Suche nach einem anderen Planeten? Ich hätte Astronaut werden sollen.
      Jetzt musste ich den Artikel im Blick doch noch lesen...aber Leute, dass Coop das nicht machen will steht so nicht geschrieben, sondern, die hatten noch nie eine Anfrage! Klar, schön wäre, die würden das jetzt so ganz ohne Anfrage proaktiv einführen, aber wo keine Nachfrage da macht man normalerweise ja schon auch keine Anpassungen.
      Klar, die Antworten der Migros Sprecherin sind total ignorant...andererseits... von allen Menschen zu erwarten, dass die sich mit Autismus auskennen, das geht doch irgendwie auch nicht? Das ist ja noch lange keine böse Absicht, oder denkt ihr schon?
      Ich habe kein ASS, bin aber trotzdem in vielen Dingen schon fast ähnlich empfindlich wie meine beiden betroffenen Söhne und das viele gepiepe usw. geht mir wahnsinnig ans Nervenkostüm...ich finde das auch eine Zumutung für die Mitarbeitenden im Verkauf muss ich sagen.
      In Restaurants muss auch ich regelmässig flüchten, fängt nur ein Tisch an nach ein paar Gläschen lauter zu werden beginnen plötzlich alle damit, sich gegenseitig zu übertönen. Ich glaube es ist einfach "in" und manchmal lange ich mir echt an den Kopf wenn ich zugucke, wie sich die Leute in Bars anschreien, aber hauptsache es donnert coole Musik aus den Lautsprechern?!
      Wir wohnen in der Stadt Zürich und mein Sohn sagt ganz klar, wenn er gross ist zieht er aufs Land, a wegen der Ruhe, b kann er dann einen Hund halten :)
      Sollen wir nochmals an Coop und Migros schreiben? Oder an den Tagi oder ein anderes vielleicht etwas differenzierteres Blatt? Das täte mich interessieren, was dann wäre...mich dünkt, Länder wie England, Australien und USA sind eh viel weiter was Autismus betrifft...aber auch was Lobbying angeht, und da denke ich könnten wir in der CH uns eine Scheibe abschneiden und etwas mehr Initiative zeigen, was denkt ihr?
      Hallo bigMaMa

      Ich habe hier in der Aargauer Zeitung noch einen weiteren Artikel zu diesem Thema gefunden.

      Daraus möchte ich hier zwei Passagen zitieren

      Artikel Aargauer Zeitung schrieb:


      Die Migros sieht dennoch keinen Bedarf für eine «stille Stunde». Laut Sprecherin Martina Bosshard setze man in den Filialen auf diskrete Musik, die Genossenschaft Luzern verzichtet gar komplett darauf. Menschen mit Autismus haben aus Sicht der Migros genügend Ausweichmöglichkeiten: Lärmempfindliche Personen könnten kleinere Filialen und Zeiten auswählen, in denen die Besucherzahl geringer sei. «Ausserdem gibt es die Möglichkeit, online bei LeShop einzukaufen», sagt Bosshard.


      Ich empfinde diese Formulierung als sehr problematisch... Bei mir in der Gegend gibt es im Umkreis von ca. 15 km einen grossen (3M)-Migros und zwei mittlere (2M)-Migros, bei Coop sieht es ähnlich aus.
      "Mein" Coop, in dem ich einkaufe, hat zu meiner Einkaufszeit öfters eher weniger Menschen, was mir sehr entgegenkommt. Dennoch, das Gepiepse, die Werbung, die Mitarbeiterrufe über die Lautsprecher usw. setzen mir jedesmal zu.

      Vor 20 Jahren bekam ich Panikattacken, vorallem in Lebensmittelgeschäften, in Zügen und wo es sonst zu grossen Menschenansammlungen, vielen Geräuschen und Bewegungen und Gedränge kommt. Ich konnte diese Panikattacken in Griff bekommen, muss aber diverse Situationen immer wieder üben, sonst drohen erneut Panikattacken.
      Ich wäre sogar in der "glücklichen" Situation, meine Frau die Einkäufe erledigen zu lassen. Aber das will ich aus mehreren Gründen nicht, ich möchte und will so selbstständig sein wie nur möglich und dazu gehört eben auch der Einkauf.
      Da ich 100% auf dem 1. Arbeitsmarkt berufstätig bin, kann ich nicht einfach eben so "Ranzeiten mit wenig anderen Kunden" aussuchen... Ich kann um 16-16:30 Uhr in den Geschäften sein, bevor die grosse Masse einkaufen geht.
      Lieferdienste wie "LeShop" oder das Pendant von Coop nutzen wir auch manchmal, aber wie ich oben schon schrieb... Ich muss solche Situationen immer wieder üben, damit die Panikattacken nicht zurückkommen.

      Artikel Aargauer Zeitung schrieb:


      Denner habe vergleichsweise kleine Läden, wodurch mehr Einkaufskörbe als laute Einkaufswagen benutzt würden, sagt Sprecher Thomas Kaderli. Aufgrund der Einrichtung mit vielen Gestellen werde der Geräuschpegel gedämpft und es halle weniger in den schmalen Gängen. Aldi-Sprecher Philippe Vetterli sagt, Lautsprecheransagen erfolgten nur in wenigen Fällen.


      Die Geräuschdämpfung durch die Gestelle mag bei normalempfindlichen Menschen spürbar sein, mich bringen die Geräusche und durch die Gestelle zusätzlich entstehenden Echos manchmal fast an der Rand der Reizüberforderung und selten fast um den Verstand.
      Schmale Gänge sind nichts für Menschen, die Probleme mit menschlicher Nähe oder Berührungen/Anrempler haben... Ich bin selten in einem Denner, zwischen den engen Gestellen fühle ich mich sehr unwohl, auch wenn sonst keine Menschen zugegen sind.


      bigMama schrieb:


      Klar, schön wäre, die würden das jetzt so ganz ohne Anfrage proaktiv einführen, aber wo keine Nachfrage da macht man normalerweise ja schon auch keine Anpassungen.
      Klar, die Antworten der Migros Sprecherin sind total ignorant...andererseits... von allen Menschen zu erwarten, dass die sich mit Autismus auskennen, das geht doch irgendwie auch nicht? Das ist ja noch lange keine böse Absicht, oder denkt ihr schon?


      Ich hatte mir schon nach dem Lesen diverser Artikel zu diesem Thema mehrmals überlegt, Coop und Migros anzuschreiben. Aber ich hadere - immer noch.... Ich bin eine (sehr) introvertierte Person und kann meine Anliegen nur sehr schlecht so formulieren, um meinem Ansinnen auch gerecht werden zu können.
      Ohne die Personen, die ich oben zitierte angreifen zu wollen, sie wissen es ja offensichtlich nicht besser... Ihre Aussagen zeigen, dass sie die Problematik(en) bei Autismus nicht verstehen ("Enge Gänge sind doch toll und dämpfen den Lärm"). Enge Gänge bedeuten eben auch zu starke menschliche Nähe.
      Autismus zeigt sehr viele Ausprägungen und allen Ausprägungen kann man nicht gerecht werden, selbst wenn man denn wollte.

      Deshalb war folgendes eigentlich ein sehr guter Schritt

      Artikel Aargauer Zeitung schrieb:


      Regula Buehler, Geschäftsleiterin des Vereins Autismus Deutsche Schweiz (ads), wünscht sich eine solche Aktion auch hierzulande: «Für Menschen mit Autismus oder auch anderen Beeinträchtigungen wäre es ein grosser Gewinn an Lebensqualität, wenn sich Migros, Coop und andere Händler an Morrisons ein Beispiel nehmen würden.» Buehler wurde bereits einmal aktiv. Vor rund zwei Jahren wandte sie sich mit ihrem Anliegen an den Migros Genossenschaftsbund, der Zentrale des Detailhandelsriesen. Dort fand sie allerdings kein Gehör und wurde an die zehn einzelnen Migros-Genossenschaften verwiesen.



      bigMaMa schrieb:

      Sollen wir nochmals an Coop und Migros schreiben? Oder an den Tagi oder ein anderes vielleicht etwas differenzierteres Blatt? Das täte mich interessieren, was dann wäre...mich dünkt, Länder wie England, Australien und USA sind eh viel weiter was Autismus betrifft...aber auch was Lobbying angeht, und da denke ich könnten wir in der CH uns eine Scheibe abschneiden und etwas mehr Initiative zeigen, was denkt ihr?


      Ja... Nur wie anfangen und es vorallem richtig machen? Ich meine, es wäre erst einmal wichtig, die ensprechenden zuständigen und/oder verantwortlichen Personen zu finden und diese dann bezüglich Autismus zu sensibilisieren. Das setzt aber ein Wohlwollen dieser Personen voraus.
      Sie müssten verstehen und nachvollziehen können, weshalb Geschäfte für Menschen mit ASS zu einer Herausforderung werden können und vorallem warum. "Es ist halt laut", das ist zu einfach und zu plump. Sie müssten die Mechanismen verstehen, wie Menschen Reize automatisch und unbewusst in "wichtige" und "unwichtige" Informationen aufteilen und nur die "wichtigen" Informationen ins Bewusstsein gelangen. Sie müssten verstehen, das dieser Mechanismus der automatischen Reizfilterung bei Menschen mit ASS nur eingeschränkt oder gar nicht funktioniert und man dann manchmal oft die volle Breitseite an Informationen ins Bewusstsein transportiert bekommt. Sie müssten verstehen, dass zuviele Informationen nicht verarbeitet werden können und - zumindest bei mir - ich bei zuvielen Informationen noch empfindlicher werde - ich habe normalerweise keinen guten Geruchssinn, in so einer Situation dreht dieser dann zusätzlich voll auf - und noch mehr Informationen wahrnehme, diese aber immer weniger verarbeiten kann.
      Sie müssten verstehen können, weshalb neben der akustischen Reizüberflutung zusätzliche Reize wie ein Anrempeln oder Wegstossen teilweise auch in einem Gefühlsgau enden und - zumindest ich - dann manchmal einfach an Ort und Stelle nur noch niedersitzen und heulen will, weil mir das alles zuviel wird.

      Edit: Ich habe auch ein Problem damit, wenn Lebensmittel oder Produkte immer wieder woanders platziert werden. So kommt es öfters vor, das ich meine Yoghurtsorte auch mal 10-15 Minuten lang suchen muss, bevor ich sie finde. Wenn meine Yoghurtsorte nicht am üblichen Platz ist und ich mir einen Überblick über alle Yoghurtsorten verschaffen will... Das klappt nicht, für mich sehen die Yoghurtsorten dann alle gleich aus. Ich kann schon an meinem eigenen Kühlschrank scheitern auf den ersten Blick das zu finden was ich suche, sollte sich das gesuchte Objekt nicht am üblichen Ort befinden.
      Dann fange ich oben links an zu suchen und arbeite mich so von links nach rechts und von oben nach unten vor.


      Ein bestmögliches Verständnis dieser Personen würde vielleicht dazu führen, das ASS und Betroffene ernster genommen werden und man vielleicht einen Schritt weitergeht und überlegt, was man unternehmen könnte, um den Einkauf für Menschen mit ASS angenehmer machen zu können.

      Ich wüsste nicht, wie man den zuständigen und/oder verantwortlichen Personen "unsere" Herausforderungen und Probleme in ihren Geschäften sowohl schriftlich wie auch vielleicht in einem persönlichem Gespräch vermitteln könnte. Meine Probleme und Herausforderungen mögen auch andere haben, aber ich kann ja nicht für alle schreiben / sprechen, denn andere haben vielleicht auch noch andere Herausforderungen und Probleme.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Lumpi“ ()

      Hallo bigMama

      bigMaMa schrieb:

      Lieber Lumpi
      Danke für deine ausführlichen Gedanken zum Thema und entschuldige die lange Funkstille, der Alltag hat mich eingeholt...


      Das ist schon ok so... Das Problem existiert ja immer noch ( ;) ).

      bigMaMa schrieb:


      Wir könnten nochmals bei ads anklopfen? Oder bleiben lassen? Auch Menschen mit ADHS, Hochsensibilität usw könnten an ruhigerem Einkaufen interessiert sein...


      Versuchen können wir es schon.

      ps:
      Gestern war kein guter Tag für mich... Hatte den ganzen Tag über immer wieder Reizüberflutungen, musste aber nach der Arbeit einkaufen gehen, der Einkauf duldete leider keinen Aufschub.
      Obwohl es "mein" oben beschriebener Coop war, in den in einkaufen ging... Gestern war es mir in "meinem" Coop definitiv viel zu viel vorallem an akustischen Reizen. Ich musste mich derart zusammenreissen, nicht panikartig das Geschäft zu verlassen
      Normalerweise schlafe ich abends zwischen 20-21 Uhr ein... Gestern konnte ich wegen den vielen Sinneseindrücken und Reizüberflutungen bis 0 Uhr nicht schlafen und bis 3:30 wachte ich mindestens acht Mal auf.

      Die gestrige/heutige Schlafstörung möchte ich explizit nicht Coop "in die Schuhe" schieben... Aber der gestrige Einkauf zeigt (mir), das auch Menschen wie ich, die gelernt haben viele(s) (Sinneseindrücke) aushalten zu können, irgendwann an ihre Grenzen stossen bzw auch überschreiten. Bei mir war es gestern im Coop so.

      pps: vorgestern bin ich mehr per Zufall über diesen Artikel bei Watson gestolpert, der auch über die Reaktion von Coop und Migros bezüglich einer reizarmen Stunde berichtet. Die Antworten der Leser spiegeln (Gott sei Dank) nicht die durchschnittliche Meinung der Schweizer wieder, aber ich meine, das einigen der Kommentatoren dort ein bisschen das Fingerspitzengefühl fehlt. Also... Nichts für schwache Nerven, zumindest die Kommentare.
      Liebe Alle
      Dieses Thema beschäftigt mich seit eher, da ich Hochsensibel und unser Sohn ASS betroffen ist.Ich erlebe, dass das Thema Authismus gerade in den letzten 2 Jahren an Beachtung gewann, nicht zuletzt durch die Arbeit und Engagement des Authismusverband und die Verknüpfungen dessen.Ich bin überrascht welche Unzufriedenheit hier im eigenen Land herrscht, was man in den hier aufgerufenen Berichten lesen kann gegenüber Nicht Betroffenen.Die Migroszeitschrift hat vor nicht allzu langer Zeit Familien die von ASS betroffen sind begleitet und darüber berichtet.
      Der ZürcherOberländer bringt vermehrt Berichte über Erfahrungen mit ASS.Die Schulen öffnen sich immer mehr diesem Thema und bringen Ihre Lehrpersonen in Fortbildungen zum Thema ASS.Wir können und sollten die Schweiz nicht mit England vergleichen da die Mentalitäten anders sind.Lieber sollten wir uns fragen was können wir weiterhin tun.Ich persönlich kaufe wirklich über Coophome und bin zufrieden.Ich habe andere Möglichkeiten, wo ich mich immer wieder testen kann, wie ich mich in Stressituationen halten kann.Ich glaube Frau Bosshard hat dies nicht abwerdend gemeint eher klar deffiniert.Es gibt Länder da gibt es nicht einmal Supermärkte in dem Ausmass wie wir ihn hier haben.Natürlich ist es noch ein steiler Weg, bis für jedermann ersichtlich wird, welche alltägliche Belastungen ein ASS Betroffener ausgesetzt ist.Wir sind aber am gehen diesen Weges.Ihr kennt es doch...ein Schritt nach dem anderen.Es liegt an uns was wir bereit sind zu geben.....besser gesagt zu zeigen.
      Herzlichste Grüsse
      Ps.: Halt euch nicht fest an Dinge die es nicht gibt,
      sondern greift nach den Dingen die es gibt.